Nach Punktsieg gegen Tate: Ottke bleibt Box-Weltmeister
zuletzt aktualisiert: 02.06.2002 - 10:09Nürnberg (rpo). Sven Ottke hat seinen Weltmeistertite im Supermittelgewicht nach Version der International Boxing Federation (IBF) verteidigt. Der Karlsruher siegte in Nürnberg gegen Thomas Tate (USA) einstimmig nach Punkten.
"Der Boxer hat gegen den Puncher geboxt. Man hat gesehen, wer der Bessere ist. Ich bin froh, ihm heute gezeigt zu haben, wo der Hammer hängt", konstatierte Ottke nach seiner 14. Titelverteidigung überaus locker und gelöst.
Der gebürtige Berliner hatte allen Grund dazu. Auf flinken Füßen trieb er seinen Kontrahenten durch den Ring, so dass dieser nie dazu kam, seine im ersten Vergleich im September 1999 demonstrierte Schlagstärke auszuspielen. "Sven hat das taktische Konzept meisterhaft umgesetzt und die Stärken von Tate mit einfachen Mitteln aufgehoben", analysierte Trainer Uli Wegner weit nach Mitternacht. Da war der 36-jährige Tate bereits im Krankenhaus zur Behandlung seines geplatzten Trommelfells. "Ich glaube, das war sein letzter Kampf. Zu einem neuerlichen Titelkampf wäre der Weg zu weit", meinte Trainer Willy Hayes angesichts des fortgeschrittenen Alters seines Schützlings tief enttäuscht.
Ein ähnliches Szenario wäre auch im Fall einer Niederlage von Ottke ziemlich sicher gewesen. "Ich hätte mich nicht noch einmal hintenan gestellt", gestand der Champion unumwunden ein. Angesichts seiner zweiten Glanzvorstellung in diesem Jahr wurden beinahe alle Gerüchte über das bevorstehende Karriereende vorerst ad acta gelegt und Zukunftspläne geschmiedet. "Der Substanzverlust war heute wohl nicht zu hoch. Ich denke, wir können den nächsten Kampf wie geplant am 24. August in Leipzig bestreiten", kündigte Manager Wilfried Sauerland an.
Der Gegner steht noch nicht fest, aber der WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht, Dariusz Michalczewski (Hamburg) von der konkurrierenden Universum-Promotion, wird es mit Sicherheit nicht sein. "Ein solcher Fight ist immer von Interesse. Wir haben auf unser Angebot aber noch keine Antwort erhalten", erläuterte Sauerland. Er hatte vorgeschlagen, das Wiegen auf den Kampftag zu verschieben, um so Gewichtsunterschiede zwischen beiden Kontrahenten einigermaßen auszugleichen.
Im Glanz von Ottke verblasste Timo Hoffmann (Frankfurt/Oder), obwohl der 2,02-Mann seinen Stallgefährten um mehr als 24 Zentimeter überragt und auch noch über 40 Kilo mehr auf die Waage bringt. Aber immerhin konnte der 27-jährige IBF-Continental-Champion im Schwergewicht bei seinem einstimmigen Punktsieg über Ross Puritty (USA), den bisher einzigen Bezwinger von Weltmeister Wladimir Klitschko, weitere Fortschritte nachweisen.
"Ich habe mich besonders darüber gefreut, dass Timo über die zwölf Runden hinweg diszipliniert durchgeboxt hat", befand Trainer Manfred Wolke nach dem völlig unspektakulären Vergleich. Die Emotionen auch unter den Zuschauern kochten erst hoch, als Puritty von Schauspielerin Christine Neubauer irrtümlicherweise zum Sieger erklärt wurde und nach der Richtigstellung des Urteils seinem Unmut mit wilden Gesten freien Lauf ließ.
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