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CAS lehnt Einspruch ab
Russische Behindertensportler bleiben für Rio gesperrt

CAS: Paralympics 2016 finden ohne russische Behindertensportler statt
Die Paralympics finden, anders als die Olympischen Spiele, ohne russische Sportler statt. FOTO: dpa, sc hm jhe
Rio de Janeiro. Die Paralympics in Rio de Janeiro finden ohne russische Sportler statt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS bestätigte am Dienstag den vom Internationalen Paralympics Komitee beschlossen Komplett-Ausschluss der russischen Athleten in der Affäre um vermeintliches Staatsdoping.

Der CAS begründete am Dienstag in Rio de Janeiro seine Entscheidung damit, dass das IPC nicht gegen seine Regeln verstoßen habe. Zudem sei die Entscheidung angesichts der Umstände verhältnismäßig, hieß es in einer Mitteilung. Das Russische Paralympische Komitee (RPC) habe keine Beweise vorlegen können, die die Faktenlage verändere.

Im Gegensatz zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) hatte das IPC am 7. August das RPC wegen seiner Verwicklungen in das staatlich gelenkte Doping-System suspendiert. Damit hatten automatisch alle russischen Sportler ein Startverbot bei paralympischen Wettkämpfen erhalten. Das RPC legte gegen die Aussetzung seiner IPC-Mitgliedschaft Einspruch ein, scheiterte damit aber.

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) begrüßte den CAS-Entscheid. "Das ist eine gute Nachricht für die Fairness im Sport", sagte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher dem SID: "Dieses Urteil ist ein Zeichen für konsequente Null-Toleranz-Politik in Sachen Doping, die dem Sport ein Stück Glaubwürdigkeit zurückgibt."

In Moskau stieß die Entscheidung auf scharfe Kritik. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) habe politisch und nicht juristisch entschieden, sagte Sportminister Witali Mutko. "Es gab keinen Grund für den Ausschluss, und doch ist es so gekommen", sagte er der Agentur Tass in Moskau.

Das IPC hatte für seine Kollektivstrafe weitere Informationen des kanadischen Juristen Richard McLaren, der die Untersuchung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zum vermeintlichen Staatsdoping leitete, als Grundlage genommen.

Das IOC hatte Ende Juli auf einen historischen Komplett-Ausschluss Russlands verzichtet. Dadurch konnten mindestens 274 von 389 russischen Athleten bei Olympia starten.

Deutsche Sportler sind für  Ausschluss

Die deutschen Sportler haben zwar Mitleid mit ihren russischen Kollegen, feiern das Urteil aber dennoch als Zeichen. 100-m-Paralympicssieger Heinrich Popow stellte aber klar, dass dies nur der Anfang sein darf. "Wenn das der erste Schritt ist für eine Null-Toleranz-Politik im Dopingkampf, ist das absolut richtig. Aber wenn das der erste und der letzte Schritt ist, finde ich das lächerlich", sagte Popow dem SID: "Dann fände ich es den russischen Athleten gegenüber unfair. Weil ich weiß, dass es in anderen Ländern genauso stinkt wie in Russland."

Insgesamt findet der einseitig amputierte Stelzen-Sprinter Popow, der am Samstag einen Weltrekord im Weitsprung aufstellte (6,77 m): "Wenn man sagt: Da ist es am Extremsten, da haben wir es Schwarz auf Weiß, dann sollte man ein Exempel statuieren. Aber wenn Du Deinen Konkurrenten aus USA, Japan, Australien erzählst, was Du mit Deinem ADAMS (Anti-Doping Administration and Management System, d. Red.) auf dem Handy alles machen musst, dann lachen die Dich aus und sagen: 'Das würden wir niemals machen.'"

Der weltweite Anti-Doping-Kampf sei "für mich lächerlich", sagte Popow: "Der nationale ist Weltklasse. In China muss ein Kontrolleur ein Visum beantragen. Da kann man mal von ausgehen, wie viele Sportler Bescheid wissen, dass er bald kommt."

Ähnlich begründet auch der kleinwüchsige Speerwurf-Weltmeister Mathias Mester seine Zustimmung. "Es ist schwer, gleich die komplette Auswahl zu sperren. Man weiß nie, ob es nicht einen gibt, der nicht gedopt hat", sagte er dem SID: "Aber da hat ein staatliches System dahintergesteckt, von daher finde ich es okay. Deutsche Athleten werden ständig kontrolliert. Wir müssen aufpassen, dass wir nichts Falsches zu uns nehmen, auf so viel achten und ständig in Bereitschaft sein, dass wir kontrolliert werden können. Wenn das bei den Russen nicht gegeben ist, ist es definitiv gerechtfertigt."

Prothesen-Weitspringer Markus Rehm sagte: "Zum einen blutet mir ein bisschen das Herz für die Sportler, die sauber sind. Für die tut es mir unfassbar leid. Auf der anderen Seite finde ich die Entscheidung sehr, sehr gut. Wir müssen ein Statement setzen."

(dpa/sid)
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