Vorwürfe von Sepp Blatter: Münchens OB nimmt Hoeneß in Schutz
zuletzt aktualisiert: 24.01.2012 - 12:03München (RPO). Münchens Oberbürgermeister Christian Ude hat Uli Hoeneß im Zusammenhang mit dem deutschen Olympia-Aus gegen Kritik von Joseph Blatter in Schutz genommen. "Das ist ein absurder Vorwurf", sagte Ude in einem Interview der Münchner "Abendzeitung" zur Kritik des Fifa-Chefs, der Bayern-Präsident trage eine Mitschuld an der Niederlage Münchens beim Kampf um die Winterspiele 2018.
"Ich glaube, das ist nur ein Kampf zwischen Fußball-Funktionären, ausgetragen auf dem Rücken der Olympia-Bewerbung. Mir kommt das vor wie ein Schwarzer-Peter-Spiel unter Fußball-Größen", sagte Ude.
Blatter hatte in einem Interview des Fachmagazins "Kicker" erklärt, Hoeneß habe mit seiner Kritik an der Vergabe der Fußball-WM nach Südafrika die afrikanischen Länder nachhaltig verprellt. "Ohne die zwölf afrikanischen Stimmen kriegt man keine Olympischen Spiele", betonte der Präsident des Fußball-Weltverbandes. Die Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018 war im vergangenen Juli bei der Abstimmung in Südafrika klar gescheitert.
"Da tobt sich wohl eine Männerfreundschaft aus", konstatierte Ude in der "tz". Zwar habe es mit Blick auf die Fußball-WM in Südafrika von Hoeneß "einmal eine wenig diplomatische Aussage gegeben, über die wir nicht sehr glücklich waren", räumte Münchens Stadtoberhaupt im Interview der "Abendzeitung" ein. Blatters Vorwurf sei aber eine "wirklich abwegige Unterstellung", sagte Ude. "Selbst wenn wir bei der Abstimmung in Durban alle zwölf Stimmen aus Afrika bekommen hätten, wäre Pyeongchang immer noch mit Abstand der Sieger gewesen."
Bayern Münchens Vereinspräsident Hoeneß hatte sich in jüngster Zeit immer wieder als scharfer Kritiker von Fifa und Blatter hervorgetan und den Rücktritt des Schweizers gefordert.
Franz Beckenbauer, zum damaligen Zeitpunkt Mitglied der Fifa-Exekutive, bestätigte dem Sport-Informations-Dienst (sid) auf Anfrage, dass er, wie von Blatter behauptet, über die Aussagen von Hoeneß mit dem Präsidenten der afrikanischen Fußball-Föderation CAF gesprochen habe. "Es stimmt", sagte er, und CAF-Präsident Issa Hayatou sei in der Tat "sehr erzürnt" gewesen "über die Aussagen, die aus München kamen."
Beckenbauer, der die Münchner Präsentation in Durban unterstzützt hatte, relativierte jedoch die Einschätzung von Blatter. Er habe Hayatou beruhigen und diesem erklären können, "dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat". Das Abstimmungsverhalten der Afrikaner "kann aber auch nicht entscheidend gewesen sein, da München einfach zu viele Stimmen fehlten", ergänzte der "Kaiser".
"Da tobt sich wohl eine Männerfreundschaft aus", mutmaßte Ude in der tz. Hoeneß hatte unlängst angekündigt, dass er Blatter im Hinblick auf die Affären im Fußball-Weltverband Fifa weiter attackieren wolle. Auch Ude verwies darauf, dass auch die afrikanischen Stimmen München nicht geholfen hätten: "Hier ist es ja schon mit dem kleinen Einmalseins getan."
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