Pechstein fehlt im Aufgebot: DOSB nominiert 148 Athleten für Vancouver
zuletzt aktualisiert: 22.01.2010 - 14:38Frankfurt/Main (RPO). Mit dem drittgrößten Aufgebot seit der Wiedervereinigung und dem umstrittenen Eiskunstlauf-Trainer Ingo Steuer geht die deutsche Mannschaft in Vancouver auf Medaillenjagd, nur ihre erfolgreichste Winter-Olympionikin Claudia Pechstein bleibt vorerst außen vor. Der Name der Eisschnellläuferin fehlte am Freitag nach der letzten Nominierungsrunde des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) auf der Liste der 148 Athleten für die 21. Olympischen Winterspiele (12. bis 28. Februar).
Nachdem am 17. Dezember 44 Sportler benannt worden waren, kamen in der letzten Runde in Frankfurt/Main noch 101 hinzu. Den bisher 145 werden am Wochenende im Biathlon (2) und in der Nordischen Kombination (1) drei weitere Sportler folgen. Somit wären es 92 Männer und 56 Frauen.
Zehn sogenannte Härtefälle im alpinen Ski (4), Ski Freestyle, Skilanglauf und Snowboard (je 2) werden noch von der Präsidialkommission des DOSB geprüft. Kommen sie alle hinzu, wären es 158 Athleten. Zwei dieser Fälle könnten sich am Freitag erledigt haben, denn Langläufer Josef Wenzl (Zwiesel) und der Alpine Stephan Keppler (Ebingen) erfüllten zum Zeitpunkt der Nominierungsrunde die Olympianorm. Sie dürften damit vom DOSB als Teammitglieder Nummer 149 und 150 nachnominiert werden.
Claudia Pechstein könnte die Nummer 159 werden. Nur eine für sie positive Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts vor dem Vancouver-Meldeschluss am 29. Januar kann der wegen Dopings gesperrten fünfmaligen Olympiasiegerin noch den Weg zu ihren sechsten Spielen ebnen.
Der Fall Pechstein sorgte am Freitag jedoch noch einmal für große Verwirrung. Während die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) erklärte, sie habe Pechstein dem DOSB unter Vorbehalt als Vancouver-Fahrerin vorgeschlagen, bestritt der DOSB diesen Vorgang. "Es liegt kein Vorschlag seitens der DESG vor", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach. Dem widersprach DESG-Sportdirektor Günter Schumacher vehement. "Wir haben Claudia Pechstein schon vor der ersten Nominierungsrunde im Dezember unter Vorbehalt vorgeschlagen. Dieses Schreiben ist Fakt", sagte Schumacher dem SID.
Nur wenn Claudia Pechsteins Eilantrag stattgegeben würde, könnte sich der DOSB noch mit ihrer Nominierung befassen. Bis zum Freitagmittag lag keine Entscheidung des Gerichts aus Lausanne vor. "Das Warten auf ein Zeichen aus der Schweiz zehrt sehr an meinen Kräften", sagte Pechstein dem SID.
DESG-Präsident Gerd Heinze schließt im Falle einer positiven Entscheidung des Schweizer Bundesgerichtes einen Einzelstart der Berlinerin "nicht aus, wenn sich die qualifizierten Athletinnen verletzen oder nicht fit sein sollten". Pechstein hatte im Dezember bei ihrem vom Schweizer Bundesgericht genehmigten Weltcup-Auftritt in Salt Lake City über 3000 Meter die DOSB-Norm für einen Einzelstart in Vancouver verpasst, die Zeitnorm des Eislauf-Weltverbandes ISU aber erfüllt und könnte damit im Teamrennen antreten.
Zum vorerst 141-köpfigen Betreuerteam in Vancouver wird auch Steuer gehören. Der Trainer der Paarlauf-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy (Chemnitz) hatte sich 2006 in Turin wegen seiner Stasi-Vergangenheit noch in die deutsche Mannschaft einklagen müssen. "Ich freue mich riesig. Ich wäre ja auf jeden Fall dabei gewesen, aber im deutschen Team zu stehen, ist immer am schönsten", sagte Steuer.
Dagegen schlug die Deutsche Eislauf-Union (DEU) ihren Sportdirektor Udo Dönsdorf nicht vor. Er soll aber wie derzeit bei der EM in Tallinn auch bei der WM im Mai deutscher Delegationsleiter sein. Wegen angeblicher sexueller Belästigung steht Dönsdorf im April vor einem Rechtsstreit um Schmerzensgeld mit dem Berliner Eistänzer Sascha Rabe.
"Es wird ein heißer Tanz in Vancouver. Die Konkurrenz ist so stark wie nie. Aber wir wollen wie 2006 in Turin wieder die beste Mannschaft stellen. Unser Team soll auch im Hinblick auf die Bewerbung von München um Olympia 2018 ein positives Bild abgeben", meinte DOSB-Präsident Thomas Bach. Das deutsche Projekt Vancouver kostet rund 4,8 Millionen Euro.
Vor vier Jahren hatte das 162 Athleten starke deutsche Team in Turin 11 Gold-, 12 Silber- und 6 Bronzemedaillen gewonnen.
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