Olympia: Streit um Dollar-Milliarden spitzt sich zu
zuletzt aktualisiert: 25.03.2009 - 13:19Berlin/Denver (RPO). Der Streit um die Bevorteilung des US-NOK (USOC) bei der Verteilung der Milliarden-Einnahmen aus den Olympischen Spielen droht zu eskalieren. Die 26 Internationalen Olympischen Sommersport-Verbände (ASOIF) haben das Internationale Olympische Komitee (IOC) ultimativ aufgefordert, eine Lösung des seit drei Jahren schwelenden Konfliks zu finden und den Ende der 1980er Jahre unbefristet geschlossenen Vertrag über die Sonderbehandlung zu kündigen.
"Wir sind über lange Zeit vom USOC an der Nase herumgeführt worden", sagte der scheidende ASOIF-Vizepräsident Hein Verbruggen bei den IOC-Tagungen in Denver voller Verbitterung. "Das IOC und der Sport können nicht länger Sklaven eines Vertrages sein, der zu einer Zeit unterzeichnet wurde, die nichts mehr mit der Gegenwart zu tun hat", meinte Judo-Chef Marius Vizer. Und Klaus Schormann, Weltpräsident der Modernen Fünfkämpfer aus Darmstadt, rief nach einer Lösung im "Sinne des Fair Play".
Doch bislang verweigerte das USOC einer IOC-Arbeitsgruppe mit dem am Dienstag für weitere vier Jahre gewählten Schweizer ASOIF-Präsidenten Denis Oswald, Mario Vasquez Rana, dem Chef der 205 NOKs, und Gerhard Heiberg, dem Vorsitzenden der IOC-Marketingkommission, die Zusammenarbeit. Gesprächstermine wurden abgesagt, Kompromissvorschläge zurückgewiesen.
Einer sieht vor, das USOC solle sich rückwirkend vom 1. Januar 2005 bis 2020 pro Olympiade mit 14 Millionen Dollar an den Kosten für die Spiele beteiligen. Ab 2021 sollen zudem jeweils zwölf Millionen Dollar an die anderen NOKs und die Sportverbände gezahlt werden.
Der aktuelle Vertrag garantiert dem USOC 12,75 Prozent der TV-Gelder des IOC aus den USA und 20 Prozent der Sponsorengelder aus dem internationalen Top-Programm. Für die Winterspiele 2006 in Turin und die Sommerspiele 2008 in Peking kassierte das USOC so rund 364 Millionen US-Dollar (191 Mio. TV plus 173 Mio. Sponsorengelder). Das entspricht ungefähr der Summe, die alle anderen NOKs gemeinsam erhielten. Für die Periode 2010 bis 2012 werden mindestens 450 Millionen Dollar erwartet.
Durch den eskalierenden Streit droht auch der Olympiabewerbung Chicagos nachhaltiger Schaden, weshalb in Denver am Dienstag hektische Betriebsamkeit bei den USOC-Verantwortlichen einsetzte. "Wir suchen nach einer langfristigen Lösung, und die lässt sich sicher nicht in einer so emotionsgeladenen Atmosphäre finden", sagte Bob Ctvrtlik, USOC-Vize für den Bereich Internationales.
Chaotisch und emotionsgeladen wie die Diskussion über das USOC war auch die Wahl des ASOIF-Chefs, bei der Oswald - seit 2000 im Amt - bei fünf Enthaltungen 19 von 26 Stimmen erhielt. Sein Herausforderer, der umstrittene Handball-Weltpräsident Hassan Moustafa (Ägypten), hatte kurz vor der Abstimmung seine Kandidatur zurückgezogen. Moustafas fadenscheinige Begründung: Die ASOIF-Mitglieder durften während der Abstimmung sitzen bleiben und mussten nicht einzeln zur Wahlurne vortreten. "Wir sind hier keine Betrüger. Wir können uns wenigstens ein bisschen vertrauen und die Wahlzettel ausfüllen, ohne Angst haben zu müssen, dass uns jemand über die Schulter blickt", sagte Oswald.
Klaus Schormann, Präsident des Weltverbandes der Modernen Fünfkämpfer, verpasste mit sechs Stimmen klar den Einzug ins ASOIF-Council.
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