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Paralympics: Josef Giesen und die schöne Geste

VON STEFANIE SANDMEIER - zuletzt aktualisiert: 18.03.2010 - 15:50

Vancouver (RPO). Vielleicht war es die Geste dieser Paralympics. Ganz sicher aber wird es Josef Giesen nach dem Ende dieser Weltspiele der Behinderten in die Sammlung der schönsten Momente geschafft haben. Ein ganzes Stadion hatte den 48-jährigen Biathleten und einzigen Teilnehmer ohne Arme zur Bronzemedaille geschrien.

Sie alle gönnten ihm diesen Erfolg, eben weil es der Einzige war, der ohne Stöcke laufen und den Abzug beim Schießen mit dem Mund auslösen musste. Auf der anschließenden Ehrenrunde bedankte sich Giesen dann auf seine Art. Alle paar Meter blieb der contergangeschädigte Athlet aus Herzlake vor der langgezogenen und voll besetzten Tribüne stehen, kniete sich vor die Zuschauer oder verbeugte sich.

Es war der Dank für eine schöne und erfolgreiche Karriere, die nun aber zu Ende ist. Schon am Donnerstag nahm seine Ehefrau das Gewehr mit nach Deutschland. „Das war‘s, und das ist ein wunderschöner Abschluss für mich. Bronze strahlt für mich jedoch wie Gold”, findet Giesen, der noch immer als Paralympics-Sieger 2002 über 7,5 km geführt wird. Diese Goldmedaille aber hatte er an seinen Kollegen Thomas Oelsner abgegeben, nachdem dieser nach einer positiven Dopingprobe disqualifiziert wurde.

„Thomas hat den Sieg verdient, ich habe Silber im Herzen”, sagte er damals.Gold gewann er danach nie mehr, dafür aber durfte er den Gewinn einer Silber- und nun drei Bronzemedaillen feiern. Noch dazu war er Teil eines „historischen Medaillen-Tages, den es in dieser Form noch nicht bei Winter-Paralympics gab”, freute sich der Chef de Mission, Karl Quade. Damit ist Deutschland mit nun insgesamt 316 zu den fleißigsten Medaillensammlern bei paralympischen Winterspielen aufgestiegen.

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) übernahm die Führung in der ewigen Rangliste. Die bisher führenden Norweger kommen auf 312. Zur gemeinsamen Feier hatte Quade seine erfolgreichen Athleten dann wie üblich am Abend im Deutschen Haus in Whistler um sich geschart: die Goldmedaillen-Gewinner Gerd Schönfelder (Ski alpin/Kulmain), Wilhelm Brem (Biathlon/Germaringen) und die bereits zum dritten Mal siegreiche Verena Bentele (München).

Dazu kamen Skifahrerin Andrea Rothfuß (Mitteltal), die Silber gewann, und die Bronzemedaillen-Gewinner Josef Giesen und Biathletin Andrea Eskau (Magdeburg). Insbesondere die eigentliche Sommersportlerin Eskau, die erst wenige Monate im Schlitten trainiert, steht der größte Coup aber vielleicht noch bevor. Im Langlauf-Sprint am Sonntag rechnet sich die 38-Jährige beste Chancen auf einen Sieg aus, und dieser Erfolg hätte dann wirklich historischen Charakter.

Sie könnte die erste Athletin nach Reinhild Möller sein, die sowohl bei Sommer- wie auch bei Winter-Paralympics einen Wettbewerb gewinnt. „Im Sommer habe ich schon Gold”, sagt die Handbikerin, die 2008 in Peking das Straßenrennen entschied. „Ein Sieg in Vancouver wäre toll und mehr, als ich mir jemals nach so kurzer Zeit erträumt habe.”

Im Juni erst hatte sie ihren neuen Schlitten bekommen, im Dezember das Gewehr. „Und seitdem knallt‘s regelmäßig im Wohnzimmer”, wie sie sagt. „Es sind schon drei Löcher im Schrank.” Doch das hält Eskau nicht davon ab, weiter zu machen. „Nun bin ich auch im Winter angefixt. Und ich weiß, meine Zeit wird kommen.”

Quelle: RP

 
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