Die Stars der Spiele: Riesch - die Queen von Whistler
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 01.03.2010 - 15:42Vancouver (RPO). Maria Riesch ist die überragende Skifahrerin der Winterspiele. Mit zwei Goldmedaillen überstrahlt sie die ohnehin gute Bilanz der Alpinen. Neben Riesch haben die Winterspiele weitere Stars hervorgebracht. Magdalena Neuner, Viktoria Rebensburg oder Stephanie Beckert zeigten überragende Leistungen.
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Maria Riesch bleibt keine Zeit zum Verschnaufen, zum Genießen, zum Nachdenken oder einfach nur, um ein wenig Abstand zu bekommen. Die Schlussfeier im B.C. Stadium konnte sie schon nicht mehr mitmachen. Die Hatz durch den Winter geht weiter. Von Vancouver über München nach Crans Montana in die Schweiz. Immer weiter, immer weiter. Abfahrt, Super-G und Kombination fährt sie. "Vielleicht geht im Gesamtweltcup ja noch was", sagt die 25-Jährige. Als Zweite liegt sie in der Saisonwertung hinter Lindsey Vonn.
In Kanada aber hat sich Riesch vor die zuvor auserkorene Königin der Spiele aus den Vereinigten gesetzt. Als "Queen von Whistler" feiert das tägliche Magazin in Vancouvers Deutschem Haus die Partenkirchenerin, als sie Gold in der Super-Kombination um den Sieg im Slalom ergänzt. "Wahnsinn, besser geht's nicht", jubelt Riesch auch noch mit dem Abstand von vielen Stunden, "die WM war für mich schon das absolute Märchen, aber das hier..." Allein den Slalom gewann sie 2009 in Val d'Isère.
Ein Sieg, der jetzt im Gesamtpaket noch heller strahlt. Denn "unsere letzten fünf Medaillen waren alle golden", sagt Riesch mit Blick auf die Sparte Alpin weiblich. Ihre eigenen drei in Frankreich und Kanada, dazu die Erfolge von Kathrin Hölzl 2009 und von Viktoria Rebensburg jetzt im Riesenslalom.
"Wer hätte vor fünf, sechs Jahren an so etwas gedacht?", fragt sie. Der Deutsche Skiverband steckte in einem Tief nach den erfolgreichen Jahren von Katja Seizinger, Hilde Gerg und Martina Ertl. Und ob Riesch je das Versprechen halten würde, das sie mit ihrem Talent und ihrem Fleiß gegeben hatte, stand in den Sternen. Zwei schwere Knieverletzungen warfen sie aus der Bahn.
Alpindirektor Wolfgang Maier und Trainer Mathias Berthold formten eine junge Mannschaft, die so breit aufgestellt ist, dass sie vergangene Woche in Nagiska bei Calgary noch Ausscheidungsrennen um die Startplätze im Slalom fahren musste. Das erinnert an österreichische Verhältnisse.
Der DSV hat rechtzeitig zu seinen und Rieschs Heimspielen in die Erfolgsspur gefunden. Das Weltcup-Finale steht in anderthalb Wochen unter der Zugspitze an und dann 2011 die Weltmeisterschaften. "Ich hoffe, dass der Hype in Garmisch noch etwas größer wird", sagt Riesch. Doch auch am vergangenen Wochenende hätte er schon größer werden können, hätten die lokalen Größen Susanne Riesch und Felix Neureuther ins Ziel gefunden.
Sie aber scheiterte auf Medaillenkurs liegend kurz vor dem Ziel des zweiten Laufs. Und er blieb schon nach 27 Sekunden des ersten Durchgangs hängen. Wie schon vor vier Jahren reist Neureuther ("Wenn man eine Medaille will, muss man etwas riskieren") ohne Ertrag heim.
Wie sehr der DSV in ihm den großen Hoffnungsträger sieht, machte er vergangene Woche mit einer SMS an die deutschen Journalisten deutlich. "Felix Neureuther ist in Whistler angekommen", war da zu lesen. "Der Heiland ist gelandet", übersetzte einer spöttisch.
Maria Riesch nahm ihre Schwester nach deren Missgeschick vor laufender Fernsehkamera tröstend in den Arm. Sie bremste sich im Jubel und drückte die Jüngere fest. Doch sie weiß: "Es war unser größter Traum, gemeinsam auf dem Podium zu stehen. Aber da muss sie jetzt selbst durch." Die mitfühlende Art brachte Maria Riesch weitere Sympathiepunkte beim Publikum, in dessen Gunst sie neben Magdalena Neuner, der anderen zweifachen Olympiasiegerin, steht.
Die Strukturen, aus dieser Mixtur aus Erfolg und gewinnendem Wesen Kapital zu schlagen, stehen. Gemanagt wird sie von Marcus Hoefl. Der kümmert sich auch um die Vermarktung von Franz Beckenbauer und Franziska von Almsick. Im US-Magazin "Forbes" stand Riesch vor den Spielen mit einem geschätzten Jahreseinkommen von einer Million Euro auf Rang sieben der Weltrangliste - die Eishockeyprofis aus der NHL ausgenommen. Damit wird sie sich künftig nicht zufrieden geben müssen.
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