Vergabe der Winterspiele 2018: Olympia folgt Lockruf der Märkte
VON JAN MELCHERS - zuletzt aktualisiert: 07.07.2011 - 08:33Düsseldorf (RP). Favorit Pyeongchang hat sich bei der Wahl zum Ausrichter der Winterspiele 2018 durchgesetzt. Die Südkoreaner erhielten 63 Stimmen, München 25, das französische Annecy lediglich sieben. Mit der Entscheidung für Asien bleibt sich das IOC treu: Es folgt dem Lockruf des Geldes.
Durban Die Enttäuschung sitzt tief. Thomas Bach, der mit allen Wassern gewaschene Sportfunktionär, ist auf seinem ureigenen Terrain aus dem Tritt geraten. „Wir waren der Meinung, es wäre an der Zeit, die olympischen Wurzeln zu stärken in der Heimat des Wintersports“, sagt der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, „aber das IOC hat das wohl anders gesehen. Es war ein Grundsatzentscheid, in neue Regionen und Märkte vorzustoßen.“
Peking 2008, Sotschi 2014, Rio de Janeiro 2016 und nun Pyeongchang - die rund 100 Mitglieder der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees bleiben ihrer Marschrichtung treu. Sie entfernen sich immer häufiger von den traditionellen Kernländern des Sports. „Der Erfolg Pyeongchangs war offenbar langfristig fixiert, und es war nichts mehr zu bewegen“, meint IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger nach dem klaren Erfolg der Koreaner. Im einzigen Wahlgang bekamen sie 63 Stimmen, München 25 und Annecy, der Außenseiter aus Frankreich, sieben. Asien ist vom 9. bis zum 25. Februar 2018 zum sechsten Mal nach Tokio 1964, Sapporo 1972, Seoul 1988, Nagano 1998 und Peking 2008 Olympia-Gastgeber. Einen Monat später finden die Paralympics statt.
Ob die Münchner sich für 2022 bewerben - die Winterspiele fänden dann 50 Jahre nach den Sommerspielen in Bayern statt - steht noch nicht fest. „Wir müssen in Ruhe überlegen, ob es sinnvoll ist, sich noch einmal zu bewerben. Dazu wird es kommende Woche die ersten Gespräche geben, aber eine erste Entscheidung ist dort nicht zu erwarten“, sagt Bach.
Die Bewerbung der boomenden Nation Südkorea wurde von drei nachweislich korrupten Männern mitgetragen: Neben Lee Kun Hee, der aus dem IOC ausgeschlossen worden war, hatten auch Topmanager Park Yong Sung und der frühere Geheimdienst-Chef Kim Un Yong Probleme mit der Justiz. Park Yong-Sung, einst Präsident des Judo-Weltverbandes, war wegen Korruption zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Heute ist er Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Südkorea. Kim Un Yong, früherer Chef des Taekwondo-Weltverbandes, saß ebenfalls wegen Korruption. Er war einst an Juan Antonio Samaranch gescheitert, als er IOC-Präsident werden wollte.
„Die Botschaft, die wir an die IOC-Mitglieder senden, ist, Pyeongchang 2018 bietet eine gute Gelegenheit, den Wintersport in Asien zu fördern“, warb Bewerbungschef Cho Yang Ho. „Neue Horizonte“ hieß das Motto der Bewerbung Pyeongchangs. Der Wintersport soll Asien mit seinen vier Milliarden Menschen erobern. Dort gibt es noch viel Platz zum Geldverdienen und viele potentielle Skifahrer und Eisläufer. 650 Millionen Jugendliche könnten als Konsumenten gewonnen werden.
Pyeongchang - nicht zu verwechsel mit der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang - soll für sie zum Anreiz werden. Die 45 000-Einwohner-Stadt liegt 180 Kilometer östlich von Seoul in der Provinz Gangwon. Die Provinz Gangwon hat „kompakte Spiele“ versprochen. Die Wettkampfstätten verteilen sich auf zwei „Cluster“. Der Bereich „Alpensia-Park“ und das Skizentrum Yongpyong in Pyeongchang richten die Schneewettbewerbe aus, das „Küsten-Cluster“ in Gangneung wird Gastgeber der Wettbewerbe auf Eis sein. Alle Austragungsstätten liegen in einem Radius von 30 Kilometern, die Athleten sollen von ihren Unterkünften bis zu den Wettkampfstätten maximal zehn Minuten brauchen.
Das reine Olympia-Budget beläuft sich auf 1,53 Milliarden US-Dollar, hinzu kommen 6,3 Milliarden für Infrastruktur-Maßnahmen. In Korean Air, Samsung und Hyundai stehen weltweit einflussreiche Geldgeber hinter den Spielen. Alle drei sind Sponsoren internationaler Sportverbände: im Fußball oder im olympischen Sport.
Pyeongchang hat sieben von 13 Wettkampfstätten fertig gestellt, darunter die für Biathlon, Langlauf und Skispringen. Skirennfahrer Felix Neureuther klagt aber: „Es ist schade, dass der Eindruck entstanden ist, dass Pyeongchang die Spiele bekommen hat, weil es sich zum dritten Mal beworben hat. Das kann nicht sein. Ich bin da ein Weltcup-Rennen gefahren, da waren mehr Rennfahrer als Zuschauer.“ Als Gastgeber der Biathlon-WM 2009 blamierte sich die künftige Olympiastadt indes: Es mangelte an Zuschauern, Atmosphäre und Schnee. 496 Schneekanonen sollen 2018 für weiße Spiele sorgen.
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