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"Wir können Geschichte schreiben"
Wellinger und Freitag wollen auf Weißflogs Spuren wandeln

Porträt: Andreas Wellinger – Skispringer und Medaillengewinner
Porträt: Andreas Wellinger – Skispringer und Medaillengewinner FOTO: afp, FABRICE COFFRINI
Pyeongchang . Pyeongchang liegt den DSV-Adlern. Auf der modernen Schanze in Südkorea winkt den Favoriten Andreas Wellinger und Richard Freitag der erste Einzel-Olympiasieg seit Jens Weißflog. Den Abend vor dem geplanten Gold-Coup verbringen die beiden Top-Springer höchst unterschiedlich.

Den olympischen Spirit und die Teilnahme an der Eröffnungsfeier opferte Andreas Wellinger für seinen großen Traum von Gold. Anders als seine Skisprung-Teamkollegen um Richard  Freitag setzte der 22-jährige Tournee-Zweite vor dem Olympia-Einzel am Samstag (13.35 Uhr/MEZ) auf Entspannung, Wärme und einen gemütlichen Fernsehabend auf der Couch. "Die Feier ist etwas Besonderes. Aber ich bin hier, um Wettkämpfe zu springen", sagte Wellinger. Die Botschaft ist klar: Nach Team-Gold in Sotschi will der lockere Bayer nun als erster deutscher Skispringer seit Jens Weißflog 1994 Olympiasieger im Einzel werden.

Der zuweilen unbeständige Wellinger hat sich stabilisiert und ruft auf der Normalschanze in Pyeongchang bislang sein riesiges Potenzial ab. In der Probe und der Qualifikation am Donnerstag war der Mixed-Weltmeister der klar stärkste Springer. "Er hat ein Zeichen gesetzt", sagte Bundestrainer Werner Schuster. Mit Wellinger und Freitag haben die DSV-Adler gleich zwei ganz heiße Kandidaten auf Medaillen zum Auftakt der Spiele von Südkorea.

"Wir können Geschichte schreiben, wir können aber auch leer ausgehen. Aber die Vorarbeit ist gemacht, von dem her ist es ein angenehmes Gefühl", ordnete Schuster die Vorleistungen seiner  Schützlinge ein. In der Qualifikation ragte das deutsche Sprung-Team um Quali-Sieger Wellinger heraus. Auch Freitag, Markus Eisenbichler und Karl Geiger landeten unter den besten Sieben. "Die Mannschaft hat sich sehr kompakt präsentiert und den Rhythmus hier verinnerlicht", sagte Schuster. In drei Tagen galt es, acht Stunden Zeitumstellung und einen neuen Schlafrhythmus umzusetzen.

Wellinger gibt sich selbstbewusst

Wellinger hat das offenbar am besten gemeistert. Wechselten sich vor Wochenfrist in Willingen noch gute mit schlechten Sprüngen ab, ist er in der klirrenden Kälte von Pyeongchang ein Muster an Beständigkeit. "Ich bin gut vorbereitet auf jeden Tag, auf jeden Wettkampf. Wenn ich mein Zeug umsetzen kann, kann ich vorne mitspringen, das habe ich hier gezeigt", sagte Wellinger, der im Sommer nach München zog und seit etwa einem Jahr zur absoluten Weltspitze zählt. Er sei "einer der Favoriten", betonte der zweifache WM-Zweite von Lahti.

Die DSV-Adler absolvieren ohne den verletzten Team-Olympiasieger  Severin Freund bislang eine überraschend starke Saison. Vier Siege im Weltcup sowie Gesamtrang zwei bei der Tournee für Wellinger und Bronze bei der Skiflug-WM für Freitag sprechen eine klare Sprache.  Der ganz große Coup aber fehlt - und soll nun im Alpensia Park an diesem Samstag folgen. "Ich würde schon gerne nach den Medaillen greifen, aber es wird tough", sagte Freitag.

Der 26-Jährige, der bis zu seinem Sturz in Innsbruck der beste Springer des Winters war, hat noch immer leichte Schmerzen in der Hüfte, will mit olympischem Edelmetall im Einzel nun aber den bisherigen Gipfel seiner Karriere erklimmen. "Er hat sich wieder angemeldet im Konzert der Big Six oder Big Eight", sagte Schuster zur deutlichen Steigerung von Freitag, der sowohl im Training als auch im letzten Weltcup-Springen in Willingen große Probleme hatte.

Im Kampf um Gold müssen Freitag und Wellinger vor allem Kamil Stoch fürchten. Der polnische Olympiasieger, der mit seinem Vierfachsieg bei der Tournee im Januar Geschichte schrieb, ist weiterhin bestens aufgelegt und will wie in Sotschi erneut zu Doppel-Gold springen. "Kamil ist sehr, sehr stark", bilanzierte Freitag. Für das Duell gerüstet sind die DSV-Adler allemal.

(dpa)
 
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