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"Knallharter Leistungssport"
Nerius sieht deutschen Behindertensport im Nachteil

Die deutschen Medaillen-Gewinner
Die deutschen Medaillen-Gewinner FOTO: dpa, jbu
Essen . Die ehemalige Speerwurf-Weltmeisterin Steffi Nerius sagt dem deutschen Behindertensport trotz der jüngsten Erfolge bei den Paralympics in Rio de Janeiro mit insgesamt 57 Medaillen schwere Zeiten voraus.

Für die 44-Jährige, die als Trainerin für den Deutschen Behindertensportverband (DBS) arbeitet, hätten schon jetzt andere Länder die Nase vorn. Dies erklärte sie in einem Gespräch mit den Zeitungen der "Funke-Mediengruppe".

So kämpften beispielsweise chinesische Athleten in fast jeder Paralympics-Disziplin um den Titel, weil "die meisten chinesischen Athleten Vollprofis sind". Das sei in Deutschland eher die Ausnahme.

Nerius geht auch davon aus, dass es bald nur noch wenige behinderte Athleten geben wird, die in unterschiedlichen Disziplinen erfolgreich sind. "Wer sich nicht spezialisiert, wird das Trainingspensum nicht mehr schaffen", sagte sie. Hier seien selbst Stars wie der von ihr trainierte Prothesen-Weitspringer Markus Rehm neben ihrer Sport-Karriere auch berufstätig.

Bei den Paralympics in Rio hatte die deutsche Mannschaft mit 18 Gold, 25 Silber und 14 Bronze den sechsten Platz im Medaillenspiegel belegt. China lag mit 239 Medaillen (107-81-51) weit vor Großbritannien (64-39-44) und der Ukraine (41-37-39).

Generell bezeichnete Steffi Nerius die Entwicklungen im Behindertensport als "gigantisch". Die Paralympics seien längst keine "Kuschelveranstaltung" mehr, es gehe um "knallharten Leistungssport", sagte Nerius, die auch als persönliche Trainerin von Paralympicssiegerin Franziska Liebhardt (Kugelstoßen) arbeitet.

(sid)
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