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Kampf um TV-Rechte für Bundesliga und Olympia
Eurosport greift an

TV-Rechte für Bundesliga und Olympia: Eurosport greift an
Badespaß in Australien: Eurosport-Reporter Matthias Stach und Tennisspielerin Angelique Kerber nach ihrem Sieg in Melbourne. FOTO: dpa, sf ms
Paris/Düsseldorf. Eurosport? Das ist doch dieser seltsame Sender, der stundenlang Snooker zeigt. Oder die Hallenfußballvariante Futsal. Oder Wiederholungen von der Nordischen Kombination im Nebel über dem Oslofjord. Oder das gleiche Wintersportprogramm, das gerade auf ARD oder im ZDF läuft. Ja, das ist er. Eurosport ist der Sender, mit den, nun ja, eigenwilligen Kommentatoren. Von Martin Beils und Gianni Costa

Dirk Thiele zum Beispiel. Dieser ehemalige DDR-Reporter, der einst den ehrenwerten Beruf des Werkzeugmachers erlernt hat, dann Journalist wurde, sich am Mikrofon wie der Erfinder des Skispringens aufführt und das Tierleben besser kennt als der alte Brehm: "Hinten ist die Ente fett", "Gut gebrüllt, Löwe", "Nicht schlecht, Herr Specht", "Da brat mir doch einer 'nen Storch".

Das Gebäude, in dem die Zentrale von Eurosport beheimatet ist, sieht von außen so unspektakulär aus, wie das Programm des Senders lange war. Alles ganz schlicht. Doch Eurosport ist weit mehr als ein niedlicher Nischensender für deutsche Zuschauer, die den Hals nicht vollkriegen von Sport und Kalauern.

Der Sender, der in dem Städtchen Issy-les-Moulineaux nur ein paar Kilometer vom Pariser Stadtzentrum entfernt sitzt, ist der größte Sportsender Europas. In Skandinavien und einigen osteuropäischen Ländern überträgt er Spiele der deutschen Fußball-Bundesliga. Eurosport ist in vielen Ländern schon seit Jahren eine große Nummer im Pay-TV-Geschäft. 231 Millionen Haushalte in 69 Ländern können ihn empfangen. Deutschland ist der einzige Markt, an dem das erste Programm des Senders frei empfangbar ist. Eurosport 2 und Internet-Angebote kosten. Bis zu 1,1 Millionen deutsche Zuschauer sahen sich 2014 die Tour de France-Etappen bei dem Sender an, als die Öffentlich-Rechtlichen einen Bogen um den Radsport machten.

Das Rohmaterial von den übertragenen Sportveranstaltungen von Darts bis Wintersport wird nach Paris geliefert. Dort werden die Bilder in 20 Sprachen – von Finnisch bis Bulgarisch – aufbereitet. Oft klingt der Ton, als käme er durchs Uralttelefon. Eurosport wurde 1989 von der Europäischen Rundfunkunion (EBU), in der öffentlich-rechtliche Sender wie ARD und ZDF organisiert sind, als eine Art Resteverwerter für Sportrechte gegründet. Lange war der französische Privatkanal TF1 Alleingesellschafter.

Eurosport als Gegner der EBU

Doch nun ist Eurosport beim Kampf um lukrative Rechte erbitterter Gegner der EBU. Im vergangenen Sommer wurde bekannt, dass der US-Gigant Discovery Eurosport komplett übernommen hat. Und so gelangt der von den Großen gern belächelte Spartensender in den Besitz der Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele von 2018 bis 2024. ARD und ZDF verhandeln zurzeit darüber, was und wie viel sie Eurosport vom Olympiapaket abkaufen können. Von den 1,3 Milliarden Euro für die Olympia-Rechte will Eurosport 70 Prozent durch die Vergabe von Sublizenzen an traditionelle Free-TV-Sender ausgleichen. Auch in die Verhandlungen um die Bundesligarechte für den deutschen Markt ab 2017 mischt der Sender mit.

Vorstandschef Peter Hutton, ein Brite, ist vor einem Jahr angetreten, dem Medienunternehmen mehr Gewicht zu geben. Eine stärkere Ausrichtung auf die Interessen in den einzelnen Nationen strebt er an. Heißt zum Beispiel: mehr Tennis in Belgien. Für das Image seien sowohl die Topübertragungen wichtig, aber auch das Angebot am unteren Ende der Qualitätsskala. Deshalb will Hutton weniger "Trash" übertragen, wie er zuletzt beim Kongress "SpoBis" in Düsseldorf betonte. Dass Eurosport oftmals zeitgleich dieselben Wettkämpfe zeigt wie ARD und ZDF, will er auch abstellen. Als wichtigste Standbeine bezeichnete er Fußball, Radsport, Tennis und Wintersport.

Einer der bekanntesten Kommentatoren ist Tennis-Experte Matthias Stach, der unlängst mit Angelique Kerber nach deren Sieg bei den Australian Open in Melbourne in den Yarra River sprang. Das würde Dirk Thiele bestimmt auch machen.

Quelle: RP
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