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lee seung-hoon panorama afp 2010
  Foto: AFP, AFP
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Eisschnelllauf: Kramer jubelt – Lee siegt

zuletzt aktualisiert: 23.02.2010 - 23:03

Richmond (RPO). Lee Seung-Hoon gelang mit seinem Sieg nach der Disqualifikation von Oranje-Superstar Sven Kramer die Sensation, doch auch Patrick Beckert sorgte an einem denkwürdigen Tag im Richmond Oval für ein Kuriosum. Noch bevor der Außenseiter aus Südkorea über 10.000 m dem haushohen Favoriten Kramer nach einem Anfängerfehler von dessen Trainer die Goldmedaille vor der Nase wegschnappte, hatte das deutsche Top-Talent Beckert wegen eines abgeschalteten Handys ein heilloses Durcheinander verursacht.

Doch die tragischste Figur war Kramer. Der 23-Jährige verpasste nach neun Runden den korrekten Bahnwechsel und wurde wenige Minuten, nachdem er als Schnellster das Ziel erreicht hatte, disqualifiziert. Kramer hatte zunächst gejubelt, bevor er von seinem Coach Gerard Kemkers auf den Fehler aufmerksam gemacht wurde und wütend seinen Schlittschuh ins Eis rammte. Er wäre gut vier Sekunden schneller als Lee gewesen.

"Was für ein Arschloch!"

Kramer gab dem Coach anschließend die Schuld am Verlust der Goldmedaille. "Verdammt noch mal, was für ein Arschloch. Er weist mich in die falsche Kurve. Das Rennen lief eigentlich optimal, es war eines der besten meines Lebens." Als er sich einigermaßen beruhigt hatte, berichtete Kramer, dass ihn sein Coach in der entscheidenden Situation angesprochen und auf die Innenbahn geleitet hatte: "Das hat er vorher noch nie gemacht, deshalb dachte ich, er lag richtig." Kemkers sah seine Schuld ein. "Ich übernehme die Verantwortung. Für mich stürzt eine Welt zusammen", sagte der Coach, dem der Schock ins Gesicht geschrieben stand.

Derweil hätte Beckert kurzfristig für den angeschlagenen Italiener Enrico Fabris als Nachrücker am 10.000-m-Lauf teilnehmen können, doch der 19-Jährige war unauffindbar. "Wir können ihn nicht erreichen", sagte Bundestrainer Bart Schouten eine halbe Stunde vor Rennbeginn völlig konsterniert.

Da der Schwede Johan Rojler, der Kanadier Mathieu Giroux und der Kasache Dimitri Babenko als erste Ersatzstarter nicht zur Verfügung standen, wäre eigentlich der Erfurter als vierter Nachrücker an der Reihe gewesen. Doch auch Stephanie Beckert, Goldhoffnung im 5000-m-Lauf am Mittwoch, konnte ihren Bruder bei der hastig eingeleiteten Suche nicht rechtzeitig finden.

Beckert verpasst Wettkampf

Als Patrick Beckert dann doch im Olympischen Dorf aufgespürt wurde, war es zu spät. "Als wir ihn erreicht haben, hatte er noch 15 Minuten, um in die Halle zu kommen. Das war unmöglich. Die Abmeldung von Fabris kam eine Stunde vor dem Rennen, das war einfach zu spät", sagte DESG-Teamchef Helge Jasch. Fabris litt angeblich unter Bauchschmerzen. "Niemand konnte ahnen, dass die ersten Nachrücker auch nicht da waren", fügte Jasch hinzu. Sportdirektor Günter Schumacher sagte: "Das sind die verrückten Dinge bei Olympia, die niemand steuern kann."

Beckert hatte über 5000 m den 22. Platz belegt und als bester Deutscher in seinem ersten olympischen Rennen sein großes Potenzial angedeutet. Ein weiteres wird nun zumindest in Richmond nicht mehr dazukommen.

Nach dem Chaos um die Ersatzstarter - das Rennen ging am Ende mit einem Läufer weniger über die Bühne - gelang Lee durch Kramers Fauxpas der Sieg. In olympischer Rekordzeit von 12:58,55 Minuten ließ er den Russen Iwan Skobrew und Kramers Landsmann Bob de Jong hinter sich.

Im 5000-m-Rennen hatte sich Lee, der erst im vergangenen Jahr vom Shorttrack auf die Langbahn gewechselt war, mit Silber hinter Kramer zufrieden geben müssen. Über zehn Kilometer lieferte er ein spektakuläres Rennen und überrundete sogar seinen niederländischen Laufgegner Arjen van de Kieft.

Kramer verpasste damit den Doppelsieg über die "langen Kanten". Zuletzt war dieses Kuststück seinen Landsleuten Jochem Uytdehaage (2002) und Gianni Romme (1998) geglückt. Am kommenden Samstag geht Kramer auch mit dem Team als Top-Favorit an den Start.

Der Münchner Marco Weber, der nach einem leichten Infekt geschwächt ins Rennen gegangen war, wurde in 13:35,73 Minuten Zehnter. In Richmond war es die beste Platzierung der deutschen Männer, die damit die schlechteste Olympia-Bilanz seit 1952 in Oslo ablieferten.

Quelle: SID/can

 
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