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maria riesch panorama ap 2010
  Foto: AP, AP

"I kon nimmer": Rieschs goldene Nacht in Whistler

zuletzt aktualisiert: 27.02.2010 - 10:01

Whistler (RPO). Irgendwann wurde es der Doppel-Olympiasiegerin zu viel. "I kon nimmer", stöhnte Maria Riesch. Stunden nachdem sie mit ihrer zweiten Goldmedaille bei den Spielen von Vancouver auf eine Stufe mit den Ski-Legenden Rosi Mittermaier und Katja Seizinger gefahren war, nahm der Rummel um sie immer noch kein Ende.

"Ich bin noch gar nicht richtig zum Genießen gekommen", sagte sie. Es war nur ein Vorgeschmack auf das, was das "Golden Girl" jetzt erwartet. Maria Riesch ist am Whistler Mountain nicht nur in den Olymp gefahren. Mit Gold in der Super-Kombination und acht Tage später im Slalom ist sie endgültig in der Beletage des Skisports angekommen.

"Ich habe was geschafft, was nur zwei vor mir geschafft haben. Mich da einzureihen, bei Rosi Mittermaier und Katja Seizinger, ist eine riesengroße Ehre für mich. Ich bin jetzt auf demselben Niveau wie diese Größen, das ist einfach Wahnsinn", sagte sie.

Seizinger hatte 1998 als bislang letzte Deutsche zweimal Gold bei ein und denselben Spielen gewonnen, Mittermaier als erste 1976. "Gold-Rosi" stand bei Rieschs Slalom-Triumph im Zielraum und freute sich "wie verrückt" über den Erfolg ihrer Erbin.

Ihr Mitgefühl galt Rieschs Schwester Susanne. Die hatte Bronze vor Augen, als sie kurz vor dem Ziel einfädelte. "Die eine gewinnt Gold, die andere stürzt. Wie schwierig muss das für die Eltern sein?", sagte Mittermaier.

Monika und Sigi Riesch taten ihr Möglichstes, um ihre Susanne zu trösten. "Ihr gilt unser Mitgefühl", sagte Vater Sigi mit Tränen in den Augen. Maria Riesch eilte nach ihrem ersten Jubel zu ihrer am Boden zerstörten Schwester, umarmte und tröstete sie. "Ich leide total mit ihr. Wir haben beide geweint", sagte sie. Der Augenzeuge Christian Neureuther sprach von einem "unglaublichen Drama zwischen den Schwestern: Die eine steht ganz oben, die andere ganz unten."

Während Maria bei der Blumenzeremonie geehrt wurde, heulte Susi an der Schulter ihrer Mutter. "Sie stand da wie Aschenputtel", fand Alpinchef Wolgang Maier. Susanne werde wohl ein paar Tage brauchen, um den Ausfall-Schock zu verdauen, sagte Maria Riesch. Aber auch Doppel-Gold kann wie ein Schock wirken, wenn auch wie ein positiver. "Da läuft alles ab wie im Film, man bekommt kaum noch etwas mit. Das ist der pure Wahnsinn", sagte Maria Riesch.

Gemeinsam mit ihren Eltern feierte sie ihr Glück am Abend im Deutschen Haus in Whistler, ohne allerdings "die Sau rauszulassen", wie sie versicherte. Schließlich musste sie am Abend noch packen, am nächsten Morgen ging ihr Flieger zurück in die Heimat. Riesch ließ ein seliges Team zurück, das sich nach drei Goldmedaillen über die beste Bilanz seit Nagano 1998 freute. "Es ist für alle eine extreme Befriedigung. Jetzt können wir endlich mal ein paar Wochen entspannt sein", sagte Maier.

Genugtuung für Trainer

Maier hat mit Riesch und Riesenslalom-Siegerin Viktoria Rebensburg jetzt zwei Olympiasiegerinnen im Team, dazu mit Kathrin Hölzl eine Weltmeisterin, "und das nach all den Jahren, in denen es hieß, dass die Alpinen nix gewinnen". Für Maier eine "Genugtuung", und auch Frauen-Cheftrainer Mathias Berthold, ein Österreicher, meinte: "Die Leute sehen jetzt, dass wir nicht nur ein Volk der Biathleten sind." Die haben in Whistler nämlich "nur" zwei Goldmedaillen gewonnen.

Riesch selbst sprach von einem "Befreiungsschlag. Unser Team schwimmt auf einer Welle des Glücks." Sie selbst hat die Welle mit ihrem Slalom-Gold bei der WM vor einem Jahr mit losgetreten, jetzt erlebte die beste deutsche Ski-Rennläuferin "die absolute Krönung", wie sie selbst meinte: "Nichts kann besser sein als zweimal Gold."

Wobei: "Ich habe schon auch noch ein paar Ziele." Zum Beispiel die Slalom-Kugel, gerne auch den Gesamtweltcup. Beides kann sie in den kommenden beiden Wochen bis Saisonschluss noch erreichen, dazu winken ihr Preisgelder und in Sponsoren-Verträgen festgeschriebene Erfolgsprämien.

Dass sich der Doppel-Triumph für sie finanziell bezahlt machen wird, ist ausgemacht. Ihr Manager hatte sie nach Kanada begleitet, in den Gold-Nächten wich er ihr kaum von der Seite. Die zahllosen Anfragen will er jetzt sichten und dann entscheiden. "Meine Wünsche braucht er dabei nicht, er macht das schon", sagte Riesch. Ihre größten Träume hat sie sich ja ohnehin schon erfüllt.

Quelle: chk

 
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