Festakt in Griechenland: Olympisches Feuer wird entfacht
zuletzt aktualisiert: 09.05.2000 - 14:52Sydney (dpa). Die Entzündung des Olympischen Feuers in Griechenland am Mittwoch und der längste Fackellauf seit Einführung vor 64 Jahren soll die in Australien auf Sparflamme brennende Begeisterung für die Olympischen Spiele in Sydney neu entfachen. "Die Entzündung wird die Spiele real machen", sagte der von Pleiten und Pannen verfolgte Olympia-Minister Michael Knight. Die Fackel wird bei einer feierlichen Zeremonie im Hain des historischen Olympia auf traditionelle Weise mit Hilfe eines die Sonnenstrahlen bündelnden Spiegels in Brand gesetzt. Bis zum Beginn der Sommerspiele am 15. September wird sie von fast 12 000 Menschen getragen und auch durch die pazifische Inselwelt gereicht.
Nach einer zehntägigen Stafette durch Griechenland und dem Flug nach Guam führt die Route des Feuers vom 22. Mai bis zum 7. Juni durch den Pazifik, weil einer der fünf Olympischen Ringe nicht nur Australien, sondern ganz Ozeanien symbolisiert. Dabei wird die Flamme zum Beispiel Nauru besuchen, mit einer "Größe" von 21 Quadratkilometern etwa 20 Mal kleiner als das Bundesland Bremen. In einigen der Inselstaaten wie Samoa soll die Fackel mit dem Feuer auf traditionellen Kriegskanus befördert werden.
Am 29. Mai macht es eine geographische Besonderheit möglich, dass der Staffellauf zwei Mal am selben Tag einen ganzen Tag lang in zwei verschiedenen Staaten stattfindet: Erst in Vanuatu und dann auf der anderen Seite der Datumsgrenze in Samoa. Unter den Fackelträgern werden sich auch Mitglieder der königlichen Familie in Tonga befinden, insgesamt werden an den 17 Tagen 1 500 Insulaner das Feuer ein Stück tragen, viele von ihnen in traditioneller Kleidung.
Am 8. Juni beginnt in Australien der 100-tägige Weg des Feuers ins Olympiastadion. In einer mit Spannung erwarteten Zermonie wird in der Mitte des fünften Kontinents Nova Peris-Kneebone als erste die Fackel in Empfang nehmen. Sie hatte 1996 als erste Ureinwohnerin Gold für Australien gewonnen. In Atlanta gewann sie mit dem Hockey-Team, in Sydney wird sie aller Voraussicht nach als Sprinterin dabei sein. Nova Peris-Kneebone übernimmt das Feuer im "roten Herzen" Australiens am Ayers Rock, dem heiligen Berg der Aborigines, der in der dortigen Stammessprache "Uluru" heißt.
Nicht alle Abschnitte des über 10 000 Kilometer langen Fackellaufes werden so spektakulär sein. Aber zum ersten Mal seit Einführung der Stafette zu den Spielen 1936 in Berlin wird die Flamme unter Wasser transportiert. Marinebiologin Wendy Duncan will im Taucheranzug mit einer speziell entwickelten Flamme, die auch unter Wasser nicht ausgeht, am Großen Barriere Riff entlang schwimmen.
Am Vorabend der Eröffnungsfeier macht das Olympische Feuer am berühmten Opernhaus von Sydney Station, in dem am selben Abend eine Gala mit dem blinden italienischen Startenor Andrea Bocelli stattfindet. Wie bei allen Spielen zuvor wird das größte Geheimnis erst bei der Eröffnungsfeier gelüftet: Wer entzündet als letzter Staffelläufer das Feuer im Olympiastadion? Als Favoritin gilt immer noch Dawn Fraser, die 1956 in Melbourne, 1980 in Rom und 1964 in Tokio die 100 m Freistil gewann und als erste Frau unter einer Minute kraulte.
Dass zum ersten Mal eine Person das Feuer ein zweites Mal entzünden könnte, gilt als ausgeschlossen. Der inzwischen 63-jährige Ron Clarke, mit 19 Jahren als hoffnungsvoller Leichtathlet Schlussläufer in Melbourne, kommt nach seinen eigenen Worten nämlich nicht in Frage. Der 18-malige Langstrecken-Weltrekordler sagte: "Auf keinen Fall, nie wieder, das soll jemand anderes machen."
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