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Paralympics-Athlet ist 2,46 Meter groß
Sitzvolleyball-Riese ist der Publikumsliebling in Rio

Morteza Mehrzad – Hüne im Sitzvolleyball
Morteza Mehrzad – Hüne im Sitzvolleyball FOTO: afp
Düsseldorf/Rio. Die iranischen Sitzvolleyballer kämpfen bei den Paralympics in Rio de Janeiro um eine Medaille. Mit dabei ist Morteza Mehrzad, der größte Sportler in der Geschichte der Paralympics. Von Antje Rehse

Mehrzad ist 2,46 Meter groß. Damit ist er nicht nur der größte Sportler in Rio, sondern auch der größte Mensch seines Heimatlandes Iran. In der Wikipedia-Liste der größten lebenden Menschen kommt nur der Türke Sultan Kösen auf noch mehr Körperlänge (2,51 Meter).

Mehrzadselakjani, wie er eigentlich heißt, leidet an Akromegalie. Sein Körper produziert übermäßig viele Wachstumshormone. Die Lebenserwartung von Menschen, die an dieser Krankheit leiden, ist deutlich verringert. Nach einer Beckenverletzung, die der 28-Jährige in seiner Jugend bei einem Fahrradsturz erlitt, hörte sein rechtes Bein auf zu wachsen und ist nun 15 Zentimeter kürzer als sein linkes. Mehrzad ist auf Krücken angewiesen, viel Zeit verbringt er im Rollstuhl.

Trainer mussten ihn zum Sport überreden

Während Mehrzad im Leben unter seiner Körpergröße zu leiden hat, ist sie auf dem Volleyballfeld ein Trumpf. Denn auch im Sitzen überragt der Iraner seine Mit- und Gegenspieler um mehrere Kopfgrößen und kann ohne Mühe über das 1,15 Meter hohe Netz gucken. Der 28-Jährige hat erst vor fünf Jahren mit dem Sport begonnen, ein Trainer hatte einen Bericht über den Hünen im Fernsehen gesehen und Mehrzad kontaktiert. "Er hat erst 'Nein' gesagt, wir sind in seine Stadt gefahren, um ihn zu überreden. Er wollte nicht. Fünf Monate hat es gedauert", berichtete Nationaltrainer Alireza Moameri im Interview mit der ARD.

"Ich war einsam und depremiert. Aber durch den Sport hat sich mein Leben verändert. Jetzt bin ich ein Athlet bei den Paralympics", sagte Mehrzad einem iranischen TV-Sender über die Bedeutung des Sports in seinem Leben. Meist verzichtet er aber lieber auf Interviews. "Ich glaube, ihm und auch der Mannschaft ist es unangenehm, dass er wegen seiner Größe so im Mittelpunkt steht. Die Iraner haben herausragende Spieler in ihren Reihen. Er ist der größte, aber nicht unbedingt der beste", sagte Deutschlands Sitzvolleyball-Kapitän Heiko Wiesenthal. 

Bei den Iranern, die schon fünf Mal Gold in dieser Disziplin geholt haben, ist Mehrzad Ergänzungsspieler. Doch wenn er auf dem Feld ist, sind seine Aufschläge und Blocks bei den Gegnern gefürchtet. Und seine Einwechslungen werden von den Zuschauern in Rio frenetisch gefeiert.

Beim Sitzvolleyball können sich die Spieler mit Armen und Beinen am Boden fortbewegen. Der Rumpf muss aber zu jeder Zeit Kontakt zum Boden haben. Bei den Paralympics treten vor allem Sportler in dieser Disziplin an, die ihre Beine nur eingeschränkt nutzen können. Durch seine Größe ist Mehrzadselakjani auf der Platte weniger beweglich, als viele seiner Mitspieler. Doch an seinen langen Armen geht so schnell kein Ball vorbei.

Deutscher Bundestrainer voller Bewunderung

"Er ist stark im Angriff, Block und Aufschlag", sagt sein Trainer. Drei Jahre lang hat ein Trainerteam intensiv mit Mehrzad gearbeitet, um ihn bereit für die Spiele zu machen.  "Es ist von Grobstkoordination bis zur Feinkoordination ein großer Schritt", sagt der deutsche Bundestrainer Rudolf Sonnenbichler der ARD. "Der Aufwand ist gigantisch, ihn so weit zu bringen. Ich bewundere das immens."

Im Halbfinale spielt Iran am Freitag gegen Gastgeber Brasilien um den Einzug ins Finale. Dieses Mal wird der Großteil der Herzen der Fans in Rio also ausnahmsweise den Gegnern von Mehrzad zufliegen.

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