Erneute Doping-Ermittlungen gegen den italienischen Radprofi: Pantani droht das Karriere-Ende
zuletzt aktualisiert: 21.04.2000 - 14:28Rom/Berlin (dpa). Marco Pantani steht vor dem Ende seiner Karriere. Nach zahlreichen Doping-Ermittlungen gegen den Italiener in Brescia, Trento und Ferrara wurde der 30-jährige Gewinner des Giro d'Italia und der Tour de France von 1998 am Donnerstag von Richter Michele Leoni in Forli in Norditalien wegen «Sportbetrugs» angeklagt.
Der «Corriere della Sera» stöhnte am Freitag auf und ließ mit einer dicken Überschrift die aktuelle Regierungskrise auf den zweiten Rang des öffentlichen Interesses rücken: «Pantani wird der Prozess gemacht». Leoni unterstellt dem war. Erhöhte Blutwerte gelten als Indiz für Doping mit dem künstlich hergestellten Hormon EPO, das die Sauerstoffzufuhr erhöht.
Die Anklage steht allerdings nicht nur nach Meinung des Pantani- Verteidigers Gaetano Insolera auf etwas wackligen Füßen, weil das in Frage kommende Gesetz Nummer 401 direkte Bestechung («Geld oder andere Vorteile») als «Sportbetrug» wertet. «Juristisch ist das sehr heikel, aber in diesem Land ist alles möglich», sagte Insolera. Felice Gimondi, vor Pantani 1965 letzter italienischer Toursieger und Präsident des Pantani-Teams Mercatone Uno, erklärte schockiert: «Es sieht aus, als wollte man den Jungen massakrieren.»
Pantani war seit seiner letzten Auffälligkeit nur noch zwei Rennen gefahren und diese nicht einmal bis zum Ende. Am 5. Juni 1999 war er als Spitzenreiter des Giro disqualifiziert worden. Bei einer Blut- Untersuchung waren bei ihm erhöhte Werte, die über dem Limit von 50 Prozent fester Bestandteile im Blut lagen, festgestellt worden. Ein schlüssiger Doping-Beweis ist allerdings immer noch nicht zu führen. Deshalb hatte der Weltverband UCI Pantani im vergangenen Juni nur 15 Tage aus «gesundheitlichen Gründen» gesperrt.
Die Anklage traf den 60 Kilo leichten Glatzkopf am Donnerstag wie ein Hammer. Angeblich sei er auf bestem Weg gewesen, wie ein Phönix aus der Asche beim diesjährigen Giro zu starten. Ein Comeback-Versuch nach achtmonatiger Pause war zu Beginn des laufenden Jahres in Spanien kläglich gescheitert. Seitdem hatte sich Pantani ins Training zurückgezogen. Am 20. März, nachdem er bei der Valencia- und Murcia- Rundfahrt vorzeitig ausgestiegen war, hatte Pantani einen Brief veröffentlicht und eine Pause angekündigt.
In dem in italienischen Zeitungen abgedruckten Schreiben hieß es unter anderem: «Ich möchte mit Aufrichtigkeit und Enthusiasmus in den Radsport zurückkehren. Ich habe innerliche Schmerzen und brauche eine Pause. Wie lange sie dauert, kann ich nicht sagen.» Seine Umgebung wertete diese Formulierungen schon vor einem Monat als sicheres Zeichen des bevorstehenden Rücktritts des zurzeit populärsten Einzelsportlers Italiens.
«Ich hatte sowieso nicht mehr mit seinem Tourstart gerechnet», sagte am Freitag Telekom-Teamchef Rudy Pevenage. Dessen Schützling Jan Ullrich (Merdingen) hatte 1998 bei der Tour von Pantani die empfindlichste Niederlage seiner Karriere einstecken müssen.
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