Kommentar: Neuners Fehlen war ein Fehler
VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 24.02.2010 - 09:56Vancouver (RPO). Die deutsche Biathlon-Staffel hat bei den Olympischen Spielen eine Bronzemedaille gewonnen. Dazu muss man gratulieren. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, weil die beste Deutsche erst gar nicht an den Start gegangen war.
Magdalena Neuner hatte bis wenige Minuten vor dem Rennen keine Gelegenheit ausgelassen, der Welt zu erklären, dass sie selbst entschieden habe, auf die Staffel zu verzichten. Das mag sein, doch letztlich ist es unerheblich, wer diese falsche Entscheidung getroffen hat. Das größte Ereignis im Biathlon fand ohne die derzeit beste Biathletin statt. Das ist nicht nachzuvollziehen.
Abgesehen davon, dass Deutschland quasi freiwillig auf eine Goldmedaille verzichtet, sie zumindest fahrlässig in Gefahr gebracht hat, ist es auch noch Betrug am Zuschauer, der erwarten darf, dass er bei den Olympischen Spielen durch seine besten Athleten vertreten wird.
Mit seinem Entschluss, auf Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner zu verzichten, lag Bundestrainer Uwe Müssiggang jedenfalls gründlich daneben. Denn Martina Beck, die er stattdessen einsetzte, lief viel zu langsam. Unter 76 Läuferinnen erreichte sie nur die 41. Zeit. Für die kurze Distanz von sechs Kilometern brauchte sie die kleine Ewigkeit von 1:18 Minuten länger als Sandrine Bailly, die Schnellste im Feld. Und genauso flink wie die Französin hätte Neuner auch rennen können. Da hätte sie eine ganze Salve am Schießstand verballern und sich jede Menge Nachlader leisten können.
Der Bundestrainer bemühte sich schon Sekunden nach dem Rennen, Kritik an seiner Aufstellung zu verhindern: "Sehr schade, dass wir auf der Strecke nicht mithalten können. Es ist aber hypothetisch, zu behaupten, dass wir mit Magdalena besser gewesen wären. Alle haben fantastisch gearbeitet und ihr Bestes gegeben." Da mag er Recht haben. Umgekehrt lässt sich dann aber auch behaupten, dass er mit den A-Kader-Mitgliedern Tina Bachmann oder Juliane Döll hätte gewinnen können. Aufgestellt wurden die beiden schwächeren Athletinnen deshalb nicht.
Fakt ist: Neuner wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schneller als jede eingesetzte deutsche Kollegin gewesen. Und beim Schießen hat sie sich in den vergangenen Tagen immerhin so gut angestellt, dass sie zweimal Gold und einmal Silber davontrug. Thomas Pfüller, der Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbandes (DSV), will sich an derlei Überlegungen nicht beteiligen: "Die Mädels haben heute gute Arbeit geleistet. An so einem Tag muss man auch mal mit Bronze zufrieden sein, das ist wie mit einem Unentschieden im Fußball."
Wenn er schon den Vergleich zum Fußball zu Rate zieht, dann sei ihm gesagt: Das deutsche Biathlon hat in Vancouver ein Eigentor geschossen und eine historische Niederlage erlitten. Kati Wilhelm, Simone Hauswald, Martina Beck und Andrea Henkel erzielten das schlechteste deutsche Frauenstaffel-Ergebnis bei Olympia.
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