Ex-Leichtathletin verurteilt Peking scharf: Schüller plädiert für Olympia-Boykott
zuletzt aktualisiert: 18.03.2008 - 11:16Neuss (RPO). Die ehemalige Olympia-Teilnehmerin Heidi Schüller, die bei den Spielen 1972 in München den olympischen Eid sprach, hat sich für einen Boykott der Spiele in Chinas Metropole Peking ausgesprochen. "Die Vorkommnisse in Tibet schlagen dem Fass den Boden aus", erklärte die 57-Jährige.
"Ich selbst würde bestimmt nicht nach Peking fahren. Ich fürchte nur, dass die Maschinerie nicht mehr zu stoppen ist", sagte die Medizinerin im Gespräch mit der Münchner AZ: "Die Entwicklung der Olympischen Spiele geht mir schon gegen den Strich."
Den olympischen Eid würde sie heute nicht mehr sprechen. "Aber ehrlich gesagt, hatte ich damals schon Bauchschmerzen dabei", sagte Heidi Schüller der AZ. Tatsächlich sei die olympische Idee nur noch verklärt: "Dabei sein ist alles, das ist doch Quatsch. The winner takes it all, dem Sieger gehört alles - und deswegen wird für den Sieg alles getan, mit gespenstischen Mitteln."
Um die Athleten gehe es dem IOC beim Thema Olympia längst nicht mehr, sondern ums Geschäft: "Olympische Spiele sind nur noch eine Gruppenveranstaltung, um Fähnchen zu schwenken - und die Athleten sind nur Folklore, alle vier Jahre austauschbare Folklore. Es geht nur um die Milliarden-Geschäfte hinter den Kulissen."
Den Glauben an eine Rückkehr zur hehren Idee der friedlichen Spiele hat Heidi Schüller aufgegeben: "Eine Rückkehr ist unmöglich. Man sollte Olympia nur als das benennen, was es heute ist: eine weltweite Marke IOC, die nur neue Märkte erschließen will. Die Spiele sind hochpolitisch. Man soll sie nur bitte nicht mehr verniedlichen, als seien sie eine fröhliche, lustige Turnveranstaltung."
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