Olympia-TV-Kritik: Experten-Flut und kein Durchblick
VON MARTINA STÖCKER - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 09:43Düsseldorf (RP). In Vancouver muss es eigentlich zwei Olympische Dörfer geben: eines für die Aktiven, das andere für die ehemaligen Sportler, die sich als TV-Kommentator etwas dazuverdienen. Beide Dörfer dürften etwa gleich groß sein, legt man für alle Sender die Expertendichte von ARD und ZDF zugrunde.
Ex-Biathlet Ricco Groß betont, wie wichtig es sei, die Scheiben gut zu treffen. Ex-Langläufer Peter Schlickenrieder schiebt mit der Kamera die Berge hoch („Jetzt laufe ich bergauf“), und Ex-Eisschnellläuferin Gunda Niemann erklärt, dass man in ihrer Sportart besser nicht den geraden Weg wählt - „Jetzt kommt es drauf, an, dass sie die Kurve gut läuft.“ Aha! Der Erkenntnisgewinn für den Zuschauer hält sich in engen Grenzen. Die Journalisten agieren nur als Stichwortgeber.
In Vancouver stehen 153 deutsche Athleten mehr als 500 Mitarbeitern der öffentlich-rechtlichen Sender gegenüber: Bei einer Übertragung sind ein Presenter in der Zentrale, ein Moderator samt Experte vor Ort, ein Kommentator am Mikrofon und mindestens ein Interviewer aktiv. Das verspricht einiges an Qualität und Kompetenz, hält es aber nicht.
So bejubelte ARD-Kommentator Bernd Schmelzer beim Abfahrtsrennen den Gewinner als „Sensation“ und tat so, als hätte ein Kongolese und nicht ein Schweizer gesiegt: Didier Defago, der 2009 in Wengen und Kitzbühel gewann, gehört gewiss nicht in den Zwergerl-Kurs.
Später am Abend verquasselten in der ARD Journalisten und Experten die Zeit, obwohl in Cypress Mountain bereits der rasante Wettbewerb der Snowboard-Crosser begonnen hatte. Wer ihn live von Anfang sehen wollte, der musste auf Eurosport umschalten. Die ARD meldete sich erst mit Verspätung.
Es kann dafür nur einen Grund geben: Sie hat für Snowboard-Cross noch keinen Experten gefunden.
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