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Paralympics-Sieger rechnet ab
Popow: "Das Gelaber hat Olympia kaputtgemacht"

Paralympics: Heinrich Popow rechnet mit Olympia ab
Heinrich Popow posiert mit Leon Schäfer vor dem Abflug nach Rio am Flughafen in Frankfurt/Main für die Presse. FOTO: dpa, ade fdt
100-m-Paralympicssieger Heinrich Popow hat den Verlust des Olympischen Geists bemängelt und Nörgeleien von Sportlern sowie die unsensible Planung von Funktionären dafür verantwortlich gemacht.

"Die Diskussionen, ob es auf den Zimmern einen Fernseher gibt – das ist doch total bescheuert", sagte Popow vor den am Mittwoch beginnenden Paralympics: "Du arbeitest vier Jahre lang auf diesen sportlichen Höhepunkt hin, freust Dich drauf, andere Sportler kennenzulernen – und dann beschwerst Du Dich über einen fehlenden Fernseher? Dieses ganze Gelaber drumherum – das passt nicht, dies passt nicht, in den Aufzügen bleibt man stecken – das hat Olympia für mich so kaputtgemacht."

Er selbst wisse, dass er in ein anderes Land komme und versuche, sich darauf einzustellen. "Sie haben vielleicht ein anderes Zeitmanagement. Aber dafür haben sie den Karneval an der Copacabana, und da wollen wir alle hin", erklärte er: "Kulturen zusammenbringen, nach Hause kommen und das anderen Leuten mitgeben – das macht Olympia und Paralympics aus."

Wenn er dagegen höre, "dass sich die US-Basketballer ein Luxus-Boot chartern, weil ihnen die Zimmer im Olympischen Dorf zu klein sind, bin ich froh, dass ich paralympischer Sportler bin. Wenn ich acht Stunden im Zimmer bin, ist das viel, und in diesen acht Stunden schlafe ich. Den Rest bin ich draußen. Das ist der olympische Gedanke, aber den gibt es bei Olympia gar nicht mehr. Den gibt es bei den Paralympics."

Daran seien aber auch die Funktionäre schuld. "Wenn der Apparat so groß ist, dass man das Olympische Dorf räumen muss, weil andere nachkommen, kann kein olympischer Gedanke aufkommen", berichtete er: "Im Trainingslager in Kienbaum habe ich Olympia-Sportler gesehen, die die Eröffnungsfeier im Fernseher gesehen haben und sagten: 'Nächste Woche bin ich auch da.' Das ist für mich kein Olympia, wenn Du als Sportler nicht bei der Eröffnungsfeier und der Abschlussfeier bist. Ich habe auch von Olympia-Sportlern gehört, die hatten Rückflugtickets vor ihrem Finale. Denen traut man gar nicht zu, das Finale zu erreichen. Wenn ich ein Flugticket bekommen würde und würde sehen, dass der Flug zwei Tage vor dem Finale geht, würde ich durchdrehen. Dann würde ich fragen: Habt Ihr sie noch alle?"

Das Paralympics-Team reiste dagegen am Mittwoch fast komplett geschlossen nach Rio. "Wir fliegen auch geschlossen als Mannschaft zurück. Wir sind geschlossen bei der Eröffnungsfeier und geschlossen bei der Schlussfeier", sagte Popow: "Wir leben Olympia, wir fühlen Olympia."

(sid)
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