kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
       
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Langlauf-Trainer: So ist Jochen Behle

VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 24.02.2010 - 08:02

Whistler (RPO). Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle ist kein einfacher Zeitgenosse. Aber er hat in Deutschland ein Team geformt, das den Weg in die Weltspitze fand. In Vancouver führte er Frauen und Männer zu sensationellen Medaillen.

Kritisch: Bundestrainer Jochen Behle. Foto: AP, AP

Die Organisatoren des Düsseldorfer Skilanglauf-Weltcups hatten im Dezember Wimmelbilder, wie sie sonst in Kinderbüchern zu finden sind, aufgehängt. Viele, viele Menschen waren auf diesen Werbeplakaten zu sehen, die rund um den Streifen Schnee am Rheinufer standen. Und als Suchfrage stand auf dem Bild: "Wo ist Behle?" Was sonst? Der alte Spruch des ZDF-Reporters Bruno Moravetz, der vor ziemlich genau 30 Jahren in die Sportgeschichte einging. Irgendwo auf diesem Foto verbarg sich Behle.

Dieser Behle, damals 19 Jahre alt, war Moravetz wegen seiner erstaunlichen Zwischenzeiten aufgefallen, die amerikanische Regie setzte ihn bei seinem 15-Kilometer-Lauf durch die Wälder des US-Bundesstaates New York aber nicht ins Bild. Seit diesem Tag steht Behle als Synonym für Langlauf in Deutschland.

"Wo ist Behle?" oder "Wo sind Behles Leute?". Diese Frage stellte sich auch häufig in diesem olympischen Winter. Durchwachsene Ergebnisse zumeist bei den Männern, mehrheitlich Enttäuschungen bei den Frauen. Katrin Zeller aus Oberstdorf steht als beste Deutsche in der Saisonwertung auf Rang 27. Schwach.

"Der deutsche Langlauf ist nicht tot"

Doch dann kam dieser Sonntag in der Mitte der Olympischen Spiele, und Thomas Pfüller, der Sportchef im Deutschen Skiverband, durfte nach Tobias Angerers Silbermedaille im Rennen über 30 Kilometer erleichtert feststellen: "Der deutsche Langlauf ist noch nicht tot."

Einen Tag später überschlug sich Pfüller sogar beinahe. "Das ist die größte Überraschung dieser Spiele", sagte der Sachse, der forsch 15 Medaillen für die DSV-Athleten als Ziel für Vancouver ausgegeben hatte. Bislang steht die Ausbeute bei neun, die ambitionierte Vorgabe gerät nun in Reichweite. Und Behle suchte nach dem Sieg von Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad ("Wir haben so schön harmoniert") im Teamsprint nach dem größten Superlativ: "Das ist höchst sensationell."

Anschließend holten Axel Teichmann und Tim Tscharnke in der gleichen Disziplin Silber. Unverhofft stand Deutschland, dessen Skispringer den strahlend sonnigen Tag mit Silber begonnen hatten, wieder an der Spitze des Medaillenspiegels. Zumindest in den ausstehenden Langlauf-Staffeln stehen die Chancen auf weiteren Ertrag jetzt gut.

Es war der größte Tag in der Karriere des Trainers Jochen Behle. Und wieder war's in Nordamerika. Wie 1980. Und wie 2002. Damals, in seinem ersten Jahr als Chefcoach, hatte die Damenstaffel in Salt Lake City Gold gewonnen und damit eine nie dagewesene Ära im deutschen Skilanglauf begründet, mit Weltmeistertiteln und vier Siegen in Folge im Gesamtweltcup der Männer.

Die Mädchen mit den Zöpfen verzauberten 2002 Deutschland - und verdrängten damals sogar ein Uefa-Cup-Spiel von Borussia Dortmund aus dem Fernsehprogramm. "Bis dahin hatte sich in Deutschland niemand für Langlauf interessiert", erinnert sich Nystad, die damals noch Künzel hieß.

Behle formte in der Langlauf-Diaspora Deutschland ein kleines, aber hochkarätiges Team, das mit Ländern wie Norwegen mithielt, wo alle Kinder auf die Bretter gestellt werden, sobald sie laufen können. Selbstständig, mit großem Organisationstalent und zuverlässig, wie Pfüller lobte, brachte Behle die Sportart voran. Er kämpfte mit Vorbehalten gegen seine durch viele Dopingfälle belastete Sportart.

Etwa als vor vier Jahren in Turin Evi Sachenbacher wegen auffälliger Blutwerte aussetzen musste. Vor dem Rennen, nach dem Rennen, sogar während des Rennens betrieb der jetzt 49-Jährige Öffentlichkeitsarbeit im Dienste seiner Sportart. Tausend und abertausend Mal wird er auf "Wo ist Behle?" angesprochen, ohne dass er sich anmerken lässt, ob ihn das nervt.

Fülliger ist er geworden in den drei Jahrzehnten - was nicht nur an den Funkgeräten liegt, die er ständig mit sich herumträgt, um alle Informationswege im Griff zu haben. Er eckt immer noch an, so wie er es schon als Aktiver getan hatte und deswegen zeitweise vom Verband aussortiert worden war. Ihm unterstellte Trainer sortiert er kurzerhand aus, wenn sie nicht so arbeiten, wie er will. Und auch seine Sportler, gerade die Frauen, geht er mitunter scharf an. Das Leistungsprinzip geht ihm über alles.

Noch am vergangenen Freitag hatte er Generalkritik an seinen Damen geübt. Die anderen Nationen hätten sich weiterentwickelt. "Wir sind stehengeblieben. Es geht sogar eher in die andere Richtung", sagte er. Die Grundlage fehle. Der Trainingsaufwand sei zu gering. "Aber was soll man machen, wir sind keine Diktatur." Nach dem Gewinn der Goldmedaille begegnete Sachenbacher der Attacke gelassen: "Wir sind es ja schon gewohnt, dass bei jedem Höhepunkt etwas vom Jochen kommt. Das geht hier rein und da raus."


 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Verfolgerduell mit Gift-Garantie

Gladbach gegen Schalke

Verfolgerduell mit Gift-Garantie

Noch marschieren sie im Gleichschritt, doch heute könnte das erste Mitglied der "fantastischen Vier" ins Stolpern geraten: Wenn Gladbach und ... mehr 

BVB vor der Brust – Barca im Kopf

Bundesliga jetzt im Live-Ticker

BVB vor der Brust – Barca im Kopf

Innerhalb von vier Tagen kann Vizemeister Bayer Leverkusen in der Bundesliga bei Borussia ... mehr 

Videos

Ringerin aus Krefeld trainiert für Olympiaqualifikation

Aline Focken ist 20 Jahre alt und träumt von Olympia. Die Krefelderin hat die Chance sich für die olympischen Spiele 2012 in ... mehr 

Favre: "Das war ein verdienter Sieg"

Bereits in der zweiten Spielminute gelang der Mannschaft von Lucien Favre der erste von drei Treffern. Über neunzig Minuten lassen die ... mehr 

Weitere Sportarten
Bilderserien Winterspiele
Das ist Richard Freitag
Das ist Richard Freitag
Wir stellen den deutschen Skispringer Richard Freitag vor. mehr 
 
Das ist Richard Freitag
Das ist Richard Freitag
Wir stellen den deutschen Skispringer Richard Freitag vor.
mehr 
Das ist Martin Schmitt
Das ist Martin Schmitt
Wir haben die wichtigsten Stationen im Leben von ..
mehr 
Das ist Magdalena Neuner
Das ist Magdalena Neuner
Magdalena Neuner ist in atemberaubender Geschwindigkeit ..
mehr 
Große Enttäuschung in München
Große Enttäuschung in München
Aus der Traum von Olympia: Diese Mädche steht die ..
mehr 
Olympia-Vergabe: Katarina Witt weint bittere Tränen
Olympia-Vergabe: Katarina Witt weint bittere Tränen
Katarina Witt, Vorsitzende des Kuratoriums der ..
mehr 
Olympia-Vergabe: die Reaktionen
Olympia-Vergabe: die Reaktionen
Wir haben die Stimmen zur Olympia-Vergabe nach ..
mehr 
Olympia 2018: Witt, Riesch und der "Kaiser" in Durban
Olympia 2018: Witt, Riesch und der "Kaiser" in Durban
Franz Beckenbauer und Katarina Witt haben im ..
mehr 
Olympia 2014: Baufortschritt in Sotschi
Olympia 2014: Baufortschritt in Sotschi
Die Olympischen Winterspiele 2014 werden in der russischen ..
mehr 
 
MEHR

Rückkehr

Berliner Olympiastarter feierlich empfangen

Berlin (sid). Berlins Olympiastarter sind am Mittwochabend durch den Olympiastützpunkt und den Senat feierlich empfangen worden. Von den 14 Athleten aus der Hauptstadt, die in Vancouver in den drei Sportarten Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und ... mehr

 
 
 

Zukunft deutscher Medaillengewinner

Glänzende Aussichten für Sotschi

 

Die Stars der Spiele

Riesch - die Queen von Whistler