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London
Phil Taylor – der König des Dartsports krönt sich erneut
London. Der Brite holt den 16. WM-Titel. Im Finale gewinnt er im Duell der Generationen gegen den Niederländer Michael van Gerwen den Titel. Von Stephan Seeger

Phil Taylor kaut auf seinen Flights, den Enden der Dartpfeile, herum. Der Brite ist nervös, merkt, dass er seinem niederländischen Konkurrenten Michael van Gerwen unterlegen ist. Zwei Sätze sind zu diesem Zeitpunkt gespielt, beide hat der 23-jährige Herausforderer für sich entschieden und dabei perfekt gespielt.

Der Alexandra Palace in London ist beängstigend ruhig, weil sein größter Sohn schwächelt. Nach einer kurzen Pause kommt Taylor zurück und spielt so, wie es die Fans von ihm kennen. Taylor trifft die acht Millimeter hohen Triple-Felder besser und behält die Nerven, wenn es drauf ankommt, ein Leg für sich zu entscheiden. Drei Legs sind nötig, um einen Satz zu gewinnen. Taylor macht aus dem 0:2 ein 2:2. Selbst als van Gerwen die Sätze fünf und sechs in einem hochklassigen Finale für sich entscheidet, findet Taylor die passenden Antworten.

Der 52-Jährige gewinnt, getragen von den frenetischen Fans in der ausverkauften Halle, fünf Sätze in Folge und sichert sich mit einem Wurf in das Doppelfeld der 16 seinen 16. WM-Titel. Was ihm dieser Erfolg bedeutet, zeigt er bei der Pokal-Übergabe. Taylor schluckt ein paar Tränen runter, als er von seinem im August verstorbenen Freund und TV-Moderator Sid Waddel spricht. "Sid war eine Vater-Figur für mich. Er war mein größter Fan. Ich habe ihn geliebt", sagt Taylor, der aber im Moment seines vielleicht größten Erfolges nicht denjenigen vergisst, den er gerade besiegt hat. "Der Junge ist phänomenal", sagt Taylor über seinen 29 Jahre jüngeren Konkurrenten: "Ich habe, ehrlich gesagt, teilweise nicht gedacht, dass ich gewinnen würde." Der Sieg mache ihn zum "stolzesten Mann der Welt". Dabei ist Taylor ans Gewinnen gewöhnt. Nachdem er 1990 im Alter von 30 Jahren seinen ersten WM-Titel geholt hatte, war er nicht mehr zu stoppen: 19 Finalteilnahmen, 16 Siege, von 1995 bis 2002 acht Titel in Serie.

Taylor, am 13. August 1960 in Burslem geboren, lebt für den Kneipensport. Mehrere Stunden am Tag wirft er die knapp 20 Gramm schweren Pfeile auf das Brett. Um noch besser zu werden. "Darts ist mein Leben. Ich will weitermachen und weiter siegen", hat Taylor einmal gesagt. Sein Leitspruch gilt noch immer. In Großbritannien ist er ein Volksheld. Immer, wenn er spielt, gibt es unter den Fans kein Halten mehr. "Es gibt nur einen Phil Taylor, wir gehen durch ein Taylor-Wunderland", hallte es auch bei der abgelaufenen WM wieder aus der bierseligen Menge. "The Power" ist eine Legende aus der Mitte des Volkes. Einer, der es mit seinem Hobby zum Multimillionär gebracht hat. Und einer, der auch Emotionen zeigen kann. Und genug hat er noch lange nicht. Nach seinem Sieg kündigte Taylor an, den Titel im kommenden Jahr verteidigen zu wollen. Auch dann ist der König der Kneipensportler wieder Mitfavorit.

Quelle: RP
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