Sportlicher Jahresrückblick – Teil 5: Münchens böses Erwachen aus dem olympischen Traum
zuletzt aktualisiert: 23.12.2011 - 15:00Berlin (RPO). RP Online blickt auf das Sportjahr 2011 zurück. Im fünften Teil geht es um das Ende des Münchner Traums von den Olympischen Winterspielen.
Christian Ude, der Oberbürgermeister von München ist schon ein respektabler "Zauberer" (so nennt Franz Beckenbauer in einer Mischung von Anerkennung und ironischer Distanz die agilen Selbstverkäufer, die es ganz nach oben geschafft haben). Ude regiert die Stadt gelassen und munter, er hat die Strippen fest in der Hand, er hat eine saubere Weste.
Und: Er ist ein Garant dafür, dass er das Anzapfen beim Oktoberfest mit zwei wuchtigen Schlägen hin bekommt.
Das muss einer schon können, der als OB der Bayern-Metropole anerkannt werden will. Denn, so Ude: "Die drei wichtigsten Sympathieträger von München sind das Oktoberfest, BMW und der FC Bayern München." Und er führt aus, dass er schon am anderen Ende der Welt gewesen sei, wo die Menschen kaum etwas über Deutschland wussten. "Aber die Mannschaftsaufstellung bei den Bayern konnten sie aufsagen."
So durfte denn Ude in seiner langen Amtszeit auch fast jedes Jahr mindestens einmal mit Uli Hoeneß und dessen "Angestellten" auf den Balkon des Rathauses treten und miterleben, wie Tausende eine Fußballmannschaft feierten. Und wenn man da oben steht und auf die euphorisierten Fans blickt, fühlt man an der eigenen Gänsehaut, was das ist: Faszination Sport.
Nun ist Christian Ude eher ein Geistesmensch denn ein Körper-Kultler ("ich war schon in der Schule der ängstliche Brillenträger, der als Letzter in die Mannschaft gewählt wurde") - doch 2011 wird auch er wegen des Sports von ordentlichen Emotionen gebeutelt.
Bürger wehren sich gegen Olympia
Das beginnt im Mai. Da formieren sich zu Garmisch-Partenkirchen die Wut-Bürger und revoltieren gegen ein Projekt, für das sich auch Christian Ude weit aus dem Fenster gelehnt hat:
33 Millionen Euro kostet das Unterfangen der Städte Garmisch-Partenkirchen und München, sich um die Olympischen Winterspiele 2018 zu bewerben. In Garmisch aber machen 2011 die Olympia-Gegner ernst und bringen ein Bürgerbegehren auf den Weg.
Das wird zwar abgeschmettert, aber irgendwie hat danach die Bewerbung eine Delle. Außerdem ist einer der Konkurrenten die südkoreanische Stadt Pyeongchang - die hat sich schon zweimal beworben, lockt mit umweltfreundlichen Spielen der kurzen Wege und hat den Großkonzern Samsung als Sponsor im Kreuz.
Und es kommt, wie Ude befürchtet hat: Die Spiele gehen nach Fernost.
Ude wird sich im November so an die Entscheidung des Internationalen Komitees erinnern: "Die Enttäuschung hat tief gesessen. So viele gute Leute hatten mehr als ein Jahrzehnt tolle Arbeit geleistet. Unser Auftritt war wundervoll - das haben uns alle bestätigt. Dass man dann nicht glücklich über den zweiten Platz ist, liegt auf der Hand. Aber wir waren gute Verlierer. Nachkarten hilft nicht."
Und wie soll es weiter gehen? Wird sich München für 2022 bewerben?
Ude: "Ich habe da kein Ja und kein Nein. Wir kennen die Konstellationen noch nicht. Noch wissen wir nicht, welche ernsthaften Bewerber den Hut in den Ring werfen. Es muss gewährleistet sein, dass der Sport geschlossen hinter einer Bewerbung steht. Und es darf nicht wieder ein Bürgerentscheid der großen Vision in die Quere kommen. Ich will hier kein neues Stuttgart 21."
Der "Zauberer" hat gesprochen - aber mit Thomas Bach hat er nicht gerechnet. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB und seine Funktionäre entscheiden im Dezember auf ihrer Mitgliederversammlung "von einer Bewerbung 2022 zum jetzigen Zeitpunkt abzusehen".
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