Noch kein Olympiasieg: Norwegen kämpft gegen das Gold-Trauma
zuletzt aktualisiert: 17.02.2010 - 09:54Whistler (RPO). Der König war müde. "Es tut verdammt weh", sagte Ole Einar Björndalen, erfolgreichster Biathlet der Geschichte. Der Norweger hatte soeben beim Jagdrennen die Goldmedaille verschenkt, weil er "total platt und völlig unkonzentriert" zum letzten Schießen gekommen war.
Ausgepumpt, fertig und (noch) goldlos: Björndalen ist das Sinnbild norwegischer Pleiten bei den Winterspielen in Kanada. Die Ski-Nation fürchtet schon die Wiederholung des Traumas von 2006.
Damals hatten die Winterstars aus dem hohen Norden nur zweimal Gold gewonnen und lediglich Rang 13 im Medaillenspiegel belegt, eine nationale Katastrophe. Jetzt steht Norwegen nach fünf Tagen mit zwei lumpigen Silbermedaillen da und einer bronzenen. "Schon nach wenigen Olympia-Tagen ahnen wir, dass unserem zu selbstsicheren Wintersport nach Vancouver ein paar Runden Selbstkritik ins Haus stehen", meinte die seriöse Aftenposten.
"Gott ist Schwede geworden"
Das Schlimmste aus norwegischer Sicht ist aber nicht die eigene Schwäche, sondern die Stärke des ungeliebten großen Nachbarn. "Gott ist Schwede geworden", sagte User "Trogg" auf der Internetseite der Tageszeitung Verdens Gang nach dem zweiten schwedischen Olympiasieg.
Neidisch mussten die Norweger mit ansehen, wie die Tre Kronor Björn Ferry und Charlotte Kalla bejubelten. "Es ist nicht schön, von einem Schweden besiegt zu werden - auch wenn er es verdient hat. Ich würde mich am liebsten in eine leer Bärenhöhle legen", sagte Biathlet Emil Hegle Svendsen, der als Zweiter ins Jagdrennen gegangen war.
Am meisten schmerzte Norwegen aber die Pleite zum Auftakt der Langlaufwettbewerbe über 15 Kilometer. "Was für ein Fiasko! Es hätte das erste Gold werden sollen - und es wurde die größte Demütigung der Olympia-Historie", schrieb Verdens Gang. Nie waren Norwegens Männer schlechter. Petter Northug, der sich vor den Spielen noch hat gold anmalen lassen, belegte Rang 41. "Ich nehme den ersten Flieger nach Hause", sagte er im ersten Zorn.
Der Spott der Schweden war den Norwegern gewiss. "Als der Tag zur Neige ging, feierten wir das historische, fantastische und lang ersehnte Gold - und die Norweger waren im Wald und suchten Petter Northug. Die sahen aus wie Statisten mit Stacheldraht an den Füßen und der Kondition von Tischtennisspielern", schrieb das Aftonbladet höhnisch.
Der Schuldige für das Debakel war schnell gefunden: Die Norweger hatten verwachst. "Das war elendig, dafür können wir uns nur bei den Fans entschuldigen", sagte Sportchef Aage Skinstad.
Dabei hatten sie doch alles versucht. Nach den Pleitespielen in Turin hatte der Staat noch mehr Geld investiert. Nach Kanada reisten zudem erstmals vier Psychologen mit. Geholfen hat es (noch) nicht.
Und auch abseits der Loipen läuft es nicht. Weltmeisterin Helen Olafsen stürzte im Endlauf beim Snowboardcross und wurde Vierte, die Eishockey-Cracks hielten sich gegen Kanada 23 Minuten lang schadlos, nach 60 Minuten stand es jedoch 0:8. Und die Curling-Männer machen hauptsächlich mit Clown-Hosen Schlagzeilen.
Zumindest die Langläufer haben sich aber noch nicht aufgegeben. "Wenn es bei Großereignissen anfangs nicht läuft, motiviert mich das nur zusätzlich", sagt Northug, und Skinstad verspricht: "Ein derart schlechtes Rennen werden wir nie wieder zeigen."
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