| 20.21 Uhr

IOC-Strafe für Russland
Immerhin eine spürbare Strafe

Kommentar zur IOC-Entscheidung: Immerhin eine spürbare Strafe
IOC-Präsident Thomas Bach. FOTO: afp
Meinung | Düsseldorf. Russland als Nation wird von den Winterspielen 2018 ausgeschlossen, einzelne Russen dürften aber als neutrale Athleten starten. Eine empfindliche Strafe. Zum Befreiungsschlag aber taugt sie nicht - weder für das Komitee – noch für Präsident Thomas Bach. Von Stefan Klüttermann

Am Ende wollte Thomas Bach dann wohl doch anders in die Geschichte eingehen - jedenfalls nicht als der IOC-Präsident, der die Glaubwürdigkeit der olympischen Bewegung zu Grabe getragen hat. Das hätte er getan, wäre Russland für sein auf Tausenden Seiten Untersuchungsbericht dokumentiertes Staatsdoping vom IOC nur mit einer dicken Geldstrafe und ein paar tadelnden Worten davongekommen, in zwei Monaten aber mit seiner Mannschaft freudestrahlend bei der Eröffnungsfeier in Pyeongchang einmarschiert.

Den GAU in Sachen Reputation haben Bach und seine Mitstreiter mit dem nun verhängten Ausschluss Russlands als Nation von den kommenden Winterspielen verhindert. Immerhin, mag man denken. Zwar kein historischer Komplettausschluss, aber immerhin. Aber es wäre auch einem Glanzstück an Ignoranz gleichgekommen, und es hätte für Bach eines Oscar-reifen Auftritts vor dem Fernsehkameras bedurft, um den systematisch geplanten, durchgeführten und bis heute hartnäckig geleugneten Betrug Russlands am Sport in einem Maße kleinzureden, wie es Präsident Putin nicht erzürnt hätte.

Zu einem taugt die gestrige Entscheidung trotzdem nicht: zum Befreiungsschlag für das IOC und seinen deutschen Chef. Zu viel wurde und wird rund um Olympia über Doping, Korruption und Gigantomanie berichtet. Da braucht es mehr als ein einmaliges hartes Durchgreifen. Es braucht eine nachhaltige Wende in der Politik des IOC, damit die Menschen glauben, dass es wieder um Olympia als Sportevent gehen soll und nicht als Selbstbedienungsladen skrupelloser Funktionäre.

Gespannt sein darf man nun, welche Lehre der Fußball-Weltverband zieht. Oder ob er einfach hofft, dass die angedeuteten Beweise für organisiertes Doping auch im russischen Fußball erst nach der WM auftauchen. Zuzutrauen wäre es der Fifa.

 
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