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Olympia in Pyeongchang
Deutsche Sportler in Sorge vor Bedrohung durch Nordkorea

Olympia 2018: Deutsche Sportler in Sorge vor Bedrohung durch Nordkorea
Werbung für die Winterspiele auf einer Gebäudefassade in Seoul. FOTO: dpa, lis gfh
Pyeongchang/Berlin. Nach dem jüngsten Atomwaffentest durch Nordkoreas Diktator Kim hat die Debatte über den Sinn von Olympia in Pyeongchang auch das deutsche Lager erreicht.

Die Sorge nimmt zu, doch immer noch glauben Deutschlands Wintersportler fest an Olympische Spiele in Pyeongchang im Februar. Nach dem international verurteilten Test einer Wasserstoffbombe durch Nordkoreas Diktator Kim Jong-un sind die Aussichten auf unbeschwerte Spiele jedoch äußerst gering.

"Es beunruhigt mich als Mensch, nicht als Sportverantwortlicher. Es ist dramatisch, die Eskalationsstufe ist wirklich hoch", sagte Präsident Franz Reindl vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB). "Wir unterhalten uns intern fortlaufend darüber, jeder macht sich seine Gedanken", so Thomas Schwab, Vorstand des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD).

 "Die Bedrohung ist sehr ernst zu nehmen"

Im deutschen Athletenlager ist die Diskussion ebenfalls lebendig. "Die Bedrohung ist sehr ernst zu nehmen. Man muss die Entwicklung total im Auge behalten. Auch was die Rolle der USA angeht", sagte DOSB-Athletensprecher Max Hartung. Am Ende müsse die Bundesregierung entscheiden, "ob sie ein Team in eine solche Gefahrenzone schicken kann."

Nur 80 Kilometer liegt Pyeongchang von der Grenze des geteilten Landes entfernt. Bei Olympia hätte der unberechenbare Kim die westliche Welt für weitere Provokationen direkt vor der Haustür, wenn sich die Verhältnisse bis dahin nicht durch das Eingreifen etwa der USA verändert haben. So oder so, die Aussichten auf ungetrübte Wettkämpfe sind nicht die besten.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) setzt weiter auf Diplomatie und beobachtet die Lage. "Wir sind mit allen betroffenen Ländern im Austausch", sagte ein IOC-Sprecher dem SID am Montag. "Die Vorbereitungen gehen weiter. Wir arbeiten mit dem Organisationskomitee in Pyeongchang gut zusammen", hieß es.

Nach wie vor glauben die Vertreter des deutschen Sports fest daran, dass die Spiele in Südkorea stattfinden können. Um kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen, halte man sich mit Reaktion zunächst mal zurück, wie DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier meinte: "Wir wollen da keine Welle lostreten. Wir äußern uns sicher im November oder Dezember dazu."

Athleten könnten auch kurzfristig absagen

Maier verwies aber auch darauf, dass man schnell eine Entscheidung herbeiführen könnte. "Wir haben im vergangenen Jahr auch unsere Athleten kurzerhand von den europäischen Jugendspielen in der Türkei zurückgezogen, als diese bei angespannter Lage im Grenzgebiet zum Iran stattfinden sollten", erklärte der Funktionär.

Auch beim Bob- und Schlittenverband will man nicht voreilig, dafür aber gewissenhaft handeln. "Wir fahren bald zum Training nach Südkorea, und dafür werden wir uns bei der Botschaft anmelden. Damit die wissen, dass wir da sind, und damit wir im Zweifel auch da wegkommen", erklärte Schwab.

Hartung glaubt, dass der Dachverband DOSB das Thema auf dem Schirm habe und auch Athleten, die Angst vor einer Reise ins Krisengebiet haben, helfen werde. Es sei zudem gut, dass Funktionäre wie IOC-Präsident Thomas Bach oder der deutsche Delegationschef Dirk Schimmelpfennig selbst für Olympia nach Pyeongchang fahren. Hartung: "Sie werden dann auch in eigener Sache entscheiden, ob eine Reise dorthin gefährlich ist oder nicht."

(sid)

 
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