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Anna Friesinger Daniela Anschütz Stephanie Beckert ap 2010 panor
  Foto: AP, AP
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Eisschnelllauf / Team: Doppeltes Drama! Deutschland holt Gold

zuletzt aktualisiert: 27.02.2010 - 23:30

Richmond (RPO).  Die Ziellinie überquerten sie noch in geduckter Haltung, dann rissen Stephanie Beckert, Daniela Anschütz-Thoms und Katrin Mattscherodt fast synchron die Arme in die Höhe: Das Trio ist in einem dramatischen Team-Wettbewerb ohne die völlig entkräftete "Stolperkönigin" Anni Friesinger-Postma zur Goldmedaille gerast und hat an einem denkwürdigen Finaltag der deutschen Eisschnelllauf-Mannschaft in Richmond doch noch den ersehnten ersten Olympiasieg beschert.

Im Ziel des Endlaufes hatte der "Deutschland-Express" nur zwei Hundertstelsekunden Vorsprung auf Japan, nachdem es eingangs der Schlussrunde noch 1,14 Sekunden Rückstand gewesen waren.

"Lokomototive" Beckert

"Das war ein Auf und Ab der Gefühle", sagte Friesinger-Postma und lobte Stephanie Beckert: "Sie war unsere Lokomotive, sie hat die Mädels auf den letzten zwei Runden gezogen." In der Tat: Beckert hatte auf den letzten zwei Runden allein die Führungsarbeit übernommen.

Schon das Halbfinale gegen die USA wird einen Ehrenplatz in den deutschen Olympia-Annalen erhalten. In einer an Dramatik kaum zu überbietenden Schlussrunde stolperte Friesinger-Postma mehrfach, lief weit hinter ihren Partnerinnen hinterher und rutschte am Ende verzweifelt und völlig entkräftet bäuchlings über die Ziellinie.

Zunächst dachte die 16-malige Weltmeisterin, sie hätte es verbockt und hämmerte frustriert mit der Faust aufs Eis. Als sie nach etwa einer halben Minute realisierte, dass es mit zwei Zehntelsekunden Vorsprung trotzdem fürs Finale gereicht hatte, vergoss sie Freudentränen.

Ohne Friesinger im Finale

Im Endlauf anderthalb Stunden später ging Bundestrainer Markus Eicher kein Risiko mehr ein und schonte Friesinger-Postma. Die Rechnung ging mit Ersatzläuferin Mattscherodt auf, doch auch Friesinger-Postma erhält ihre Goldmedaille. Bronze ging an Polen, das sich im "kleinen" Finale gegen die USA durchsetzte. Gemeinsam mit der strahlenden Friesinger-Postma und ausgestattet mit zwei Deutschland-Fahnen drehten Beckert, Anschütz-Thoms und Mattscherodt nach dem Triumph ihre Ehrenrunde durch das Richmond Oval.

Info

Daniela Anschütz-Thoms: Geb. am 20. November 1974 in Erfurt. - Größe: 1,65 m. - Gewicht: 62 kg. - Größte Erfolge: Olympiasiegerin 2010 in Vancouver in der Teamverfolgung, Olympiasiegerin 2006 in Turin in der Teamverfolgung, Weltmeisterin in der Teamverfolgung 2005, dreimalige WM-Dritte, ein Weltcupsieg.

Anni Friesinger-Postma: Geb. am 11. Januar 1977 in Bad Reichenhall. - Größe: 1,69 m. - Gewicht: 64 kg. - Größte Erfolge: Olympiasiegerin 2010 in Vancouver in der Teamverfolgung, Olympiasiegerin 2006 in Turin der Teamverfolgung, Olympiasiegerin 2002 in Salt Lake City über 1500 m, Olympiadritte 2006 in Turin über 1000 m, Olympiadritte 1998 in Nagano über 3000 m, 16-malige Weltmeisterin.

Stephanie Beckert: Geb. am 30. Mai 1988 in Erfurt. - Größe: 1, 72 m. - Gewicht: 69 kg. - Größte Erfolge: Olympiasiegerin 2010 in Vancouver in der Teamverfolgung, Olympiazweite 2010 in Vancouver über 3000 und 5000 m, WM-Vierte 2009 über 5000 m.

Katrin Mattscherodt: Geb. am 26. Oktober 1981 in Berlin. - Größe: 1,65 m. - Gewicht: 70 kg. - Größte Erfolge: Olympiasiegerin 2010 in Vancouver in der Teamverfolgung, Olympia-13. 2010 in Vancouver über 3000 m.

Friesinger-Postma und Anschütz-Thoms wiederholten damit ihren Team-Olympiasieg von Turin, wo sie vor vier Jahren mit Claudia Pechstein triumphiert hatten. Den beiden Golden Girls gelang damit nach enttäuschend verlaufenen Einzelstarts doch noch ein glorreiches Ende ihrer olympischen Karrieren.

Dritte Medaille für Beckert

Beckert holte nach zweimal Silber über die Langstrecken ihr erstes olympisches Gold und ist damit nach Doppel-Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien die erfolgreichste Kufenflitzerin in Richmond. Zudem krönte sich die 21-jährige Erfurterin zur jüngsten deutschen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin seit 30 Jahren. Für Mattscherodt war es der erste große Sieg ihrer Karriere.

Nach dem überzeugenden Viertelfinal-Auftritt gegen die Niederlande, als auch kleine Abstimmungsprobleme den Sieg nicht gefährdet hatten, harmonierte das Trio am Samstag im Halbfinale zunächst hervorragend - bis zur dramatischen Schlussrunde, die Friesinger-Postma schon mit einem Stolperer begann.

Mit dem Sieg bekam die Team-Geschichte, die alles andere als verheißungsvoll begonnen hatte, doch noch ihr Happy End. Eicher hatte nach den enttäuschenden Einzelrennen Friesinger-Postmas (Plätze 9 und 14) die Team-Tauglichkeit der 16-maligen Weltmeisterin massiv bezweifelt ("Mit Anni wäre das ein gewagtes Ding") und damit für erhebliche Unruhe gesorgt. Nach dem Viertelfinale gab er zu: "Anni hat es mir heute ein bisschen gezeigt. Wenn sie wütend ist, ist sie am besten."

Für Friesinger-Postma war es das dritte Olympiagold nach den Siegen 2002 in Salt Lake City (1500 m) und 2006 in Turin (Team). Ihre Karriere will sie nach der Einzelstrecken-WM 2011 in ihrer alten Heimat Inzell beenden.


Eisschnelllauf, Team-Verfolgung, Frauen

Viertelfinale: Deutschland (Daniela Anschütz-Thoms, Stephanie Beckert, Anni Friesinger-Postma) 3:01,95 Minuten - Niederlande (Renate Groenewold, Diane Valkenburg, Ireen Wüst) 3:03,38; Japan (Masako Hozumi, Nao Kodaira, Maki Tabata) 3:02,89 - Südkorea (Lee Ju-Youn, Noh Seon-Yeong, Park Do-Yeong) 3:07,45; Polen (Katarzyna Bachleda-Curus, Katarzyna Wozniak, Luiza Zlotkowska) 3:02,90 - Russland (Galina Likachowa, Jekaterina Lobyschewa, Jekaterina Schichowa) 3:04,86; USA (Jennifer Rodriguez, Jilleanne Rookard, Nancy Swider-Peltz) 3:02,19 - Kanada (Kristina Groves, Christine Nesbitt, Brittany Schüssler) 3:02,24

Damit im Halbfinale: Deutschland (Anschütz-Thoms, Beckert, Friesinger-Postma) 3;03,55 - USA (Rodriguez, Rookard, Swider-Peltz) 3:03,78, Japan (Hozumi, Kodaira, Tabata) 3:02,73 - Polen (Bachleda-Curus, Wozniak, Zlotkowska) 3:02,92

Finale: Deutschland (Anschütz-Thoms, Beckert, Katrin Mattscherodt) 3:02,82 - Japan (Hozumi, Kodaira, Tabata) 3:02,84

Lauf um Bronze: Polen (Bachleda-Curus, Wozniak, Zlotkowska) 3: 03,73 - USA (Raney-Norman, Rodriguez, Rookard) 3:05,30; Lauf um Platz 5: Kanada (Groves, Nesbitt, Schussler) 3:01,41, - Niederlande (Valkenburg, Voorhuis, Wüst) 3:02,04; Lauf um Platz 7: Russland (Lobyschewa, Schichowa, Schabanowa) 3:06,47 - Südkorea (Lee, Noh, Park) 3:06,96

Quelle: SID/chk

 
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