Tour de France: Pantani/Cipollini doch bei der "Tour"?
zuletzt aktualisiert: 06.05.2001 - 14:08Berlin/Rom (rpo). Marco Pantani (Foto) und Mario Cipollini suchen weiterhin nach einer Möglichkeit an der diesjährigen Tour de France teilzunehmen. Das italienische Lampre-Team bot dem Tour-Sieger von 1998 Marco Pantani einen Platz im Team an.
Diese Idee gab Lampre-Manager Giuseppe Saronni, Ex-Champion der 80er Jahre, bekannt. Vorher hatte sich Bjarne Riis' dänisches CSC-Team PR-wirksam um Cipollinis Dienste bemüht und für einen Vertrag von sofort bis Ende 2002 rund eine Million Mark geboten. Mit einem Schönheitsfehler: "Bis jetzt hat weder jemand mit uns, Marios Manager oder ihm selbst gesprochen", erklärte Claudio Corti, Sportchef des Lampre-Teams, das im Vorjahr selbst vor verschlossenen Tour-Türen stand.
Auch Pantanis Vorgänger und Nachfolger als Tour-Sieger, Jan Ullrich und Lance Armstrong, sollen für den Berg-Spezialisten, dem die Tour-Organisation am vergangenen Mittwoch die Rote Karte gezeigt hatte, in die Bresche springen. Solidarität von den beiden wünschte sich der verzweifelte "Pirat", dem mangelnde aktuelle Form und seine Doping-Vergangenheit mit zwei laufenden Prozessen die Tour vermasselt hatten. Auch Hein Verbruggen, Präsident des Internationalen Radsport- Verbandes UCI, der im Vorjahr Richard Virenque (Frankreich) nach Intervention nachträglich ins Starter-Feld hievte, soll helfen. Aber der Niederländer konnte den prominenten Italienern kaum Hoffnung machen: "In diesem Jahr ist nichts mehr drin."
Ullrich und Armstrong haben sich auf ihren Internet-Seiten zwar vorsichtig für Pantani ausgesprochen, doch der zweifache Toursieger aus Texas vermied offene Kritik an den in manchen Fällen schwer nachzuvollziehenden Auswahl-Kriterien der Tour-Administration unter Jean-Marie Leblanc. "Marco wird mir und auch den Fans sicher fehlen, aber ich kritisiere Leblanc nicht. Es ist sein Rennen", hieß es auf der Armstrong-Homepage. Sicher war dem Texaner noch der Streit mit Pantani in Erinnerung, als er sich im Vorjahr mit dem Glatzkopf in die Haare geriet, nachdem er dem Italiener großzügig den Etappensieg auf dem Mont Ventoux überlassen hatte.
Ullrich, seit dieser Woche auch mit eigener Homepage im Netz, bedauerte, dass nun aus dem Dreikampf mit Pantani und Armstrong wohl "leider" nur ein Duell werde. Vorher muss Armstrong in der kommenden Woche bei einer Analyse seiner Blutproben der Tour 2000 abermals beweisen, dass er "clean" ist. Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte diese Untersuchung angeordnet. Laut Armstrongs US-Postal-Team sei eine nachträgliche Kontrolle der eingefrorenen Urin-Proben des Vorjahres im April bereits negativ verlaufen.
Verbruggen, dem beim Festina-Prozess in Lille im Vorjahr zusammen mit Leblanc vom Richter eine Mitschuld an manchen Doping-Missständen im Profi-Radsport zugesprochen worden war, sparte nicht mit Kritik an dem Tour-Chef. "Nationaler Chauvinismus ist an die Stelle sportlicher Kriterien bei der Auswahl der Teams getreten. Auch die Sponsoren müssen sich darauf verlassen können, beim bedeutendsten Radrennen dabei zu sein", sagte IOC-Mitglied Verbruggen. Er versprach für das kommende Jahr ein neues und einheitliches UCI-Reglement für die Einladungen zu den großen Länder-Rundfahrten Giro, Tour und Vuelta.
Die Societe du Tour de France hatte im Januar die ersten 16 Mannschaften - darunter das Team Telekom - benannt. Am Mittwoch wurden noch ein Mal fünf Wildcards verteilt. Unter 21 Teams gehen am 7. Juli in Dünkirchen acht französische, vier aus der 2. Liga, an den Start. "Der Jugend eine Chance", nannte Leblanc seine Methode.
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