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Kolumne: Gegenpressing
Wie im schlechten Bond-Film

Olympische Spiele in Sotschi: Wie im schlechten Bond-Film
Russische Athleten sollen in Sotschi gedopt gewesen sein. FOTO: dpa, ks nic
Düsseldorf. Die Russen sollen ihre Athleten für Sotschi gedopt haben, indem sie den Jungs Medikamente in den Whisky, den Mädels in den Martini schütteten. Vielleicht sollten die Filmrechte für teures Geld verkauft werden. Von Martin Beils

In Mexiko hält die Fifa nach schlechter, alter Sitte in einem im Mittelkreis des Fußballstadions aufgebauten Zelt Hof. Der zurückgetretene Präsident Wolfgang Niersbach nutzt die Infrastruktur des DFB, um sich öffentlich zu Fragen des Weltfußballs zu äußern. An den Olympischen Spielen 2020 in Tokio klebt ein Makel, weil bekannt geworden ist, dass ein Millionenbetrag der japanischen Bewerber beim übelst beleumundeten Ex-Leichtathletik-Präsidenten Lamine Diack gelandet ist. Und Kenias Antidoping-Programm erscheint so untauglich, dass das Startrecht der Afrikaner bei Olympia in Gefahr ist.

Höhepunkt dieser an Merkwürdigkeiten mal wieder reichen Sportwoche aber waren die Aussagen des ehemaligen Chefs des Moskauer (Anti-)Dopinglabors in der "New York Times".

Staatsdoping in Putins Reich, 15 gedopte russische Medaillengewinner bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi - all das kann niemanden überraschen. Warum hätten die Russen ihre Spiele mit so viel Prunk und Protz bestücken sollen, ohne auch ihre Athleten bis zum Geht-nicht-mehr zu tunen? Auch wenn russische Offizielle dem bislang einzigen Zeugen der "New York Times" vehement widersprechen und etwas von einer weltweiten Verschwörung faseln, darf man die Anschuldigungen für glaubhaft halten. Das zeigt die Erfahrung in diesem Metier: Korruption, Lug und Trug prägen dieses Geschäft. Wer mit der rechtsstaatlichen Unschuldsvermutung (gleich: Blauäugigkeit) an diese Themen herangegangen ist, wurde noch stets eines Schlechten belehrt. Die Schuldvermutung bringt einen hier stets deutlich näher an die Wahrheit.

Wenn das Ganze nicht so traurig wäre, könnte man sogar drüber lachen. Während uns glauben gemacht wird, dass der große Betrug mittlerweile allein eine Hightech-Angelegenheit ist (Stichwort Gendoping), arbeiteten die Russen mit Methoden aus Agentenfilmen der Nachkriegszeit. Durch ein Loch in einer Wand tauschten die vermeintlich Antidoping-Wissenschaftler Fläschchen mit frischem und auffälligem Urin gegen unbedenkliches, Monate zuvor eingelagertes Pipi. So einfach, so genial, so kostengünstig, so dreist.

Eine hübsche Note brachten die Russen auch mit der Verabreichung ihres aus drei verbotenen Mitteln bestehenden Dopingcocktails in die Geschichte. Die Kerle erhielten die Starkmacher im Whisky, die Mädels im Martini. Gerührt oder geschüttelt? Es gibt noch wesentliche Fragen zu klären in diesem Abklatsch eines James Bond. Vielleicht hat Moskau bei dieser Inszenierung ja schon daran gedacht, die Filmrechte mal für teures Geld zu verkaufen.

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Quelle: RP

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