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"Startrakete" Annika Drazek
Die Chance auf Medaille steht und fällt mit der Anschieberin

Olympia 2018: Die Chance auf Medaille steht und fällt mit der Anschieberin
Annika Drazek (l.) und Stephanie Schneider beim Training in Pyeongchang. FOTO: rtr, LP
Pyeongchang. Der Star unter Deutschlands Bob-Frauen ist keine Pilotin. Annika Drazek gilt als die beste Anschieberin der Welt, dank ihr lebt die Medaillenhoffnung.

Die wichtigste Frau in seinem Team behandelt Bundestrainer Rene Spies wie ein rohes Ei. Als die deutschen Bobs zu Saisonbeginn um die Welt flogen, blieb Annika Drazek zu Hause. Bloß keine strapaziösen Überseereisen, keine Verletzungen im bitterkalten Nordamerika, lieber Training in der Heimat. Denn mit Drazek steht und fällt die Chance auf die erste Olympia-Medaille deutscher Frauen seit zwölf Jahren.

Dabei steuert die 22-Jährige gar keinen Bob. Sie ist Anschieberin. Und mittlerweile gilt sie als die Beste der Welt. "Ich will die Medaille, nichts anderes", sagt sie, "das steht ganz klar im Fokus, es kribbelt in den Füßen."

Und seit Monaten gilt eines als sicher: Nur der Drazek-Bob hat in den vier Läufen am Dienstag (ab 20.50 Uhr Ortszeit/12.50 Uhr MEZ) und Mittwoch (ab 20.40/12.40) bei den Winterspielen in Pyeongchang echte Chancen auf Edelmetall. Deshalb hatte Trainer Spies im Januar "eine sehr schwierige Entscheidung" zu treffen, wie er sagt. 

Anschiebertausch mitten in der Saison

Meist war Drazek im vergangenen Winter nämlich mit Pilotin Mariama Jamanka (Oberhof) gefahren, doch in dieser Saison wurde Stephanie Schneider (Oberbärenburg) an den Lenkseilen immer stärker. Und da Schneider ebenfalls eine starke Sprinterin ist, änderte Spies die Kombination: Drazek hinten, Schneider am Steuer - dieses Duo verspricht den größten Erfolg.

Denn auch die drei Top-Fahrerinnen Kaillie Humphries (Kanada), Elana Meyers Taylor und Jamie Greubel Poser (beide USA) sind herausragende Athletinnen, und um hier eine Chance zu haben, muss Deutschland schon am Start das Niveau mitgehen. Dank Drazek ist das möglich.

Dabei hatte sie vor drei Jahren noch gar nicht viel zu tun mit Wintersport, Drazek war erfolgreiche Leichtathletin. Sie fiel dem heutigen Bundestrainer während eines Sportfestes auf. "Sie sah aus, wie eine Werferin, und dann ist sie beim Hürdenlauf mit deutlichem Vorsprung ins Ziel gekommen", sagte der 44-Jährige bei Sport im Westen: "Schon damals war es ein Traum, sie mal in einem unserer Bobs dabei zu haben."

Denn Drazeks Größe und körperliche Kraft gepaart mit der Explosivität einer Sprinterin, das ist genau die richtige Mischung für diesen Sport. Wirklich charmant fand sie den Gedanken an die Eisrinne anfangs dennoch nicht. "Ich dachte: Ich bin Sommersportlerin, Schönwettersportlerin", sagt sie, und die erste Fahrt sei dann auch "eine Katastrophe" gewesen, "ich wusste nicht mehr, wo unten und oben ist".

Doch Drazek gewöhnte sich bald an die Fahrten mit 130 km/h und stieg ziemlich schnell zur Schlüsselfigur auf. Wo sie auftrat purzelten die Startrekorde. Und in dieser Woche soll sie nun endlich wieder einen deutschen Frauen-Bob auf das Olympia-Podest schieben.

Danach könnte Drazek übrigens selbst an die Lenkseile wechseln, das ist das erklärte Ziel der Sportlerin und des Trainers. Testfahrten hat sie schon absolviert. Und in Peking 2022 ist die frühere Leichtathletin vielleicht eine frühere Anschieberin.

(sid)
 
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