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Stephanie Beckert panorama ap 2010
  Foto: AP, AP
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Deutschlands neuer Eisschnelllauf-Star: Beckert – die Anti-Friesinger-Pechstein

VON DENIS CANALP - zuletzt aktualisiert: 25.02.2010 - 10:31

Düsseldorf (RPO). Stephanie Beckert ist zugleich Gegenwart und Zukunft des deutschen Eisschnellaufs. Die 21-Jährige aus Erfurt hat bei den Olympischen Spielen in Vancouver zwei Silbermedaillen gewonnen – und ist ein angenehmer Gegenpol zu Claudia Pechstein und Anni Friesinger-Postma.

Diese zwei hatten den Sport in den vergangenen Jahren geprägt und Deutschland zahlreiche Triumphe beschert, doch zuletzt hatten die beiden Aushängeschilder des deutschen Eisschnelllaufs nur noch für Negativ-Schlagzeilen gesorgt.

Pechstein fehlt – Friesinger schwach

Während Pechstein, mit fünf Gold-, zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin aller Zeiten, in Vancouver aufgrund einer Dopingsperre fehlt und mehrmals bei dem Versuch, sich in den Wettkampf einzuklagen, scheiterte, enttäuschte Friesinger bei ihren zwei Einzelstarts im Richmond Oval auf ganzer Linie.

Friesinger, in der Vergangenheit mit zwei Gold- und zwei Bronzemedaillen dekoriert, erreichte über 1000 Meter nur den 14. Rang und kam über 1500 Meter als Neunte ins Ziel – viel zu wenig für ihre eigenen Ansprüche.

Zudem verstricken sich die beiden Auslaufmodelle immer mehr in ihrer Privat-Fehde. Schon seit Jahren tobt ein offener Kampf zwischen den beiden abseits der Eisbahn. Zuletzt hatte Pechstein auf eine Frage der Illustrierten "Bunte", was sie zum Scheitern von Anni Friesinger, von der sie sich verraten fühle, zu sagen habe, geantwortet: "Verraten kann man sich nur von jemandem fühlen, dem man charakterlich mehr zugetraut hätte. Aber wenn Sie dieses Wort schon gebrauchen, kann ich nur festhalten, dass Verräter selten zu Helden aufgestiegen sind."

Keine Skandale – nur Familie zählt

Ganz anders Beckert. Ihr erster Griff nach dem zweiten Silber-Coup ging zum Handy. Minutenlang stand sie im Innenraum des Richmond Oval und telefonierte mit ihren Eltern in Erfurt, und immer wieder erschien ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht. "Das sind meine ersten Olympischen Spiele, und ich bin einfach nur happy, dass es zwei Medaillen geworden sind", erklärte die 21-Jährige.

Von der jungen Sympathieträgerin ist nahezu nichts aus ihrem Privatleben bekannt. Skandale, Nacktfotos oder öffentliche Kollegenschelte – Fehlanzeige. Die Erfurterin, die noch immer bei ihren Eltern im Kinderzimmer wohnt, zieht sich wohltuend zurück und überlässt die Nebenkriegsschauplätze den bekannten Teamkolleginnen. Sie eifert lieber auf dem Eis ihrem großen Vorbild Gunda Niemann-Stirnemann nach – und läuft den großen Namen den Rang ab.

Während andere Kino, Disco, Computerspiele oder mit Freunden abhängen als Hobbys angeben, hört man bei Beckert von alledem nichts. Labradorhündin Trixi ist ihre einzige Ablenkung vom Sport. Halt findet sie zu Hause im Kreis ihrer sportbegeisterten Familie.

Ihr Vater Detlef, ein ehemaliger Handballer, managt die Blondine, die zudem fünf Geschwister hat. Bruder Patrick war ebenfalls als Eisschnellläufer in Vancouver am Start, Pedro (13) und Jessica (13) wollen schon bald in die Fußstapfen der Älteren treten.

Doch bevor dies geschieht, will Beckert selbst noch einige Erfolge feiern. "Für mich gibt es nur das Eislaufen. Das war eigentlich schon immer so", sagt sie. Hoffentlich bleibt das so, dann waren die Erfolge in Vancouver nur ein Anfang für die ehrgeizige Erfurterin.

Interview-Marathon

Schüchtern, wortkarg und etwas angespannt präsentierte sie sich während ihres zweiten Interview-Marathons in Vancouver. Sie sei halt ein eher ruhiger Typ, sagte sie fast entschuldigend: "Für mich ist das immer noch alles neu. Natürlich bin ich wahnsinnig glücklich, aber ich werde mich erst richtig freuen, wenn ich wieder zu Hause bei der Familie bin."

Und immer wieder musste die erfolgreichste deutsche Eisschnellläuferin der olympischen Wettkämpfe in Richmond eines klarstellen: Sie hat am Mittwoch Silber gewonnen und nicht Gold verpasst. 48 Hundertstelsekunden fehlten ihr im 5000-m-Rennen auf Olympiasiegerin Martina Sablikova. Die spindeldürre Tschechin, die bereits das 3000-m-Rennen vor Beckert gewann, hatte zudem den großen Vorteil gehabt, im Paar nach Beckert auf die Zeit ihrer Rivalin reagieren zu können.

"Das Duell Beckert gegen Sablikova wäre ein Reißer gewesen, und ich glaube, Steffi hätte gewonnen. Sie hat eine extreme Leistung gezeigt", sagte Bundestrainer Markus Eicher, und auch Beckerts großes Vorbild Gunda Niemann-Stirnemann verneigte sich: "Sie hat das Rennen ihres Lebens gemacht." Vor allem ihr unglaublicher Schlussspurt elektrisierte 7000 Fans im Richmond Oval.

Als sie die "1" auf der Anzeigetafel aufleuchten sah, riss sie beide Arme in die Höhe. Danach rettete Sablikova im letzten Paar den kleinen Vorsprung ins Ziel, nachdem sie vor der Schlussrunde noch 1,3 Sekunden in Führung gelegen hatte. "Es war zwar am Ende ganz knapp, aber ich bin trotzdem überglücklich mit Silber, und Martina ist einfach wieder unglaublich gut gelaufen", sagte Beckert, die um ein Haar jüngste deutsche Eisschnelllauf-Olympiasiegerin seit 30 Jahren geworden wäre.

Ihr Trainer Stephan Gneupel war schon einen Schritt weiter. "Steffi und Martina sind ein Jahrgang, es wird noch viele tolle Duelle geben", sagte Gneupel und dachte bei aller Freude über Beckerts Erfolg auch an sein Sorgenkind: "Ohne Schützi hätte sie das nie geschafft."

Quelle: mit SID-Material

 
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