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Johannesburg
Pistorius drohen nun 15 Jahre Haft

Johannesburg. Überraschende Wende: Ein Berufungsgericht hat den Paralympics-Star wegen Mordes an seiner Freundin verurteilt.

Vor einem Jahr war der ehemalige südafrikanische Sprintstar Oscar Pistorius nach Meinung vieler vor Gericht noch mit einem blauen Auge davongekommen. Doch das Oberste Berufungsgericht sieht hinter dem gewaltsamen Tod seiner Freundin Reeva Steenkamp Mord und sprach ihn gestern dessen für schuldig. Die Richter kippten damit eine Entscheidung aus erster Instanz, mit der der unterschenkelamputierte Athlet 2014 nur der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden und mit fünf Jahren Haft bestraft worden war.

Pistorius habe die tödlichen Schüsse mit krimineller Absicht abgegeben, sagte der Vorsitzende Richter Lorimer Eric Leach. Deshalb hätte der heute 29-Jährige bereits in erster Instanz wegen Mordes verurteilt werden müssen, sagte Leach weiter und ordnete ein anderes Gericht an, das Strafmaß festzusetzen.

Auf Mord steht in Südafrika eine Mindesthaftstrafe von 15 Jahren. Steenkamps Mutter war in dem Gerichtssaal in Bloemfontein anwesend, Pistorius selbst nicht. Seine Familie teilte in einer Erklärung mit, man habe das Urteil zur Kenntnis genommen und lasse es auf mögliche rechtliche Schritte überprüfen. Das mit der Festsetzung des Strafmaßes beauftragte Gericht, North Gauteng High Court, könnte bei der Findung des Strafmaßes Milde walten lassen - Pistorius ist behindert und Ersttäter. Eine Frist, wann das Strafmaß verkündet werden soll, gibt es nicht.

Pistorius habe wissen müssen, dass jemand hinter der verschlossenen Toilettentür durch seine Schüsse ums Leben kommen könnte, sagte Leach, als er das Urteil der Jury aus fünf Mitgliedern verkündete. "Die Identität seines Opfers ist unerheblich für seine Schuld", führte Leach weiter aus.

Pistorius hatte in der Nacht zum Valentinstag im Februar 2013 in seinem Haus mehrere Schüsse durch eine verschlossene Toilettentür abgegeben, hinter der sich Steenkamp befand. Er selbst sagte, er habe dahinter einen Einbrecher vermutet. Die Tötung seiner Lebensgefährtin sei ein tragisches Versehen gewesen, beteuerte er. Die Staatsanwaltschaft vermutete hingegen Vorsatz nach einem Streit in der Nacht und wollte mit dem Berufungsverfahren die jetzt erfolgte Verurteilung wegen Mordes erreichen.

Nach seiner Verurteilung hatte Pistorius Ende Oktober 2014 zunächst im Gefängnis gesessen und war nach knapp einem Jahr am 19. Oktober in Hausarrest entlassen worden, den er im Anwesen seines Onkels in Pretoria verbringt. Leach sprach angesichts des zu Weltruhm gekommenen Sportlers, der körperlichen Widrigkeiten getrotzt habe und dem erfolgreichen Model Reeva von einer "humanen Tragödie mit Shakespeare'schem Ausmaß".

Das Berufungsgericht prüfte Zehntausende Protokollseiten des Prozesses von 2014, der sich über sieben Monate hingezogen hatte. Staatsanwalt Gerrie Nel hatte während der Anhörung vor dem Obersten Berufungsgericht gesagt, die erste Instanz habe einen Fehler begangen, als sie Pistorius wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin verurteilt habe. Zudem habe Richterin Thokozile Masipa Beweise, die gegen Pistorius sprachen, ignoriert und andere falsch interpretiert, sagte Nel.

Bei der Berufung zielte die Staatsanwaltschaft auf einen Gesetzespassus ab, wonach ein Mensch wegen Mordes verurteilt werden soll, wenn absehbar ist, dass jemand durch seine Tat getötet werden kann und er diese trotzdem fortsetzt.

(ap)
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