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Paralympics
Schulz widmet Gold seinem todkranken Kollegen

Schulz holt historisches Triathlon-Gold
Schulz holt historisches Triathlon-Gold FOTO: dpa, nie jhe
Rio de Janeiro. Martin Schulz schrieb mit seiner Goldmedaille im Triathlon ein Stück Paralympics-Geschichte. Die Gedanken galten aber seinem todkranken Kollegen Markus Häusling.

In der Stunde seines größten Triumphes dachte Martin Schulz mit Tränen in den Augen an seinen todkranken Kollegen Markus Häusling. "Markus, das ist auch für dich. Er wäre auch gerne hier gewesen. Die Gedanken waren bei ihm", sagte der 26 Jahre alte Triathlet aus Leipzig sichtlich berührt, nachdem er mit Gold bei der Triathlon-Premiere ein Stück Paralympics-Geschichte geschrieben hatte.

Häusling hätte in Rio ebenfalls starten sollen, doch für den 45-Jährigen geht es nach der Diagnose ALS nur noch darum, überhaupt am Leben zu bleiben. "Ich wäre gerne dabei gewesen. Das war das Ziel, jetzt habe ich ein anderes", sagte ein schwer gezeichneter Häusling der ARD.

Deshalb freute sich Schulz nach dem Rennen seines Lebens besonders über die Gratulation per SMS von seinem ehemaligen Nationalmannschaftskollegen. Nach Rio will der frisch gekürte Paralympicssieger Häusling besuchen: "Ich werde ihm die Goldmedaille zeigen. Da steckt auch ein Stück Markus mit drin."

Es war der Tag der großen Emotionen. Schulz konnte sein Glück kaum fassen, als er völlig erschöpft hinter der Ziellinie zusammengebrochen war. "Das war immer mein Traum, das ist unbeschreiblich, ich werde noch Wochen dafür brauchen, um das zu realisieren. Unglaublich", sagte Schulz.

Ein Caipirinha als Belohnung

In 1:02:37 Stunden triumphierte der dreimalige Weltmeister im Sprint der Klasse PT4 über 750 m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen vor dem Kanadier Daniel Stefan (1:03:05) und dem Spanier Jairo Ruiz Lopez (1:03:14). Er habe "ein Stück Sportgeschichte geschrieben. Und das an der Copacabana. Was will man mehr?"

Beim triumphalen Empfang im deutschen Haus am späten Samstagabend gab Schulz selbst die Antwort: einen Caipirinha. Den genoss er in vollen Zügen, nachdem er die letzten Jahre "sportlich alles geopfert hat".

Er sei "manchmal unmöglich" gewesen, "und ich hoffe, dass ich das wieder ausgleichen kann. Ich nehme mir jetzt auf jeden Fall ganz viel Zeit für alle, die mich irgendwie unterstützt haben", sagte Schulz, dem von Geburt an der linke Unterarm fehlt, nach einem "so harten Lauf".

Das Schwimmen, das er als Vierter beendete, sei "gut" gelaufen, "das Radfahren war Bombe, aber das Laufen war megaschwer. Da war ich am Limit. Ich hatte so brutales Seitenstechen", meinte Schulz. Am Ende habe er nur noch gedacht, "wenn du das jetzt noch aus der Hand gibst, dann beißt du dir in den Arsch." Musste er nicht.

Wie es nun für weitergeht, ließ der Sport- und Fitnesskaufmann noch offen. "Das weiß ich noch nicht. Der Sport ist extrem aufwendig. Da geht nur ganz oder gar nicht", sagte er. Tokio 2020 wäre "eine Option, aber das kann ich mir gerade gar nicht vorstellen". Sprachns und nahm erst ein Mal einen kräftigen Schluck Caipirinha.

(sid)
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