Eiskunstlauf: Schwarz/Müller wurden Achte: Paarlauf-Titel an Russen Petrowa/Tichonow
zuletzt aktualisiert: 29.03.2000 - 22:47Nizza (dpa). Die Russen Maria Petrowa/Alexej Tichonow haben nach einer dramatischen Paarlauf-Entscheidung ihren ersten Weltmeister- Titel erobert. Die deutschen Meister Peggy Schwarz/Mirko Müller (Berlin) patzten bei den Titelkämpfen am Mittwochabend in Nizza dagegen und wurden nur Achte. Silber holten wie im Vorjahr die Chinesen Xue Shen/Hongbo Zhao.
Helden des Abends vor 8 000 Zuschauern im Palais des Expositions waren jedoch die Franzosen Sarah Abitbol/Stephane Bernadis, die einen Tag nach dem Attentat auf Bernadis Bronze gewannen. Überschattet wurde der Wettkampf durch einen schweren Sturz der Ukrainer Julia Obertas/Dimitri Palamartschuk. Der 20-Jährige war fünf Minuten lang bewusstlos und musste zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht werden.
Während die Blumensträuße nur so von den Rängen flogen, verdrückte Bernadis noch auf dem Eis ein paar Tränen. Mit ihrer umjubelten, aber nicht fehlerlosen Kür verdrängten die Lokalmatadoren noch die Kanadier Jamie Sale/David Pelletier vom dritten Platz. Die Berliner Mariana Kautz/Norman Jeschke verbesserten sich gegenüber dem Vorjahr um fünf Plätze auf Rang elf.
Vor den Augen von Prinz Albert erwischten Schwarz/Müller keinen guten Tag. Die viermalige Olympia-Teilnehmerin Peggy stürzte bei ihrer zehnten WM-Teilnahme beim Wurf-Lutz und - wie so oft - beim Doppel-Axel. Sogar ihr ansonsten so zuverlässiger Partner machte einen Fehler bei einer Hebung. "Wir haben den Sturz der Ukrainer mitbekommen. Das war heute wahnsinnig schwer", erklärte die Mutter des vierjährigen Michel. "Mein Sohn hatte zu mir gesagt: Ich soll ganz coole Sprünge machen. Der erste war auch cool, doch dann hat's mich zerlegt." In den nächsten Wochen wollen die WM-Dritten von 1998 entscheiden, ob sie weiterhin zusammen laufen.
Für einen Aufschrei des Entsetzens hatten Obertas/Palamartschuk gesorgt, als er bei einer Hebefigur mit dem Schlittschuh im Eis hängen blieb und plötzlich auf den Rücken stürzte. Dabei fiel Julia Obertas noch auf ihn. Der Läufer konnte zwar vom Eis geführt werden, war aber sichtlich benommen und brach hinter der Bande zusammen, während seine Partnerin hemmungslos weinte. Die zweimaligen Junioren- Weltmeister waren als Zehnte in die Kür gegangen. Die Kanadier Kristy Sargeant/Kris Wirtz, die danach antreten mussten, waren so geschockt, dass sie ihre Kür unterbrachen.
Die Russinnen Irina Slutskaja und Maria Butirskaja waren die überragenden Läuferinnen in der Damen-Qualifikation. Die Europameisterin und die Titelverteidigerin gewannen jeweils ihre Qualifikationsgruppen. Die Münchnerin und einzige deutsche Teilnehmerin Zoya Douchine konnte sich bei ihrem WM-Debüt als Sechste der leichteren Gruppe A für das Kurzprogramm am Donnerstag qualifizieren und erreichte damit ihr bescheidenes Ziel.
"Ich habe fünf Dreifachsprünge gezeigt, nur der Lutz hat gefehlt. Deshalb bin ich wirklich zufrieden mit meinem Programm", sagte die deutsche Vizemeisterin und EM-18. nach ihrem tadellosen Auftritt. Slutskaja setzte sich mit ihrer "Carmen"-Kür in der Gruppe B vor den Amerikanerinnen Michelle Kwan, der Weltmeisterin von 1998, und Sarah Hughes durch. Die 27-jährige Butirskaja gewann vor Mikkeline Kierkgaard (Dänemark) und der Ungarin Julia Sebestyen. Die Qualifikation macht 20 Prozent des Endergebnisses aus.
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