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Paralympics
Deutsche feiern "wunderbares Wintermärchen"

Paralympics: Deutsche feiern "wunderbares Wintermärchen"
Erfolgreich: Verena Bentele und ihr Guide Thomas Friedrich. FOTO: THE CANADIAN PRESS, AP
Whistler (RPO). Goldrausch, Emotionen und gelungene Werbung für Paralympics 2018 in München: Das Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel der erfolgreichsten Nation in Vancouver war noch nicht entschieden, da feierte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), bereits "ein wunderbares paralympisches Wintermärchen".

Als erfolgreichstes Team der Spiele ging die deutsche Mannschaft mit knappem Vorsprung auf Russland in den letzten Tag, der am Mittwoch eroberte Platz im ewigen Medaillenspiegel war aber nicht mehr gefährdet.

"Einen Erfolg dieser Dimension konnten wir nicht erwarten", sagte Chef de Mission Karl Quade: "Wir haben unser Ziel nicht nur erreicht, sondern deutlich übertroffen und die Öffentlichkeit elektrisiert. Wir haben genialen Sport gesehen, und unsere Athleten waren sympathische Botschafter."

"Diese Paralympics waren eine Erfolgsgeschichte", lobte auch Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): "Wir sind alle stolz auf das, was hier passiert ist." Da wurde das Lächeln im Gesicht von Beucher noch breiter. "Sie sehen einen mehr als zufriedenen Präsidenten", meinte er sichtlich stolz: "Das waren erfolgreiche Spiele eines unwahrscheinlich starken Teams, gekrönt durch einen nie dagewesenen Sechs-Medaillen-Tag und die Übernahme der Spitzenposition im ewigen Medaillenspiegel."

Im alpinen Bereich stellte Deutschland angeführt vom armamputierten Gerd Schönfelder (Kulmain/vier Titel) und Monoski-Fahrer Martin Braxenthaler (Traunstein/drei) die erfolgreichste Nation. "Vor allem aber waren wir die einzige, die im Biathlon, im alpinen und im nordischen Bereich eifrig Medaillen gesammelt hat", betonte Quade.

Verena Bentele (Tettnang) hatte vor ihrem letzten Auftritt am Sonntag schon vier Goldmedaillen bei vier Starts im Langlauf und Biathlon gewonnen. Einige Athleten sorgten für nie erträumte Erfolge, wie Andrea Eskau (Magdeburg/nordisch), die neun Monate nach dem Karrierestart mindestens zwei Medaillen gewann, oder die 17-Jährige Anna Schaffelhuber, die im Super-G Bronze gewann, ohne je einen Weltcup in dieser Disziplin absolviert zu haben. Das "Küken" im deutschen Team durfte schließlich sogar die Fahne bei der Abschlussfeier tragen.

Für Emotionen sorgte vor allem die Geschichte von Schönfelder. Während dieser in der Super-Kombination zu Gold lief und durch seinen 16. Titel zum erfolgreichsten deutschen Athleten in der Geschichte von Winter-Paralympics wurde, kam etwa 8000 km entfernt in Bayern sein Sohn Leopold auf die Welt.

Getrübt wurde das Gesamtbild im Team durch drei kleine Brandherde. Frank Höfle (Isny/nordisch), Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier, stellte sich durch einen kritischen Rundumschlag ins Abseits. Thomas Oelsner (Hallenbeck/nordisch) sorgte mit "Sabotage-Vorwürfen" wegen Schokolade im Visier seines Gewehrs für Aufsehen, ruderte aber schnell wieder zurück. Und Jens Jäger (Villingen), Skip der deutschen Curler, wurde wegen "sozialer Interaktionen" und der "Kommunikation auf dem Eis" (Quade) im letzten Spiel durch die 60 Jahre alte Ersatzfrau Astrid Hoer ersetzt und muss nun den endgültigen Rauswurf befürchten.

Insgesamt war die Stimmung im Team aber ausgesprochen gut. "Das waren unvergessliche Spiele", meinte Braxenthaler, der schon zum vierten Mal dabei war und ergänzte mit Blick auf den IOC-Präsidenten: "Wenn ich jetzt Jaques Rogge wäre, würde ich sagen: Best games ever."

Toppen will Deutschland diese spätestens 2018 möglichst im eigenen Land. "Das wäre ein Traum", sagte Beucher, Mitglied des Aufsichtsrats der Münchner Bewerbung. DOSB-Präsident Thomas Bach stellte bei seinem Besuch in Whistler die Wertigkeit der Paralympics für die Bewerbung dar, die im Juli 2011 den Zuschlag erhalten will. In Kanada war überall das München-Fieber zu spüren, zumal alle deutschen Goldmedaillen-Gewinner vor Sonntag aus Bayern stammen.

Allerdings steht ein Umbruch bevor. In Schönfelder, Bentele und Braxenthaler hören im schlimmsten Fall die eifrigsten Medaillensammler geschlossen auf. "Wir können ja nicht ewig weitermachen", sagte Schönfelder.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) freute sich schließlich über Spiele der Rekorde mit toller Stimmung in den Wettkampfstätten. Der einzige Dopingfall, der des Schweden Glenn Ikonen, war wohl das Ergebnis einer Dummheit. Der 54-Jährige hätte nach SID-Informationen für sein blutdruckhemmendes Mittel eine Sondergenehmigung erhalten, diese aber nicht beantragt.

(SID/rl)
 
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