| 15.16 Uhr

Olympische Winterspiele in Pyeongchang
Loch verpasst Medaille - Ludwig holt Bronze

Felix Loch nach Patzer am Boden zerstört
Felix Loch nach Patzer am Boden zerstört FOTO: dpa, hpl jbu
Pyeongchang. Felix Loch hatte Gold so gut wie sicher. Doch mit einem schweren Fehler im letzten Lauf vergab er die Chance, in die Fußstapfen seines Mentors Georg Hackl zu treten. So jubelte Johannes Ludwig über Bronze.

Felix Loch saß fassungslos auf seinem Schlitten, sein Vater Norbert beugte sich zu seinem Sohn hinab und nahm ihn tröstend in den Arm. Mit einem nicht für möglich gehaltenen Fehler im vierten und letzten Lauf hatte Loch gerade die sicher geglaubte Goldmedaille verspielt - sein grober Patzer in der berüchtigten Kurve neun war zu viel. Während Loch als Fünfter mit den Tränen kämpfte, freute sich Johannes Ludwig über Rodel-Bronze.

"Saugeil, Lüdi!", rief Andi Langenhan, der seine letzten Winterspiele auf dem enttäuschenden zehnten Rang beendete. Ludwig bekannte bei Eurosport: "Das hätte ich echt nicht gedacht, ich bin sprachlos." Als er wieder Worte fand, ergänzte er: "Es war ein Wechelbad der Gefühle, natürlich tut es mir leid für Felix, aber hat so viel erreicht in seinem Rodelleben. Vielleicht freut er sich auch für mich."

Dabei hatte sich Loch in den drei Läufen zuvor noch wild entschlossen und nervenstark präsentiert, der Hattrick nach Einzel-Gold 2010 und 2014 schien sicher, als er zum letzten Mal in die Rinne ging. Dreimal Einzel-Gold, das war vor ihm nur seinem Mentor Georg Hackl gelungen.

"Ich war mir absolut sicher, dass er das macht, dass er es runterbringt", sagte Hackl in der ARD über Loch, "aber Fehler können jedem passieren. Die Kurve neun ist auf dieser Bahn der Scharfrichter." Über Ludwig (Oberhof) sagte er: "Mich freut es wahnsinnig für ihn, das ist ihm sehr zu gönnen. Danke, dass er für uns die Medaille geholt hat."

Mit vier Goldmedaillen - Loch gewann 2014 auch mit der Teamstaffel - wäre Loch erfolgreichster Olympia-Rodler geworden. Doch Gold ging nach seinem Fehler an den Österreicher David Gleirscher, der sich vor Chris Mazdzer (USA) durchsetzte.

Nichts wurde es mit dem historischen vierten Olympiasieg für "Team D" an den ersten beiden Wettkampftagen, obwohl Loch in drei Läufen die jüngsten Zweifel an seiner Leistungsstärke eindrucksvoll weggewischt hatte. Von allen Favoriten zeigte der Berchtesgadener als einziger keine Nerven - bis er doch noch patzte.

Die anderen Medaillenanwärter waren schon vorher aus dem Rennen. Weltmeister Wolfgang Kindl (Österreich) verspielte seine Gold-Chancen schon am Samstag mit einem Fehler im ersten Durchgang und wurde Neunter. Europameister Semen Pawlitschenko (Russland) war mit völlig holprigen Läufen als 14. chancenlos.

Schon in den vergangenen beiden Jahren war das Denkmal Loch ein wenig ins Wanken geraten, ungewohnt viele Fehler und starke Gegner machten ihm das Leben schwer. Hackl hatte noch auf die Wende gehofft, Loch sei im Wettkampf stabil wie kaum ein anderer. "Gut rodeln, das können zwar viele, das haben wir zuletzt ja häufig gesehen, aber der unbedingte Wille, über Monate und Jahre den Fokus so scharf zu halten - das hebt ihn von den anderen ab." Diesmal reichte das nicht.

Dabei schien seine verhaltene Taktik mit eher sicheren Läufen aufzugehen. Auf der berüchtigten Bahn in Pyeongchang, so Loch, "geht Harakiri eben nicht". Vor allem aufgrund der schwierigen Kurve neun lauerte in jedem einzelnen Lauf ein Fehler, der das komplette Rennen kosten konnte. "Wer da viermal ungeschoren davon kommt", hatte Loch vorhergesagt, "wird am Ende ganz vorne dabei sein." Er war es nicht.

 

(can/sid)
 
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