Olympia-Bewerbung: "München 2018" am Scheideweg
zuletzt aktualisiert: 14.07.2010 - 15:30München (RPO). Wirbel um Willy Bogner, finanzielle Probleme - und immer wieder Ärger mit den Gegnern: Die Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018 steht am Scheideweg. Wenn sich am Donnerstag der Aufsichtsrat und die Gesellschafter von "München 2018" in der Münchner Staatskanzlei treffen und über die schwierige Finanzierung beraten, geht es wohl schon um alles oder nichts.
Bewerbungschef Bogner versuchte vor den schicksalhaften Gesprächen Optimismus zu verbreiten. "Unsere Finanzierung steht noch nicht auf so gesunden Beinen wie sie sollte. Das ist aber mehr eine technische Sache", sagte er am Mittwoch in München - und ergänzte: "Wir werden das hinkriegen und die Bewerbung weiter vorwärtsbringen. Es ist bei Weitem nicht so ernst, wie man hört."
Was zuvor zu lesen und zu hören war, klang in der Tat sehr ernst. Bogner habe vor dem Treffen in einem internen Schreiben mit Rücktritt gedroht, schrieb die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch. Die Gründe dafür seien die ungesicherte Finanzierung sowie die Probleme des Mitbewerbers Garmisch-Partenkirchen mit Bauern, die sich weiter weigern, ihre Grundstücke für Olympia zur Verfügung zu stellen.
"Die Lösung der beiden Problemfelder ist für mich und mein weiteres Engagement als Geschäftsführer entscheidend", zitierte die Süddeutsche Bogner aus dem Schreiben. Bogner bestätigte, dass er einen Brief an die Gesellschafter und den Aufsichtsrat geschickt, aber "nicht mit meinem Rücktritt gedroht" habe - und das "auch in der Zukunft nicht tun" werde.
Stattdessen gab sich Bogner wieder betont zuversichtlich - allen Problemen zum Trotz. "Die Chancen (für die Bewerbung) stehen gut, wir sind ein Tor vorne gegenüber der Konkurrenz - was aber nicht viel bedeutet, wie wir aus dem Fußball wissen. Wir sind in fast allen Bereichen leicht vorne - mit einer Ausnahme: die Zustimmung der Bevölkerung. Daran müssen wir noch arbeiten", sagte er.
Zumal die Olympia-Gegner Bogner weiter schwer zusetzen und die Bewerbung mit Unterschriftenlisten zu torpedieren suchen. Wie diesem Widerstand zu begegnen ist, das wird neben der finanziellen Lage ein Thema auf der Gesellschafterversammlung am Donnerstag sein. Von den wohl bis zu 40 Millionen Euro für die Bewerbung hat "München 2018" erst knapp über 20 Millionen Euro beisammen. Bogner forderte, die Finanzen müssten "auf eine solide Basis gestellt werden".
Das ist vor allem als Hilferuf an die Politik zu verstehen, da Bogner kaum mehr auf weitere Gelder aus der freien Wirtschaft hofft. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer betonte umgehend, er finde Bogners Forderung nach mehr Geld "im Kern berechtigt, aber über das Ausmaß müssen wir noch reden". Münchens Oberbürgermeister Christian Ude meinte: "Wir haben die 20 (Millionen Euro) überschritten, und wir werden an die 30 herankommen."
Unterstützung erhält Bogner von Fußball-Rekordmeister Bayern München, der am 8. August ein Benefizspiel zugunsten der Bewerbung austragen wird.
Für die Kritiker ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Es wird Zeit, dass das Pleiten- und Pannen-Projekt Olympia 2018 ein Ende findet", sagte der Bayern-Chef der Grünen, Dieter Janecek. Und Ludwig Hartmann von den Grünen meinte: "Die Bewerbergesellschaft hat sich an allen Enden und Ecken verrannt. Es ist an der Zeit endlich aufzuwachen und einen Schlussstrich zu ziehen für Olympia 2018."
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