Münchens Olympia-Bewerbung: Beckenbauer kämpft um das Wintermärchen
zuletzt aktualisiert: 04.07.2011 - 17:19Durban (RPO). Münchner Überraschungs-Coup vor der Olympia-Vergabe am Mittwoch in Durban: Franz Beckenbauer soll nach dem "deutschen Sommermärchen" der Fußball-WM 2006 mit Olympia 2018 nun das Wintermärchen in seine Heimatstadt München holen.
Der Kaiser kommt: Im Poker um Olympia spielt München einen großen Trumpf aus. Wenn am Mittwoch im südafrikanischen Durban die 23. Olympischen Winterspiele und die 12. Paralympics 2018 vergeben werden, will der überraschend zur Bewerbungsmannschaft gestoßene Franz Beckenbauer auch das "Wintermärchen" nach Deutschland bringen.
Die Fußball-Lichtgestalt, die Deutschland schon das "Sommermärchen" 2006 beschert hatte, soll am Indischen Ozean zusammen mit Katarina Witt als Traumpaar des deutschen Sports gegen die Konkurrenz punkten. Und dies im Zusammenwirken mit Bundespräsident Christian Wulff.
"Olympische Spiele fehlen mir noch. Ich war gern bereit zu helfen", sagte Franz Beckenbauer, der als Spieler und Trainer Weltmeister war, es in der Vergangenheit aber abgelehnt hatte, im Bewerbungskomitee der bayerischen Landeshauptstadt eine Rolle zu übernehmen. "Doch wenn ich jetzt gebraucht werde, dann komme ich", ließ der 65-Jährige wissen, als sich das Duell mit dem starken südkoreanischen Rivalen Pyeongchang in den letzten Wochen immer dramatischer zuspitzte. Frankreichs Außenseiter Annecy droht dabei schon in Runde eins das Aus.
"Teil des Teams"
"Es war nicht schwer, den Franz zu überreden. Er arbeitete wie unser Ex-Kanzler Gerhard Schröder ja schon bei mir im Kuratorium mit. Ich glaube, er wird in Durban erstmals olympische Luft schnuppern", sagte Katarina Witt, Kuratoriumsvorsitzende von "München 2018", am Montagnachmittag in Durban. Über die genaue Aufgabe von Beckenbauer wollte sie keine Angaben machen. "Er ist Teil des Teams bei der Präsentation, es ist für viele eine Überraschung, so wie München schon einige Überraschungen gebracht hat."
Am Dienstag wird Beckenbauer in Durban erwartet. Führt der Coup des gebürtigen Münchners zum Erfolg, dann hat der in der Sportwelt in höchstem Maße anerkannte "Kaiser" entscheidend dazu beigetragen, dass die Isar-Metropole nach Olympia 1972 zur ersten Stadt der Welt wird, die nach Sommerspielen auch Winterspiele ausrichten darf. "Es ist die herausfordernste Kür meiner Karriere", sagte Witt und betonte: "Nur die Goldmedaille zählt."
Die letzte Präsentation von München findet am Mittwochvormittag um 8.30 Uhr statt. Am Nachmittag wird gegen 17.00 Uhr der Gastgeber der Spiele 2018 bekannt gegeben. München wäre der vierte deutsche Gastgeber der Geschichte seit 1936 (Garmisch-Partenkirchen Winter, Berlin Sommer) - oder muss die vierte Bewerbungsschlappe eines deutschen Kandidaten nach seinen Sommerspielen 1972 einstecken. Berchtesgaden war 1985 an Winter-Olympia 1992 gescheitert, Berlin 1993 am Traumziel 2000, ebenfalls im Kampf um die Sommerspiele war Leipzig 2005 gar nicht erst in die Endausscheidung für 2012 gekommen.
Auch Christian Wulff ist in Durban dabei
"Wir glauben an unsere Chance. Auch für mich wäre Olympia ein Traum", sagt Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der zu den zehn Persönlichkeiten gehört, die am Mittwoch für das deutsche Projekt in die Bütt gehen. Aus dem Kreis der Sportler treten die alpine Doppel-Olympiasiegerin Maria Riesch aus Garmisch-Partenkirchen und die fünfmalige Paralympics-Siegerin Verena Bentele (Tettnang) ans Rednerpult.
Mit Politprominenz und Sportstars wartet auch die Konkurrenz auf: Pyeongchang bietet Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Kim Yu-Na auf und wie Christian Wulff hat auch Südkoreas Präsident Lee Myung Bak die Winterspiele zur Chefsache gemacht. Als Wahlkampfhelfer für Annecy hatte Staatspräsident Nicolas Sarkozy den Premierminister Francois Fillon nach Durban geschickt, als vieles für eine Niederlage des französischen Kandidaten sprach. Insofern ist es ein gutes Omen, wenn Erfolgsmensch Beckenbauer München 2018 beispringt.
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