Bernadis Held des Abends: Pannen und Peinlichkeiten beim Paarlauf
zuletzt aktualisiert: 31.03.2000 - 10:03Nizza (dpa). Eine falsche Nationalhymne und eine vergessene Flagge haben bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Nizza eine denkwürdig dramatische und pannenreiche Paarlauf-Entscheidung "gekrönt". Als der schluchzende Franzose Stephane Bernadis einen Tag nach dem Attentat auf ihn von den 8 000 Zuschauern frenetisch für seine Bronzemedaille gefeiert wurde und die Russen Maria Petrowa/Alexej Tichonow aufs oberste Treppchen stiegen, lag der Ukrainer Dimitri Palamartschuk nach seinem schweren Sturz im Krankenhaus. "Normalerweise konzentriert man sich auf sein Programm, aber das war heute fast nicht möglich", stöhnte Tichonow nach dem packenden "Eiskampf" im Palais des Exposition.
Dass bei der Siegerehrung erst einige Takte der ukrainischen Hymne ertönten, bevor die russische eingespielt wurde, hatte der 28-Jährige vor lauter Freude gar nicht mitbekommen. Vergeblich schaute er sich aber nach der Nationalflagge um, die erst mit einiger Verspätung hochgezogen wurde. Vor dem Finale waren Petrowa/Tichonow im Aufzug den wegen Dopings fehlenden Titelverteidigern Elena Bereschnaja/Anton Sicharulidse begegnet. "Sie sind unsere Freunde und haben uns Glück gewünscht", sagte der St. Petersburger.
Mit einer makellosen Vorstellung hatten die Europameister von 1999 die Chinesen Xue Shen/Hongbo Zhao vom ersten Platz verdrängt. Als Einzige behielten Petrowa/Tichonow in dem Hexenkessel die Nerven. Wie Weltmeister gefeiert wurden jedoch Bernadis und Sarah Abitbol mit ihrer "Engel und Teufel"-Kür. In den Katakomben riss der Pariser dann vor den Journalisten mit einer theatralischen Geste seinen Verband vom linken Arm und zeigte die Schnittwunde. Diese hatte ihm am Dienstag im Hotel ein Unbekannter mit einem Rasiermesser zugefügt.
"Was ihr hier seht, ist wahr. Die Verletzung ist echt", brüllte Bernadis. Auf der Pressekonferenz widersprach der französische Verbandsarzt Jean-Claude Moati kaum weniger aufgeregt "den Gerüchten, dass er sich selbst verletzt haben soll, um Publicity zu bekommen". Mit einer schmerzstillenden Spritze war der siebenmalige französische Meister in den Wettkampf gegangen, am Tag danach titelte die Tageszeitung "Nice Matin": "Abitbol/Bernadis: Tapferkeitsmedaille."
Weit dramatischer schien im ersten Moment der Sturz der früheren Junioren-Weltmeister Julia Obertas/Dimitri Palamartschuk. Bei einer Hebung war der Ukrainer unvermittelt auf den Rücken gefallen, seine Partnerin stürzte noch auf ihn. Die Erstversorgung des 20-Jährigen ließ selbst medizinischen Laien die Haare zu Berge stehen. "Wie der Läufer vom Eis getragen wurde, das war fachlich so etwas von daneben", kritisierte der deutsche Mannschaftsarzt Stefan Pfrengle, der hinter der Bande Erste Hilfe leistete. "Man muss ihn natürlich liegend holen und darf ihn nicht auf die Beine stellen."
Palamartschuk wurde ungeachtet einer möglichen Wirbelsäulenverletzung wie ein Betrunkener hinter die Bande geschleppt, wo er zusammenbrach. Bei Untersuchungen im "Hospital St. Roch" wurden zwar keine Verletzungen festgestellt, der Ukrainer musste jedoch über Nacht zur Beobachtung bleiben. Am Abend der ersten Medaillenvergabe hatten die Organisatoren in Nizza, die erst vor sieben Monaten für Brisbane/Australien eingesprungen waren, jedenfalls nur "Blech" verdient.
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