Kombinierer von Olympia enttäuscht: "Amateurhaft, kompliziert, unwürdig"
zuletzt aktualisiert: 26.02.2010 - 12:51Whistler (RPO). Deutschlands Kombinierer flogen erstmals seit zwölf Jahren ohne Einzelmedaille von Winterspielen nach Hause – und die Zweifel an der Olympia-Zukunft ihrer Sportart waren mit im Gepäck. "Das war so amateurhaft, dass man sich fragen muss, ob das IOC die Kombination überhaupt noch im Programm haben will", sagte Tino Edelmann.
Er war einer der Leidtragenden eines Springens, das die Verantwortlichen um den deutschen Renndirektor Ulrich Wehling niemals hätten durchziehen dürfen. Die letzten fünf Kombinierer – komplett Medaillenkandidaten mit Edelmann und Eric Frenzel an der Spitze – hatten bei einsetzendem Schneefall und starkem Wind nicht den Hauch einer Chance. "Es waren komplizierte Bedingungen, die Jury hat ihr Bestes getan", sagte Wehling und rechtfertigte so die Entscheidung.
Die Kombinierer dagegen waren restlos bedient: "Wir sind doch das letzte Rad. Beim alpinen Rennsport gab es bei Olympia ständig Verschiebungen, da hätte man bei uns doch auch einen Tag warten können", sagte Björn Kircheisen, der auf Platz 20 bester Deutscher war: "Aber das zeigt die Wertigkeit der Sportart: Die Populärsten sind wir nicht. Und nach diesem Wettkampf wird sich das bei den Zuschauern mit Sicherheit auch nicht ändern."
Für den ebenfalls abgestürzten Franzosen Jason Lamy Chappuis, Olympiasieger im Einzel von der Normalschanze, war der Wettbewerb "olympiaunwürdig". Rekord-Olympiasieger Felix Gottwald (Österreich) sprach von einer Schande. "Alle Trainer waren sich einig, dass man abbrechen muss. Aber es ist sinnlos, die Jury hört nicht auf uns", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch.
Ein Streik scheiterte an der mangelnden Solidarität der Sportler, schließlich gab es auch Profiteure des Springens. In Bill Demong holte nach dem 10-km-Langlauf sogar einer der Mitfavoriten das erste Kombinierer-Olympiagold für die USA. Turin-Olympiasieger Georg Hettich kam in seinem letzten Olympiarennen auf Platz 24 ins Ziel. Tino Edelmann wurde 29., Eric Frenzel gar nur 40.
2006 hatte es in Turin einen kompletten Medaillensatz für die deutschen Kombinierer gebeben. Dass es diesmal nur zu Team-Bronze und erstmals seit Nagano 1998 zu keiner Einzelmedaille reichte, lag aber auch an der mangelnden Form des deutschen Teams.
"Die junge Mannschaft hat Lehrgeld gezahlt. Wir müssen die Zügel wieder anziehen und härter arbeiten", sagte Weinbuch. Er ließ durchblicken, dass er gern bis zu den Winterspielen in Sotschi 2014 als Bundestrainer weitermachen würde.
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