OK-Chef Knight muss vor Gericht: Paralympics-Etat erst zu 70 Prozent gedeckt
zuletzt aktualisiert: 05.07.2000 - 12:12Sydney (sid). Der 200-Millionen-Mark-Etat der Paralympics in Sydney ist erst zu 70 Prozent gedeckt. Grund dafür ist vor allem der Ticketverkauf, da bisher erst 393.000 von 650.000 angestrebten Eintrittskarten für die Behinderten-Olympiade vom 18. bis 29. Oktober verkauft wurden. Zudem fehlen knapp drei Millionen von den budgetierten 20 Millionen Mark an Marketing-Einnahmen.
"Wir werden trotzdem tolle Spiele erleben. Der Ticketverkauf wird erst nach den Olympischen Spielen anziehen - und er ist jetzt schon besser als in Atlanta vor vier Jahren", erklärte Lois Appleby als Chefin des Paralympics-Organisationskomitees (SPOC).
Grund für den Optimismus sind auch Zuschüsse der australischen Bundesregierung und des Bundesstaates Neusüdwales in Höhe von je 13 Millionen Mark. Der Erlös aus dem Verkauf der Fernsehrechte in Höhe von vier Millionen Mark - darunter an die von der EBU vertretenen deutschen Rechteinhaber ARD und ZDF - liegt ebenfalls über den Erwartungen.
OK-Chef Knight muss vor Gericht
Schwere Zeiten für Olympiaminister Michael Knight: Der OK-Chef der Olympischen Spiele von Sydney soll am Freitag vor Gericht erscheinen. Grund ist ein Rechtsstreit, in dem es unter anderem um die Nutzung des Olympic Superdome nach den Spielen geht. Das konkurrierende Sydney Entertainment Centre wirft Knight Rechtsbruch vor, weil er im letzten Monat eine Überprüfung über die Zukunft des Showzentrums eingeleitet hatte. Erst am Dienstag hatte sich Knight vor einem Regierungs-Ausschuss für die jüngsten Löcher im Olympiabudget und die nachfolgende Zahlung von 182 Millionen Mark an Steuergeldern verantworten müssen.
Das Management des Sydney Entertainment Centre will mit der Einberufung Knights samt der Olympischen Koordinierungsbehörde (OCA) erreichen, dass die eingeleitete Überprüfung als illegal erklärt wird. Die Untersuchung soll der Regierung von Neusüdwales eine Empfehlung geben, ob auch in Zukunft Live-Shows im Entertainment Centre stattfinden dürfen oder besser in den 20.000 Zuschauer fassenden Superdome im Olympic Park verlegt werden sollten.
In diesem Zusammenhang soll Knight eine Klausel im Vertrag zwischen der Regierung und dem Superdome-Mitinvestor verschwiegen zu haben. Demnach erhält die Regierung 8,5 Millionen Mark mehr Miete von dem Unternehmen, falls Live-Shows im konkurrierenden Entertainment Centre verboten werden. Der 260 Millionen Mark teure Superdome hatte bisher keine bedeutenden Veranstaltungen angezogen.
Bei der Überprüfung des Olympia-Budgets hatte Olympiaminister Knight weitere Fehler eingestehen müssen. Schon zum Zeitpunkt als Finanzministers Michael Egan die Olympischen Spiele als "bis auf den letzten Cent bezahlt" bezeichnet hatte, wusste der OK-Chef um die Notwendigkeit weiterer Finanzspritzen durch die Regierung. Die Budgetlöcher waren vor allem durch Zusatzkosten von 50 Millionen Mark durch das Ticket-Desaster entstanden.
Und er konnte auch nicht ausschließen, dass die Steuerzahler von Neusüdwales noch einmal zur Kasse gebeten werden: "Wir können nicht garantieren, dass es keine 17 Tage Hagelsturm, keine Sicherheitszwischenfälle und keine ausbrechende Seuche gibt, die uns mehr als die Hälfte unserer Arbeitskräfte kostet."
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