Paralympics in Peking: Speerwerferin Willing gewinnt Gold
zuletzt aktualisiert: 14.09.2008 - 20:49Peking (RPO). Martina Willing hat die 13. Goldmedaille im Speerwurf beim Abschied von Deutschlands erfolgreichster Behindertensportlerin gewonnen. Die 55 Jahre alte Marianne Buggenhagen, neunmalige Paralympics-Siegerin und Deutschlands Sportlerin des Jahres 1994, wurde im letzten Wettkampf ihrer Karriere Achte.
Zuvor sorgten die Berliner Sonar-Segelmannschaft mit Jens Kroker, Siegmund Mainka und Robert Prem sowie die querschnittsgelähmte Magdeburgerin Andrea Eskau im Straßenrennen der Handbike-Radfahrer für großen Jubel. Zudem rückte auch der sehbhinderte Leichtathlet Matthias Schröder nach der Disqualifikation des Chinesen Yansong Li unverhofft zum Sieger über 400 m auf.
"Als ich davon gehört habe, war die Freude doppelt groß", sagte der Berliner. Vier Silber- und sechs Bronze-Medaillen rundeten das Wochenende sportlich ab.
Die Entscheidung über Schröders Platzierung fiel mit zwei Stunden Verspätung, da das IPC diesmal den Protest gegen Li, der die Bahn verlassen hatte, abwartete. "Diesmal ist alles rechtens abgelaufen", sagte der deutsche Chef de Mission Karl Quade, nachdem das IPC mit einer peinlichen Posse für großen Unmut im deutschen Lager gesorgt hatte.
Nach dem Skandal um die Aberkennung der Goldmedaille des Berliner Schwimmers Thomas Grimm hatte das IPC einige Formfehler eingestanden, Kampfrichter vom Schwimmen abgezogen, dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) aber keine Chance auf einen Protest gelassen - und das obwohl die zwischenzeitliche Disqualifikation des Mexikaners Pedro Rangel nachweislich richtig war.
"Das ist sportlich eine absolute Katastrophe", sagte Quade. Ob der DBS vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen wird, ist noch offen. "Erstmal wollen wir unserem Unmut in einem Schreiben Luft machen. Mit dem jetzigen Ergebnis geben wir uns nicht zufrieden", sagte Quade.
Stelzen-Sprinter Heinrich Popow wurde über 100 m Zweiter hinter dem ehemaligen Doping-Sünder Earle Connor aus Kanada, der damit die Nachfolge von Wojtek Czyz antritt. Der Kaiserslauterer konzentriert sich wegen einer Fußverletzung auf den Weitsprung.
"Gold war einfach eine Nummer zu groß", sagte Popow. Einen bitteren Beigeschmack wegen der Doping-Vergangenheit Connors, der 2004 in Athen gesperrt war, sieht er nicht. "Er hat eine Dummheit gemacht", sagte der Leverkusener: "Aber er hat es mir erklärt, und jeder hat eine zweite Chance verdient."
Insgesamt sechs Medaillen gab es am Wochenende in der Leichtathletik. Dabei überraschten in der 18 Jahre alten Claudia Nicoleitzik (Püttlingen/Silber) und der ein Jahr jüngeren teilgelähmten Maria Seifert (Erfurt/Bronze) zwei junge Sprinterinnen über 200 m.