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Affäre um WM 2006
DFB-Skandal schwere Hypothek für Hamburger Olympia-Bewerbung

Skandal um WM 2006: Schwere Hypothek für Olympia in Hamburg
Die Hamburger Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2024 wird durch die DFB-Affäre empfindlich gestört. FOTO: dpa, chc axs
Düsseldorf. Keine Entspannung in der emotionalen Flüchtlingsdebatte, die Finanzierung weiter ungeklärt und fast jeden Tag neue Details in der pikanten WM-Affäre: Das Referendum zur Olympiabewerbung für 2024 in Hamburg könnte aus Sicht der Planer zu kaum einem ungünstigeren Zeitpunkt stattfinden. Die Anschuldigungen gegen prominente Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stellen bei der Abstimmung bis zum 29. November eine schwere Hypothek dar.

"Der DFB hat dem deutschen Sport – nicht nur dem Fußball – einen höchstmöglichen Schaden bereitet, den er eigentlich hätte abwenden können", sagte Grünen-Sportpolitiker Özcan Mutlu zu den Ermittlungen rund um die WM 2006 und fügte an: "Das wird Aufschwung geben für die Olympiagegner in Hamburg. Ich hoffe, dass das nicht so schlimm wird."

Doch die Großwetterlage rund um die Olympia-Abstimmung wird immer schwieriger. Zuletzt hatte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), bereits eingeräumt, dass die Flüchtlingsdebatte das Erreichen eines positiven Votums erschwere. Es könnten schnell Zweifel an der Finanzierbarkeit der Spiele in politisch schwierigen Zeiten aufkommen, meinte der 55-Jährige. Nun kämpft er auch noch gegen die täglich neuen Negativ-Schlagzeilen an, die rund um die DFB-Spitze kursieren.

"Man muss die Dinge klar trennen", forderte Hörmann jüngst im Interview mit dem Radiosender NDR Info: "In einem Fall geht es um FIFA und DFB und in unserem Fall um IOC und DOSB. Die beiden Dinge kann und darf man nicht vermischen." Zudem betont er stets den "klaren und konsequenten Weg der Transparenz" der Hamburger Olympia-Macher. Alle Verträge könnten von jedermann im Netz eingesehen werden. Diesem "Weg der Fairness und der klaren Prinzipien" werde die Bewerber-Initiative treu bleiben.

Doch die Gefahr besteht, dass zumindest Teile der Hamburger Bevölkerung aufgrund der schwierigen Gemengelage aus DFB-Affäre, Flüchtlingskrise und der noch immer ungeklärten Kostenbeteiligung des Bundes ins Grübeln geraten. Um den Traum von dem Mega-Event an der Elbe am Leben zu halten, müssen die Befürworter beim Referendum eine einfache Mehrheit erreichen. Zudem müssen mindestens 20 Prozent aller Wahlberechtigten mit Ja stimmen - in Hamburg sind das 259.883 Menschen. Die Briefwahl läuft bereits, doch der Kampf um die Stimmen nimmt erst richtig an Fahrt auf.

Am Sonntag wollen die Olympia-Befürworter im Hamburger Stadtpark mit tausenden Menschen die Olympischen Ringe bilden und damit ein starkes Signal für Spiele an der Elbe senden, das Feuer-und-Flamme-Symbol ist zudem allgegenwärtig. Doch zuletzt legten auch die Gegner immer mehr ihre Zurückhaltung ab. Zuerst führte ein "NOlympia"-Plakat im HSV-Stadion am Sonntag zu Diskussion, da die Verantwortlichen aufgrund einer fehlenden Genehmigung der Arena verwiesen wurden.

Am Montag sorgten Unbekannte dann mit einem Buttersäure-Anschlag für dicke Luft in der Zentrale des Hamburger Sportbundes (HSB), eine Anzeige gegen Unbekannt folgte. "Beide Seiten sollten sich bemühen, gelassen zu bleiben: In der Auseinandersetzung um die Olympia-Bewerbung sollten Fakten, Konzepte und Argumente entscheiden", sagte Dirk Seifert von NOlympia-Hamburg dem SID. Doch die Nebengeräusche rund ums Referendum werden immer lauter.

(sid)
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