Eisschnelllauf: Zweites Silber für Stephanie Beckert
zuletzt aktualisiert: 24.02.2010 - 23:41Richmond (RPO). Sensations-Gold knapp verpasst, aber erneut Silber gewonnen: Stephanie Beckert hat sich mit ihrer zweiten Medaille zur erfolgreichsten deutschen Eisschnellläuferin bei den olympischen Wettkämpfen in Richmond gekrönt.
Die erst 21 Jahre alte Erfurterin musste sich nach einem grandiosen Endspurt über 5000m wie schon im 3000-m-Rennen nur der tschechischen Topfavoritin Martina Sablikova geschlagen geben. Die Weltrekordlerin siegte damit als erste Läuferin seit Claudia Pechstein 2002 bei Winterspielen auf beiden Langstrecken.
0,48 Sekunden fehlten, und Beckert wäre die jüngste deutsche Eisschnelllauf-Olympiasiegerin seit 30 Jahren geworden. Ihre Erfurter Teamkollegin Daniela Anschütz-Thoms verpasste dagegen nach ihrem bitteren vierten Platz über 3000m auch die letzte Chance auf eine Einzel-Medaille bei Winterspielen - und wurde erneut Vierte.
Stephanie Beckert im Stenogramm
Geb. am 30. Mai 1988 in Erfurt
Größe: 1,72 m
Gewicht: 69 kg
Größte Erfolge: Olympiazweite 2010 in Vancouver über 3000 und 5000 m, WM-Vierte 2009 über 5000 m
Mattscherodt: "Shit happens"
Diesmal fehlten der 35 Jahre alte Team-Olympiasiegerin allerdings fast drei Sekunden auf die Bronzemedaille, die Turin-Olympiasiegerin Klara Hughes gewann. Die Berlinerin Katrin Mattscherodt wurde disqualifiziert, weil sie gleich in der ersten Kurve die Begrenzung überschritten hatte und bilanzierte nüchtern: "Shit happens."
Beckert, die sofort nach der Entscheidung ihre Eltern in Erfurt anrief, war dagegen überglücklich. "Ich kann es noch gar nicht fassen", sagte sie und trauerte der Goldmedaille nicht hinterher: "Es war zwar am Ende ganz knapp, aber ich bin überglücklich mit meiner Silbermedaille, und Martina ist einfach wieder unglaublich gut gelaufen."
"Das Rennen ihres Lebens"
Beckert wurde dagegen von der als ZDF-Expertin tätigen Jahrhundert-Eisschnellläuferin Gunda Niemann-Stirnemann "das Rennen ihres Lebens" attestiert. Bruder Patrick Beckert rang fast nach Worten. "Unglaublich, wahnsinnig, aber sie trainiert auch unglaublich", sagte der 19-Jährige, der über 5000m in Vancouver Rang 22 belegte: "Ich habe es ihr von Herzen gegönnt."
Hughes hatte die erste Richtzeit gesetzt. Die 37-Jährige gab im letzten Rennen ihrer Karriere alles und lief Bahnrekord in beeindruckenden 6:55,73 Minuten. Doch Beckert konterte, kontrollierte ihre Laufgegnerin Kristina Groves und drückte die Bestzeit auch dank ihres berühmten Turbo-Schlussspurts (32,32 Sekunden für die letzte Runde) auf 6:51,39 Minuten. Im Ziel wusste sie sofort, dass sie eine Medaille sicher hatte und riss beide Arme in die Höhe.
Dann folgte das bange Warten. Im letzten Paar lief Sablikova gegen Anschütz-Thoms und zeigte keine Schwäche. 6:50,91 Minuten lautete die Siegerzeit. Anschütz-Thoms (6:58,64) hingegen fehlte die Kraft.
Ernüchternde Bilanz
Trotz aller Freude über Beckerts Erfolg droht der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) nun mehr denn je eine ernüchternde Bilanz. Nur 1976 in Innsbruck hatten die deutschen Kufenflitzer bei Winterspielen bislang keine Goldmedaille geholt. Die letzte Chance besitzt in den Verfolgungsrennen am Freitag und Samstag das Frauen-Team, dem allerdings nur Außenseiterchancen eingeräumt werden.
Beckert, die mit Silber über 3000m die Erwartungen schon mehr als erfüllt hatte, war vor dem Rennen die Ruhe selbst. "Ich bin total happy mit meiner Medaille, die kann mir keiner mehr nehmen", sagte sie und rückte keinen Zentimeter von ihren ursprünglichen Zielsetzungen ab: "Ich will die 5000m genießen und werde dann sehen, was dabei herauskommt." Noch am Mittwochmorgen absolvierte sie eine lockere Trainingseinheit im Richmond Oval.
Einen Sieg über Weltrekordlerin Sablikova hatten ihr nur große Optimisten zugetraut, zu dominant war die spindeldürre Tschechin zuletzt auf der Langstrecke gelaufen. Die letzte Niederlage fügte ihr die wegen Dopings gesperrte Claudia Pechstein am 22. November 2008 beim Weltcup in Moskau zu.
STATISTIK:
Eisschnelllauf, Frauen, 5000 m im Richmond Oval:
Gold: Martina Sablikova (Tschechien) 6:50,91 Minuten
Silber: Stephanie Beckert (Erfurt) 6:51,39
Bronze: Clara Hughes (Kanada) 6:55,73,
4. Daniela Anschütz-Thoms (Erfurt) 6:58,64, 5. Maren Haugli (Norwegen) 7:02,19, 6. Kristina Groves (Kanada) 7:04,57, 7. Masako Hozumi (Japan) 7:04,96, 8. Jilleanne Rookard (USA) 7:07,48, 9. Shiho Ishizawa (Japan) 7:12,23, 10. Jorien Voorhuis 7:13,27, 11. Elma de Vries (beide Niederlande) 7:16,68, 12. Cindy Klassen (Kanada) 7:22,09, 13. Swetlana Wysokowa (Russland) 7:23,33, 14. Cathrine Grage (Dänemark) 7:23,83, 15. Maria Lamb (USA) 7:25,15. - Katrin Mattscherodt (Berlin) wegen Überschreitung der Begrenzungslinie disqualifiziert
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