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Paralympics
Schulz, Scheil und Low bescheren deutschem Team Gold-Regen

Low springt mit doppeltem Weltrekord zu Gold
Low springt mit doppeltem Weltrekord zu Gold FOTO: rtr, HB
Rio de Janeiro . Dem sporthistorischen Sieg an der Copacabana folgte der goldene Doppelschlag in der Leichtathletik mit einer wahren Weltrekord-Show von Vanessa Low: Die deutschen Athleten haben bei den Paralympics in Rio de Janeiro einen wahrhaft goldenen Samstag erlebt.

Zunächst gewann Martin Schulz (Leipzig) in der Klasse PT4 die erste Goldmedaille überhaupt im Triathlon, der in Rio erstmals im Programm ist und schrieb damit ein Stück Paralympics-Geschichte. Dann siegten Kugelstoßer Daniel Scheil (Weiden) und wie erwartet Low (Leverkusen). Diese sprang gleich drei Mal weiter als bei ihrem bisherigen Weltrekord vom WM-Triumph 2015 (4,79 m). Am Ende standen 4,93 m als neue Bestmarke.

Es waren die Goldmedaillen zwei bis vier für den Deutschen Behindertensportverband in Brasilien, nachdem am Donnerstag Niko Kappel (Sindelfingen) im Kugelstoßen gewonnen hatte. Zudem holte Natascha Hiltrop (Lengers) mit Silber mit dem Luftgewehr liegend am Samstag die erste Rio-Medaille für die deutschen Sportschützen. Auch Martina Willing (Cottbus) gewann im Speerwurf Silber. Die 56-Jährige bringt damit auch von ihren siebten Spielen eine Medaille mit - insgesamt sind es deren zwölf, davon drei in Gold.

Schulz siegte nach 750 m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen am Fort Copacabana in 1:02:37 Stunden vor dem Kanadier Daniel Stefan (1:03:05) und dem Spanier Jairo Ruiz Lopez (1:03:14) und war so außer Atem, dass er kaum noch sprechen konnte. Doch sein ganzes Glück war in jeder Sekunde zu spüren. "Das war immer mein Traum, das ist unbeschreiblich, ich werde noch Wochen dafür brauchen, um das zu realisieren. Unglaublich", sagte der 26-Jährige.

"Alles geopfert"

"Ich habe dafür die letzten Jahre sportlich alles geopfert. Ich war manchmal unmöglich, und ich hoffe, dass ich das wieder ausgleichen kann. Ich nehme mir jetzt auf jeden Fall ganz viel Zeit für alle, die mich irgendwie unterstützt haben", sagte Schulz, dem von Geburt an der linke Unterarm fehlt, nach einem "so harten Lauf".

Der für Weiden in der Oberpfalz startende Sachse Scheil holte sein erstes Paralympics-Gold mit persönlicher Bestleistung von 11,03 m vor dem Algerier Kamel Kardjena (10,94), der 2008 und 2012 jeweils Gold geholt hatte. Scheil war mit 43 der mit Abstand älteste Athlet der Konkurrenz. "Das ist unglaublich, unbeschreiblich, einfach nur geil", sagte Scheil.

Als Fußballer hatte er es bis in die Oberliga-Nachwuchsmannschaft von Wismut Aue gebracht. 2008 lag er nach einem Herzinfarkt im Koma, 2010 wurde bei ihm die Muskelerkrankung Spastische Tetraparese diagnostiziert. Seitdem sitzt er im Rollstuhl.

Die beidseitig oberschenkelamputierte Low hat nach Triumphen bei der EM und WM nun alle wichtigen Goldmedaillen im Behindertensport zusammen. Die 26-Jährige hatten die brasilianischen Zuschauer schnell ins Herz geschlossen und schrien sie von Weltrekord zu Weltrekord.

Die inkomplett querschnittsgelähmte Hiltrop, für die es bei der zweiten Teilnahme die erste Paralympics-Medaille war, konnte es derweil "gar nicht glauben, dass es wirklich Silber ist". Bundestrainer Rudi Krenn ist dagegen nach dem verpatzten Auftakt im Luftgewehr stehend, als alle fünf deutschen Athleten in der Qualifikation scheiterten, "ein großer Stein vom Herzen gefallen. Natascha hat heute den Lohn für unsere intensive und harte Arbeit eingefahren."

(sid)
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