Nur zwei sechste Plätze: Verwöhnte Curler enttäuschen bei Olympia
zuletzt aktualisiert: 24.02.2010 - 07:57Vancouver (RPO). 24 Medaillen haben Andy Kapp und Andrea Schöpp bei Welt- und Europameisterschaften bislang gesammelt. Eine stolze Ausbeute. Bei den Olympischen Spielen in Vancouver haben die erfolgsverwöhnten deutschen Curler allerdings enttäuscht.
Beide wollten ins Halbfinale, doch am Ende landeten Kapps Füssener Team (4:5 Siege) und Schöpps Damen vom SC Riessersee (3:6) jeweils auf dem sechsten Platz.
"Das ist weitab von dem, was wir uns vorgestellt haben. Wir haben in der Vorbereitung alles getan, die Mannschaften durften alle Turniere spielen, die sie wollten. Wir haben alles bezahlt. Natürlich sind wir enttäuscht. Jetzt müssen wir weiter auf die erste Olympia-Medaille warten", sagte Ralph Schneider, Sportdirektor des Deutschen Curling-Verbandes (DCV), nach dem 7:8 von Schöpp zum Abschluss gegen Olympiasieger Schweden.
Zumindest durfte Schneider erleichtert bilanzieren, dass dem Verband mit diesen Platzierungen die A-Kader-Förderungen erhalten bleiben. "Es wäre wahrlich nicht schön gewesen, wenn die Damen in den B-Kader abrutschen", sagte Schneider, der mit seinem Verband pro Saison nur rund 100.000 Euro zur Verfügung hat. "Da hätte eine Reduzierung schon ein Loch in die Kasse gerissen."
Was im deutschen Curlingsport derzeit als Maximum gilt, ist international das Minimum. Während viele der Konkurrenten ihren Sport professionell betreiben, wird Curling von Andreas Kapp und Andrea Schöpp auf Amateurbasis betrieben. Der selbst ernannte Pommesverkäufer Kapp verdient seine Brötchen als Inhaber zweier Tiefkühlkostbetriebe, Dr. Schöpp, die promovierte Statistikerin, hält sich mit Nachhilfestunden für Gymnasial- und Realschüler über Wasser.
"Die schieben wie Maschinen"
"Man muss sich nur die Chinesinnen anschauen. Die sind seit neun Monaten unentwegt auf dem Eis und haben sich einen kanadischen Trainer genommen. Die schieben einen Stein nach dem anderen, wie Maschinen", schildert Schöpps enge Vertraute auf dem Eis, Monika Wagner, die Situation. Das Ergebnis: Chinas Frauen sind Weltmeister.
"In China wird ohne Ende aufgerüstet. Wenn da einer von oben bestimmt, jetzt wird gecurlt, dann bauen die mal schnell zehn Hallen und spielen. Die kommen ganz stark auf, auch die Japaner", sagt Andy Kapp, dreifacher Familienvater mit vollem Terminkalender. Zunächst will der 42-Jährige noch die WM im April in Cortina spielen, "danach setzen wir uns zusammen und schauen, wie es weitergeht."
An Olympia 2014 in Sotschi verschwendet Kapp noch keinen Gedanken, im Gegensatz zu Andrea Schöpp, für die sogar 2018 ein Thema ist: "Wenn ich gesund bin, will ich da noch spielen."
Schön für Schöpp, weniger schön für den Verband, denn dies zeigt das Dilemma im Damen-Curling auf. Da ist die siebenmalige Europameisterin Schöpp und danach nichts. "Wir müssen in die Großstädte, denn da haben wir außer in Hamburg noch keine Hallen", sagt Ralph Schneider, der deshalb auf Olympia 2018 in München hofft: "Dann bekämen wir dort vielleicht eine permanente Halle. Das wäre so wichtig." Kapp sieht es genauso und macht sich aus diesem Grund als München-Botschafter für vierte Olympische Spiele stark.
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