Goldjunge dominiert die Rodelwelt: Felix Loch wird Georg Hackl übertreffen
zuletzt aktualisiert: 15.02.2010 - 10:33Vancouver (RPO). Jubelnd fiel er seinem Vater Norbert in der Eisrinne in die Arme, dann hielt er mit einem strahlenden Lächeln stolz die Deutschland-Fahne hoch. Jüngster Olympiasieger, jüngster Weltmeister und die Goldfahrt mit dem größten Vorsprung bei Winterspielen seit 26 Jahren. Felix Loch ist Deutschlands erster Goldjunge bei den Winterspielen in Vancouver.
Nach der Goldfahrt gab es für Felix Loch den Ritterschlag von höchster Stelle. "Er hat mit diesem Sieg den Grundstein gelegt, meine Erfolge noch zu übertreffen", sagte der dreimalige Olympiasieger Georg Hackl. Im Alter von nur 20 Jahren war Loch im Whistler Sliding Centre mit den Rivalen Schlitten gefahren. Genauer: Loch demütigte den Rest der Welt.
Loch wehrte auch den Angriff von David Möller mit vier Laufbestzeiten souverän ab und lag am Ende 0,679 Sekunden vor dem Teamkameraden - im Rodelsport eine Ewigkeit. "Das ist einfach nur geil. Einen Olympiasieg habe ich schon als Kind im Kopf gehabt. Jetzt ist es geschehen", sagte der 20-Jährige vom RC Berchtesgaden.
Unseren Kommentar zum Olympia-Sieg von Felix Loch finden Sie hier.
Talent in die Wiege gelegt
Mit drei Jahren schaute er Georg Hackl in der Werkstatt schon beim Schrauben am Schlitten zu, mit Fünf saß er erstmals in Königssee selber darauf: Loch hat sein großes Rodel-Talent in die Wiege gelegt bekommen. "Er hat das schon mit der Muttermilch aufgesogen", sagte Hackl.
Der 20-jährige kommt aus einer rodelbegeisterten Familie. Mutter Heike ist selber gerodelt, sein Vater Norbert ist der deutsche Cheftrainer. Doch im Hause Loch gibt es noch andere Themen. "Da reden wir fast nur über Fußball. Felix ist großer Bayern-Fan", sagt Norbert Loch. Vom Sohn gibt es natürlich keinen Widerspruch. "Wenn wir die Haustür aufschließen, ist der Rodelsport für uns im Normalfall kein Thema. Privat ist privat. Wir können alles ganz gut trennen", sagt Loch junior.
Schuhgröße 45
Aber nicht nur König Fußball beschäftigt den erfolgreichsten deutschen Rodler seit Hackl. Der 1,90 Meter große Polizeimeister-Anwärter mit Schuhgröße 45 ist auch ein begeisterter Surfer, Rad- und Skifahrer. Eine Freundin hat er momentan nicht. "Dafür hatte ich keine Zeit, vielleicht nach Olympia", sagt Loch, der in Sonneberg in Thüringen geboren wurde, dann aber nach Bayern zog. Dort entdeckte er seine große Liebe zum Sport.
Allerdings ist auch der zweimalige Einer-Weltmeister vom RC Berchtesgaden vor Unfällen in der Eisrinne nicht sicher. So zog er sich bei einem Sturz auf der Olympiabahn in Whistler im November 2008 eine schwere Schulterverletzung zu. Noch heute plagen den Junioren-Weltmeister von 2006 und 2007 ab und zu Schmerzen in der linken Schulter.
Weißbier-Party
Nach einem Interview-Marathon und einer längeren Dopingprobe feierte der "König des Eiskanals" im Kufenstüberl im Deutschen Haus bei Weißbier und zünftiger Musik mit einem Dauergrinsen im Gesicht ausgelassen. Vater und Cheftrainer Norbert Loch war gerührt und sagte nur: "Mir fehlen die Worte."
Ein perfekter Start, das gute Material und die fahrerische Klasse gaben den Ausschlag. "Das waren die vier besten Läufe in dieser Saison", sagte Loch, der auch noch vom drittplatzieren Italiener Armin Zöggeler geadelt wurde. "Er hat großes Talent. Wir werden in den nächsten Jahren noch viel von ihm hören. Der Junge ist super", sagte der zweimalige Olympiasieger, der den ersten olympischen Rodel-Hattrick nach Hackl verpasste.
Hackl, der bis zu Lochs Triumph das letzte deutsche Einer-Gold 1998 in Nagano geholt hatte, half seinem Nachfolger in Whistler beim Setup des Schlittens. "Er hat so viel Erfahrung. Das hilft", sagte Loch, der als nächstes Ziel den Sieg im Gesamtweltcup nannte. Aber auch das äre nur eine Zwischenstation. Viele Experten sind sich sicher: Loch wird Georg Hackl übertreffen. Er wird der Geschichte des Rodelsports ein neues Kapitel bescheren.
Nicht zu vergessen: Möllers Silbermedaille
Dass nach dem Tod von Kumaritaschwili die Strecke verkürzt und vom Damenstart ins Rennen gegangen wurde, spielte den starken Startern Loch und Möller in die Karten. Möller, der wie Loch im Krankenhaus in Sonneberg geboren wurde, trauerte dem verpassten Olympiasieg auch nicht nach, sondern feierte seine Silbermedaille.
"Ich habe als Kind von einer Olympia-Medaille geträumt. Jetzt ist sie da", sagte Möller. Allerdings bekam er sie wie Loch erst 24 Stunden später in Whistler bei der Siegerehrung um den Hals gehängt.
Zuvor musste er kurz um Silber bangen. Die Jury hatte einen Fehler an der Bleiweste moniert und drohte vor dem abschließenden Lauf sogar mit Disqualifikation. "Da war wohl ein bisschen Frust bei den kanadischen Veranstaltern dabei", sagte Möller, der eine korrekte Weste trug. Der dritte deutsche Fahrer Andi Langenhan (Zella-Mehlis) wurde Fünfter.
"Wir haben alle einen guten Job gemacht, Felix hat verdient gewonnen", sagte Möller. Vom ersten deutschen Doppelsieg bei Olympischen Spielen seit 1988 in Calgary erhofft sich auch Sportdirektor Thomas Schwab weiteren Rückenwind für die Athleten des Bob- und Schlittenverbandes. Es sei ein sensationeller Auftakt gewesen, so könne es weitergehen, sagte Schwab.
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