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Olympische Spiele
Was weiß Bach über den Ticketskandal?

Ticketskandal bei Olympia: Was weiß Thomas Bach?
Brasiliens Behörden wollen IOC-Präsident Thomas Bach als Zeugen vernehmen. Der reiste aber gar nicht nach Rio. FOTO: AP
Rio De Janeiro/Düsseldorf. Die brasilianische Justiz hat vergeblich auf den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewartet – sie will Thomas Bach zu einem Ticketskandal befragen. Bach steht in der Kritik, weil er nicht zur Eröffnung der Paralympics nach Rio gekommen ist. Von Gianni Costa

Bach hat vor drei Tagen noch einmal gründlich seinen Terminkalender durchgeblättert. Am Dienstagmittag ist dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) angeblich erst aufgefallen, dass es ein klitzekleines Problem gibt. Bach entschied sich, am Staatsbegräbnis des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel teilzunehmen – und ließ die Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro sausen. Ein Sprecher von Bach erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, nur schlechte Menschen würden Bach daraus einen Vorwurf machen. Schließlich hätte Scheel und Bach eine jahrzehntelange Freundschaft verbunden. Warum Bach diese Terminkollision allerdings erst so spät aufgefallen ist, vermochte auch die IOC-Pressestelle nicht zu erklären.

Das übernehmen dafür nun andere. Die brasilianische Justiz zum Beispiel. Staatsanwaltschaft und Polizei wollen den 62-Jährigen nämlich nach Informationen von "O Globo" in einem Korruptionsverfahren vernehmen. Es geht um einen gigantischen Ticket-Skandal bei den Olympischen Spielen. Der irische Funktionär Patrick Hickey (71), ein enger Vertrauter Bachs, soll im großen Stil mit Olympia-Tickets gehandelt haben. Er war während der Spiele in seinem Hotel im Bademantel festgenommen und vor einer Woche aus dem Hochsicherheitsgefängnis Bangu in den Hausarrest überstellt worden. Hickey musste seinen Reisepass abgeben und darf Brasilien nicht verlassen. Weil es einen pikanten E-Mail-Verkehr zwischen Bach und Hickey gibt, häufen sich nun auch die Fragen an den obersten IOC-Vertreter.

"Ja, wir wollen seine Zeugenaussage haben", sagte Polizei-Sprecher Aloysio Falcão der "Süddeutschen Zeitung". Seine Behörde sei vom Erscheinen Bachs in Rio ausgegangen. "Wir wussten nicht, dass Thomas Bach seine Reise nach Rio abgesagt hat." Das IOC sagt dazu: "Das IOC kann weder eine Zeitungsgeschichte noch ein laufendes Gerichtsverfahren gegen Herrn Hickey, für den die Unschuldsvermutung gilt, kommentieren. Für das IOC ist es selbstverständlich, dass es in dieser Frage mit den Behörden zusammenarbeiten wird."

Bei der Paralympischen Bewegung war man einigermaßen perplex über die kurzfristige Absage Bachs, der laut IOC ohnehin geplant hatte, nur an der Eröffnungsfeier und dem ersten Wettkampftag teilzunehmen. Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, kann die Aufregung nicht verstehen. Bach habe doch eine plausible Begründung vorgebracht. Sir Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, hat das Fehlen Bachs bei der Eröffnungsfeier der Paralympics als ungewöhnlichen Vorgang bezeichnet, aber dennoch Verständnis gezeigt. "So weit ich mich erinnern kann, war der IOC-Präsident außer in Salt Lake City bei jeder Eröffnungsfeier von paralympischen Sommer- und Winterspielen zugegen. Aber das war einfach eine unglückliche Situation", erklärte der Brite.

Bach habe ihm vor ein paar Tagen in einem Brief mitgeteilt, dass er aus persönlichen Gründen nicht nach Brasilien kommen könne. Einen Zusammenhang zwischen Bachs Absage und dem Komplett-Ausschluss der russischen Sportler durch das Internationale Paralympische Komitee wollte Craven nicht herstellen. "Ich sehe das Lächeln auf Ihrem Gesicht bei dieser Frage", sagte er. "Von anderen Gründen weiß ich nichts."

Die IPC-Entscheidung, Russland komplett auszuschließen, hatte den Druck auf das IOC und Bach noch einmal gesteigert. Craven hatte Bachs Entscheidung gegen einen Komplett-Ausschluss für Olympia als IOC-Mitglied aber mitgetragen. "Er hat alle um Unterstützung gebeten. Deshalb habe ich die Entscheidung auch unterstützt, weil ich ein Teamplayer bin. Ich bin davon ausgegangen, dass das IOC-Board eine Entscheidung empfiehlt, die für alle das Beste ist."

Quelle: RP
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