Gastgeber zieht Olympia-Resümee: Kanada feiert die Spiele von "Wincouver"
zuletzt aktualisiert: 01.03.2010 - 14:08Vancouver (RPO). Als die Sonne verschwand, kam der Goldregen. Vor einer Woche verspotteten die kanadischen Medien ihre Athleten noch als Versager, nun feiert der Gastgeber nach einem überragenden Endspurt im verregneten Vancouver das beste Abschneiden einer Nation in der Geschichte der Olympischen Winterspiele.
"Unser Nationalstolz kocht über", titelte die Tageszeitung Globe and Mail: "Es sind goldene Spiele geworden!" Mit 13-mal Gold und siebenmal Silber übertrafen die Gastgeber schon vor dem letzten Olympia-Tag Russland, das 1976 in Innsbruck eine Bilanz von 13-6-8 erreicht hatte. Hunderttausende feierten die Erfolge ihrer Lieblinge auf den Straßen, sangen immer wieder ihre Nationalhymne "O Canada". Vancouver wurde zur Partyzone.
Dabei stellten die Gastgeber ihr Licht sogar noch unter den Scheffel. Denn in Kanada wird der Medaillenspiegel nicht nach den Olympiasiegen, sondern nach der Gesamtanzahl der Medaillen erstellt - in dieser Bilanz lag vor den letzten beiden Entscheidungen ausgerechnet der Erzrivale USA (37) vorne. "Sogar in Japan wird es anders berechnet", schrieb ein Kommentator: "Warum quälen wir uns nur so?"
Das lange Warten auf den ersten Olympiasieg auf heimischem Boden, den Freestyler Alexandre Bilodeau am vierten Tag sicherte, scheint Lichtjahre entfernt. Und Chris Rudge wird sich wohl etwas schämen für seinen Ausspruch, den er zu Beginn der zweiten Woche getätigt hatte. "Wir leben nicht im Trottel-Paradies", sagte der Geschäftsführer des kanadischen NOK auf die Frage, ob die USA noch einzuholen seien.
Auch die Kritik am 117 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) schweren Exzellenzprogramm "Own the podium" ist längst verstummt, seit Charles Hamelin (Shorttrack), Jasey Jay Anderson (Snowboard) und viele andere Kanada in einen unverhofften Goldrausch versetzt haben. "Ruhm gibt es nicht umsonst", schrieb die National Post nun milde: "Aber wir müssen noch mehr tun." In der Vorbereitung auf die Sommerspiele 2012 in London will die Regierung nochmal 22 Millionen Dollar (15,3 Millionen Euro) ausgeben.
Vor einer Woche waren positive Äußerungen über die heftig umstrittene "Own the podium"-Kampagne fast noch undenkbar. "Wir ziehen uns um, kreischen und verlieren", klagte die Vancouver Sun nach einer Pechsträhne der Kanadier im sonnigen ersten Teil der 16 Tage, "Blown the podium" (Das Podium vergeigt) sei sicherlich der passendere Slogan. Inzwischen haben die Medien jedoch sogar einen "neuen Patriotismus" ausgemacht, ähnlich wie bei der Fußball-WM in Deutschland 2006.
"Das ganze Land feiert. Das ist neu für uns. Es gibt ein kanadisches Selbstvertrauen, eine große Zufriedenheit", sagte John Furlong, Präsident des Organisationskomitees VANOC. "Die Menschen leben diese Spiele mit uns. Dies ist etwas, was bleiben wird - weit über Vancouver hinaus."
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