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Olympische Winterspiele 2018
Neue Wettbewerbe sorgen für Protest

Verrückter Dreifach-Sturz beim Skicross
Verrückter Dreifach-Sturz beim Skicross FOTO: Screenshot ARD
Das Mehr an Flexibilität im olympischen Programm hat Vor- und Nachteile. Moderne, frische Wettbewerbe können für mehr Attraktivität und Anziehungskraft bei Olympischen Spielen sorgen, aber auch Probleme aufwerfen. Das Beispiel der Winter-Olympia 2018 zeigt es.

Die deutschen Snowboarder protestieren, DOSB-Präsident Alfons Hörmann ist skeptisch: Das Echo auf die neuen Wettbewerbe für die Olympischen Winterspiele 2018 ist geteilt und keineswegs nur positiv. "Wir werden uns damit nicht zufriedengeben", kündigte Stefan Knirsch, Sportdirektor des Snowboard Verbandes Deutschland, Widerstand an. Im südkoreanischen Pyeongchang wird zwar das spektakuläre Big-Air-Springen Premiere feiern, aber der Parallelslalom für Frauen und Männer verschwunden sein.

"Big Air ist eine Sportart, die naturgemäß medial attraktiv ist, weltweit aber nur von einer Handvoll Athleten richtig gut betrieben wird: Keine Struktur, nichts!", kritisierte Hörmann, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Er erwartet sportpolitisch spannende Zeiten, "denn egal, wo sie einen Hebel ansetzen, es betrifft immer Menschen, Strukturen, Athleten".

Die Snowboarder sind sogar mit einem blauen Auge davongekommen. Schließlich war auch der Parallelriesenslalom auf der Streichliste des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). "Wir haben nur eine Schweißperle von der Stirn gewischt", meinte Knirsch. Big Air mit waghalsigen Sprüngen von großen Schanzen findet er "grundsätzlich spannend", problematisch ist hingegen, bis 2018 diese Disziplin zur olympischen Reife zu führen. "Wir sind nicht in der absoluten Weltspitze und drei Jahre reichen nicht zum Aufbau", sagte er.

Generelle Bedenken hat der DOSB bei dem auf Basis der Agenda 2020 des IOC angestrebten größeren Wechselspiels der Olympia-Disziplinen. "In manchen Fachverbänden wird noch eine sehr große Ernüchterung auftreten, wie sich die Dinge dann darstellen", meinte Hörmann. Eine Öffnung für neue Sportarten bei einem gleichzeitigen Athletenlimit bringe "ganz logischerweise" einen Verteilungskampf mit sich, erklärte er. Denn die Zahl der Sportler soll auf rund 2900 Sportler beschränkt werden, die der Medaillen-Entscheidungen auf etwa 100.

Es gibt auch gute Neuerungen

Die weiteren Programm-Änderungen für 2018 – Mixed-Teams im Curling und im alpinen Ski, sowie Massenstarts beim Eisschnelllauf – fanden dagegen viel Zuspruch. "Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung", sagte Gian Franco Kaspar, Präsident des Ski-Weltverbandes FIS, zur Aufnahme des Mixed-Team-Wettbewerbs, der als Parallelslalom ausgetragen wird, und Big Air. "Es spiegelt die traditionellen und jungen Elemente der FIS-Disziplinen wieder." Zum Wegfall des Parallelslaloms im Snowboard verlor er kein Wort.

"Es ist enorm wichtig, Curling noch bekannter zu machen", kommentierte Andreas Lang, Vizepräsident des Deutschen Curling-Verbandes, den IOC-Beschluss. "Es ist ein sehr attraktiver Wettbewerb."

"Das ist eine gute Sache. Mit dem Massenstart wird mehr Spannung in der Sportart entfacht", sagte Gerd Heinze, Präsident der deutschen Eisschnellläufer. Um der neuen Disziplin Platz im Olympia-Zeitplan zu verschaffen, müssen die 500-Meter-Sprinter ihre Medaillengewinner nur noch in einem statt zwei Rennen ermitteln. Vielleicht drängelt sich auch die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein 2018 mit 19 Mitläufern über die 16 Runden. Beim WM-Debüt des Massenstarts in diesem Jahr erreichte sie Platz 18.

(dpa)

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